Mobile Apps: Der Manufaktur-Betrieb hat ausgedient

app fertigung

Nur mit einer „Industrialisierung“ der Prozesse sind die Entwicklung und das Management von mobilen Anwendungen auf Dauer wirtschaftlich sinnvoll.

Bei mobilen Apps ein ähnliches Nutzererlebnis über alle Screen-Größen herzustellen, ist vor allem wegen der damit verbundenen technischen Einschränkungen bei den unterschiedlichen Endgeräten und Plattformen eine Herausforderung. Viele Unternehmen reagieren darauf noch häufig mit Individualentwicklungen oder getrennten Systemen. Dabei werden wichtige Elemente – wie z.B. die Kundenprofile, Segmentierungen, Content, Assets, Analyse-Dashboards und nicht zuletzt die transaktionalen Systemintegrationen unnötig multipliziert. Das kostet Zeit und treibt die Kosten in die Höhe.

Industrialisierung statt Manufaktur

Um den Aufwand zu verringern, ist deshalb für die App-Entwicklung und -Pflege eine „Industrialisierung“ statt der heute vorherrschenden „Manufaktur“ erforderlich. Arbeitsteilige Prozesse und wiederverwendbare Komponenten machen die App-Entwicklung skalierbar und kosteneffizient. Dabei geht es nicht um die Einheits-App, sondern um eine individualisierte Variantenfertigung. So wie heute in der Automobilfabrik vom gleichen Fließband verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Ausstattungsvarianten rollen und die Hersteller dabei von einer Gleichteilestrategie mit Mengeneffekten beim Einkauf profitieren. Auch Mischformen aus Individualentwicklung und Wiederverwendung vorhandener Komponenten sind ein Weg zur Kostenreduzierung.

Unternehmen können diesen Schritt zur Industrialisierung für sich alleine gehen, um vorhandene Wettbewerbsvorsprünge zu nutzen. Oder die Dienste einer „App-Factory“ in Anspruch nehmen, die für mehrere Kunden Anwendungen wie vom Fließband produziert und dadurch schneller ist. Entsprechende Geschäftsmodelle entstehen gerade. Vor allem bei Service-Apps zur Erhöhung der Kundenbindung – wie etwa dem von der Hilton-Hotelkette geplanten Ersatz des Zimmerschlüssels durch eine -App – stößt dieses kostensparende Vorgehen allerdings an seine Grenzen, da solche Anwendungen hochgradig individuell sind und eine tiefe Integration in Backend-Systeme erfordern.

Entwicklungsprozesse verkürzen

Doch auch hier lässt sich die Entwicklung beschleunigen. Etwa mit Werkzeugen wie Adobe PhoneGap, Sencha Touch Appcelerator (Titanium), Solutions (RhoMobile), Qt () oder Xamarin (MonoTouch and Mono for ). Mit PhoneGap Enterprise, laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Vision Mobile, der Marktführer unter den Cross-Plattform-Technologien, müssen hybride Apps für Mobilplattformen wie , Android, webOS, Windows Phone, RIM , Tizen oder Nokia OS und nur noch einmal entwickelt werden und lassen sich dann automatisch angepasst über die jeweiligen App-Stores verbreiten. Anstelle der Benutzung von gerätespezifischen Programmiersprachen werden die Applikationen in PhoneGap mit JavaScript, und CSS 3 erstellt, was den Entwicklungsprozess deutlich vereinfacht und verkürzt.

Bei der Pflege Skaleneffekte nutzen

Bei der Pflege von mobile Apps bietet sich die Integration in das bestehende Web Content Management-System an. Dort kann das App-Management idealerweise über ein gemeinsames Interface stattfinden, das sich ohne Programmierkenntnisse bedienen lässt. Egal, ob es sich um eine App, mobil optimierte Seite oder Webseite handelt, ist so ein konsistentes Digital Asset und Content Management sichergestellt. Marketingverantwortliche können sich damit auf aktuelle Inhalte konzentrieren, ohne sich um unterschiedliche App-Stores, fragmentierte Betriebssysteme und verschiedene Gerätegrößen Sorgen machen zu müssen.

Die Trennung von Contentpflege und kontinuierlicher App-Fortentwicklung sorgt für Skaleneffekte. Gleichzeitig lassen sich z.B. mit standardisierten Schnittstellen die Komplexität und der Wartungsaufwand reduzieren. Denn im Zusammenhang mit der App-Entwicklung und Pflege dürfen nicht nur die einmaligen Kosten zu Beginn betrachtet werden, zu denen neben gleichzeitiger Bereitstellung aller notwendigen Funktionen für alle relevanten Zielplattformen auch deren Integration miteinander und dem Backend wie etwa einem SAP-System gehören.

Welche Plattformen für ein Unternehmen dabei relevant sind, hängt von vielen Faktoren ab. Neben den gängigen Smartphone- und Tablet-Betriebssystemen sollte man heute bereits an die Vielzahl von weiteren Touchpoints denken, an denen Kunden künftig mit Unternehmen kommunizieren und die mit Hilfe von Apps mit aktuellem Content oder Benutzererlebnissen versorgt werden. Etwa wie und Fitness-Armbänder oder interaktive Instore-Displays.

80% der Kosten entstehen erst später

Vor diesem Hintergrund gilt es, die gesamten Total Cost of Ownership (TCO) nicht aus den Augen verlieren. Zu denen zählen die laufenden Folgeaufwendungen für Aktualisierung und Erweiterung der Apps im gesamten Lebenszyklus. Eine genaue Bestimmung der TCO ist pauschal nicht möglich, da dieser Wert von sehr vielen Faktoren abhängt. Etwa dem erforderlichen Integrationsaufwand in Unternehmensanwendungen oder den Ausgaben für die Anpassung an unterschiedliche Plattformen.

Aber auch im Mobil-Bereich gilt die Erfahrung, dass rund 80 Prozent der Kosten erst im weiteren Verlauf der App-Pflege und Weiterentwicklung entstehen. In welcher Größenordnung durch eine Industrialisierung von App-Entwicklung und -Pflege Kosteneinsparungen möglich sind, ist ebenfalls nicht allgemein zu sagen. Aber entwickelt man seine Apps mit Hilfe einer Cross-Plattform-Lösung, ist mit einer Reduzierung der Kosten um mehr als 80 Prozent im Vergleich zu einer nativen Programmierung für alle Einzel-Systeme zu rechnen. Alleine das rechtfertigt schon eine intensive Beschäftigung mit diesem Thema.

Über den Autor: Gunnar Klauberg ist Senior Product Marketing Manager für Adobe Experience Manager und beschäftigt sich intensiv mit mobilen Enterprise-Lösungen. Seine berufliche Laufbahn im Web hat er 1996 als Webmaster bei Axel Springer begonnen, wo er unter anderem den Aufbau der Seite Bild.de mitgestaltete. Mehr über ihn auf XING, LinkedIn und Twitter oder persönlich auf der DMEXCO in Köln.

Bilder: Shutterstock [1] [2]

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