Warum mir LinkedIn eine Karriere als Innenarchitekt in der Parfümerie vorschlägt

So funktioniert der Algorithmus des Job-Portals

Wer den Algorithmus von LinkedIn versteht, kann sein Profil verbessern
Quelle: pixabay, Pexels

Alle wollen Digital Natives sein. Das ist hip und cool. Dazu gehört auch: Wer sucht ist dumm. Du willst etwas, lass dich einfach finden. Funktioniert ja auch bei Partnerbörsen und Wohnungsanzeigen. Einfach Input reinstellen und den schlauen Systemen die Arbeit erledigen lassen. Warum sollte man das Prinzip nicht auch auf die Karriere anwenden?  Einfach ein schickes Bild, alle Skills und Jobs auf einem -Portal posten und dann auf die Zukunft warten. So einfach ist es dann aber nicht. Wer sein Account vernachlässigt und null Aktivität zeigt, dem spuckt der Algorithmus kuriose Job-Angebote aus.

Innenarchitekt in der Parfümerie

Auch ich habe auf LinkedIn einen Account, in dem ich mitteile, was ich alles so gemacht habe oder was ich für wichtig erachte, mitzuteilen. Darunter befinden sich Stationen meiner beruflichen Laufbahn. Meistens steht da Texter, Autor, Schreiber. Doch der LinkedIn-Algorithmus hat wohl eine andere Auslegung dessen, was mein Können betrifft.

In einer Mail mit “TOP-Jobs direkt für mich” empfahl man mir, Innenarchitekt in einem bekannten Parfümerie-Unternehmen zu werden. Oder Sales Manager bei einer noch bekannteren Mode-Firma. Ich fühle mich ja sehr geehrt, dass der Algorithmus für mich eine Karriere im Beauty-Bereich vorsieht, doch stellt sich einem dann doch die Frage: Wie kommt der darauf?

Das geschieht mit deinem Content au LinkedIn

Auf Suche nach Antworten fand ich ein beim Blogger Ross Simmonds eine Erklärung zum Strategie-Paper von Rushi Bhatt, Director of Engineering bei LinkedIn. Demnach gibt es ein mehrstufigen Prozess, wenn User ihren Content auf der Plattform hochstellen. Wer diesen durchblickt, versteht auch, woran LinkedIn bemisst, dass deine Infos verbreitet oder reduziert werden. Ebenso, wieso dein Profil vielleicht mit abwegigen Job-Angeboten verbunden wird.

Der erste Schritt findet genau dann statt, wenn du Content auf deinen Account postest. Sogenannte Classifier-Programme bewerten jedes Bild, den Text und auch die Textlänge nahezu in Echtzeit dahin, ob es als “Spam” “Geringe-Qualität” und “Geht klar” anzusehen ist. Sobald dein Inhalt also durch diesen ersten Filter hindurch ist, bringt man ihn mit einer ersten Menge an Beispiel-Usern in Verbindung. Dies beeinflusst die Wahrscheinlichkeit der Reichweite deines Contents. Ebenso Likes und Views oder ob es versteckt oder gekennzeichnet wird.

Nach dieser automatisierten Qualitätsprüfung checken reale Menschen dein Profil. Diese entscheiden dann, ob es weiterhin auf LinkedIn gezeigt oder herabgestuft wird.

Wichtig: Dein Profil wird zu Beginn nur einer kleinen Auswahl an Leuten präsentiert. Nämlich denjenigen, mit denen du in Verbindung stehst. Und erst, wenn diese Leute darauf wie auch immer reagieren, wird dein Content zu realen Prüfern weitergeleitet, die daraufhin entscheiden, ob dein Profil der breiten Masse gezeigt wird.

Erkenntnis: Es ist demnach verdammt wichtig, was in deinem Profil steht. Wer sich sehr vage ausgedrückt (Wie ich “Schreiber”), trägt dazu bei, dass der Content womöglich falsche Adressaten findet. Ebenso ist es eine Falschannahme, zu denken, dass es ausreicht, ein Profil auf LinkedIn zu erstellen und sich der Welt damit ausreichend präsentiert zu haben. Wie bei Facebook ist entscheidend, sich mit Leuten aktiv zu vernetzen und mit ihnen zu interagieren. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass dein Profil wirklich einem größeren Publikum präsentiert wird.

Daimler-Chef Dieter Zetsche erhielt BMW-Angebot

Was heißt das also für meine Karriere in der Parfümerie und im Mode-Business? Erstens habe ich mich zugegeben wenig um mein Profil gekümmert und keine detaillierten Angaben zu Beruf und noch wichtiger, Berufsbezeichnungen, unternommen. Zweitens habe ich quasi null Netzwerk, außer einigen Freunden. Vielleicht hat der LinkedIn-Algorithmus aus meinem Eintrag “Schreiber” Kreativität herausgelesen und es so mit Innenarchitekt in Verbindung gebracht? Wer weiß. Dass der Algorithmus doch funktioniert, beweist ein erheiterter (Noch-) Daimler-Chef Dieter Zetsche letztes Jahr. Schließlich wurde dem “Influencer” auf dem Karriere-Netzwerk anhand seines Profils und seiner Aktivität eine Karriere bei BMW vorgeschlagen.

Quellen:

LinkedIn-Seite von Dieter Zetsche

Überraschender Karrieretipp: Zetsche veralbert LinkedIn

Director of Engineering, Rushi Bhatt postet, wie LinkedIn funktioniert

Strategies for Keeping the LinkedIn Feed relevant, Rushi Bhatt

Algorithmus-Erklärung, Blogger Ross Simmonds

 

 

Carsten Thomas
Über Carsten Thomas 53 Artikel
Autor und Gamingnerd. Stets interessiert an Tech-Innovationen, Medienwandel und Technikutopien. Redakteur bei mobile zeitgeist.

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