Apples Schachzüge im Mobile Payment: eine Analyse (Teil 2)

Apple China

Wird ins Mobile Payment einsteigen? Welche Gründe dafür sprechen und wer es mit der Angst zu tun bekommen könnte, analysiert dieser zweiteilige Artikel. Die ersten vier Punkte der Fakten und Analyse waren bereits im Teil 1 zu lesen. Hier folgen nun Punkt fünf bis sieben sowie die anschließende Bewertung inklusive Empfehlungen an die Banken.

5.    Einflussfaktor: China Der chinesische Markt, der wichtigste Zielmarkt Apples, ist nahezu aus dem Stand der größte Mobile Payment-Markt der Welt geworden. Dabei überrascht weniger die Tatsache als die Schnelligkeit, mit der dies geschehen ist. Die Geschwindigkeit zeigt vor allem eins, es gibt einen riesigen Bedarf nach Mobile Payment. Damit passen übrigens auch die Gartner-Prognosen wieder. Die Chinesen sind in die Bresche von gesprungen. Die chinesische Zentralnotenbank berichtete unlängst von 1,6 Billionen US-Dollar in Mobile Payment, wobei die Transaktionen gegenüber dem Vorjahr um 213% und der Wert der Transaktionen um 317% gestiegen sind. 0,8 Prozent der Mobile Payment-Transaktionen haben als Grundlage. China hat aktuell 500 Millionen Mobile Internet-Nutzer.

Bildquelle: dailymobile.net

Was hat dies jedoch mit Apple zu tun? Apple hatte im vergangenen Jahr nach langem Ringen einen Vertrag mit China Mobile, dem mit 750 Millionen Kunden größten Mobilfunkbetreiber der Welt, abgeschlossen und damit endlich den Fuss im wichtigen chinesischen Markt. China Mobile setzt im Bereich Mobile Payment mit seinem Partner NTT Docomo auf NFC-Technik und hat innerhalb kürzester Zeit 3 Millionen Nutzer erzielt. Darüber hinaus wird chinesischen Banken die Zusammenarbeit bei einer Mobile Payment-Plattform (Kollaboratives Strategiemodell) angeboten im Zusammenspiel mit China Mobile. Die Milliarden-Dollar-Preisfrage lautet daher: Wie wird sich Apple jetzt entscheiden?

6.    Einflussfaktor: Strategien Apple besitzt aufgrund seiner erfolgreichen Endgeräte-Strategien wesentliche Eckpfeiler der Mobile Payment-Wertschöpfungskette: die Kunden und Händler. Mit der Entscheidung für BLE und iBeacons sind kurzfristig schneller einsatzfähige Mobile Payment-Services mit geringerer Öko-System-Komplexität möglich. Fatal sind aktuelle NFC-Payment-Anbieter ist die aktuell fehlende NFC-Technik bei Apple. Da Länderübergreifend, auch in Deutschland die aktivsten Nutzer (ca. 60%) aus dem -Lager kommen. Stickerlösungen sind eher als Second-Best-Lösungen anzusehen. Der Markt dürfte erst richtig abheben, wenn es integrierte Angebote gibt. Zu guter Letzt testet Apple seine Mobile Payment-Lösung vor der Einführung in den Markt ausgiebig in seinen Shops.

7.       Innovationen und Apple hat in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Patente für Mobile Payment-Services angemeldet. Dazu gehören „Zahlungen für Güter, die über ein Signal von einem Smartphone zu einem drahtlosen Empfänger veranlasst werden,“ oder „ein Sensor der biometrische und NFC-Technik kombiniert,“ oder „eine Methode und ein System, das Kredits verwaltet.“

Bewertung:

Von allen Teilnehmern hat Apple die komfortabelste Position, da es mit Abstand über die meisten Optionen verfügt, und es sich beinahe Aussuchen kann, welche Rolle es einnehmen möchte, und welche Einnahmen an der Wertschöpfungskette es erzielen möchte. Als Stichworte für die Rollenoptionen mögen folgende ausreichen: Hardwarelieferant (Smartphone, Lesegeräte), Trusted Service Manager, White Label Plattform oder „Weltbank“. Das Unternehmen hat höchstes „Game Changer Potential“ aufgrund seiner Finanzkraft, der überragenden Kundenbasis (Endkunde/Händler), seiner Erfahrung mit komplexen Innovationsproblemen, seiner Historie und der skizzierten Schachzüge. Dabei wird das Unternehmen zukünftig nicht einseitig den Markt bestimmen, sondern wird auf Marktentwicklungen in seinen wichtigsten Zielmärkten wie China reagieren müssen. Wenn sich die größten Mobile Payment-Branchen auf die NFC-Technologie festlegen, wird das Unternehmen reagieren müssen. Die Patente geben dabei die hilfreiche Fingerzeige.

Erwartungen

  • Apple wird NFC in seinen Endgeräten (Smartphone / Tablet) integrieren. (Argumente: Patente, China, wachsende Verbreitung von NFC-fähigen End- und Lesegeräte bis 2016).
  • Mit BLE / iBeacons hat sich Apple weitere Optionen im Marketing, Mobile Payment und Internet der Dinge geschaffen.
  • Apple wird sich nicht zu einer „Weltbank“ entwickeln. Dies ist erstens nicht erfolgreich und aufgrund der großen regulatorischen Anforderungen an Banken weltweit unternehmerisch nicht sinnvoll.
  • Apple wird versuchen, seine aktuelle Position, in zentrale Rollen in dem kommenden Mobile Payment Öko-System, zu übersetzen. Idealerweise als „White-Label-Plattform-Anbieter“.

Empfehlungen an Banken

Kurzfristig: 

  • Design, Gestaltung und Umsetzung Digitaler Strategie
  • Einführung und Ausweitung von Mobile Banking-Services
  • Design einer eigenständigen Mobile Payment Strategie
  • Unternehmensstrategie
  • Vorantreiben der „Mobile Readyness“ des eigenen Unternehmens
  • Konsortium innerhalb der Branche / Branchenübergreifend
  • Enge Zusammenarbeit mit nationaler und europäischer Regulierung

Mittelfristig:

  • Einführung eines Mobile Payment Öko-Systems
  • Einführung einer Mobile Payment-Lösung

Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag vom 18. März 2014 auf der Konferenz “Next Generation Payments” des Bankingclubs in Köln.

Thomas Lerner

Der Autor: Thomas Lerner ist Management Berater, Autor, Trainer und Speaker bei Mobile Marketing, Banking, Payment und Banking Services. Im Dezember 2013 ist sein Buch „Mobile Payment“ in englischer Sprache erscheinen. Im Sommer 2014 erscheint sein neues Buch „Mobile Marketing / Mobile Banking“.

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