Interview: Digitaler Wandel beginnt mit der Veränderung der Unternehmenskultur

Die digitale Transformation stellt Unternehmen vor großen Herausforderungen. Wichtig dabei, ist den Wandel zu akzeptieren lernen.
Foto: pixabay, Gerd Altmann

Damit die im erfolgreich sein kann, muss meist zunächst ein Wandel in der stattfinden. Wie dieser gelingen kann und wer im Unternehmen verantwortlich ist, eine Digital Culture zu etablieren, erfuhren die rund 120 Teilnehmer am 31.01.2019 in der Inselhalle Lindau bei „Der Weg zu einer Digital Culture.“ Die Veranstaltung gehört zur Reihe „ als Chance“, die von cyberLAGO, dem digitalen Kompetenznetzwerk am Bodensee, in Kooperation mit dem Landkreis Lindau und Allgäu Digital veranstaltet wurde. Im Interview mit mobile zeitgeist erklärte Tobias Fauth, Geschäftsführer bei cyberLAGO, was Unternehmen tun können, um die digitale Transformation voran zu treiben.

mz: Digitale Transformation kann im Unternehmen nur funktionieren, wenn ein Wandel in der Unternehmenskultur stattfindet. Doch wie sieht dieser aus? Welche elementaren Schritte müssen dafür unternommen werden?

Bei der digitalen Transformation geht es im Wesentlichen darum, die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens sicherzustellen. Das ist Aufgabe des CEO, daher ist es wichtig, dass dieser Wandel von ihm angestoßen und begleitet wird und man dabei einer klaren Vision folgt. Man muss außerdem die Mitarbeiter einbeziehen und sie diesen Weg mitgestalten lassen. Unternehmen stehen derzeit vor der Herausforderung, auf sich permanent ändernde Rahmen- und Marktbedingungen, Technologien und Kundenbedürfnisse reagieren zu müssen. Diesem Wandel kann ich als Unternehmer zum Beispiel begegnen, indem ich Raum für Innovation schaffe. Natürlich brauchen Unternehmen auch geregelte Abläufe, um stabil zu agieren, und können nicht einfach so tun, als wären sie ein Startup. Daher macht es Sinn, neben der bestehenden hierarchischen Organisation, die sich effizient um das operative Kerngeschäft kümmert, eine auf Agilität und Innovation ausgerichtete Einheit aufzubauen, die den digitalen Wandel vorantreibt. Und zwischen beiden Einheiten muss ein enger Austausch bestehen, damit der Wandel gelingen kann.

mz: Können Sie einige der Tools beschreiben, mit denen sich die digitale Transformation bewerkstelligen lässt?

Ein Ansatz zum Lösen von komplexen Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen ist zum Beispiel Design Thinking. Dabei geht es um eine strukturierte Herangehensweise, bei der man Kundennutzen und -bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Grundsätzlich helfen kann ein spielerischer Umgang, etwa die Agile oder Serious Games. In einer sicheren Umgebung kann man Dinge spielerisch ausprobieren und erarbeiten. Das hilft zum Beispiel, Veränderungsbereitschaft überhaupt zu erzeugen und Teams kreativ und innovativ arbeiten zu lassen. Natürlich kann man sich auch Technologien nähern, was in der Regel immer erst dann Sinn macht, wenn ich weiß, welches Problem ich lösen möchte. Ein erster Schritt kann sein, Daten zu nutzen. Jedes Unternehmen hat viele wertvolle Daten. Doch wo finde ich diese relevanten Daten, welche Erkenntnisse liefern sie mir, was kann ich daraus machen? Mit Data Mining kann man Zusammenhänge finden, die sonst nicht transparent werden, und so neue Möglichkeiten schaffen, z. B. Prozesse optimieren.

mz: Die Unternehmenswelt ist vielschichtig und komplex. Kann es überhaupt allgemeingültige Schritte zur Transformation geben oder ist es nicht vielmehr ein individueller Unternehmens-Prozess?

Die Antwort steckt eigentlich schon in dieser Aussage: Die größte Herausforderung des digitalen Wandels ist der Mensch. Menschen sind individuell, entsprechend ist eine Unternehmenskultur individuell. Gleichzeitig gibt es wiederkehrende Muster, Probleme sind ähnlich, der Weg zur Lösung daher oftmals auch. Der digitale Wandel bleibt dennoch ein individueller, was auch daran liegt, dass Unternehmen sich nicht nur in den Menschen, sondern auch in Strukturen, Dienstleistungen, Produkten, Branchen, Zielen usw. unterscheiden.

mz: Wie geht man mit Unternehmen um, die sich “innovations-resistent” zeigen? Wie vermittelt man, dass sie das Risiko und die Bereitschaft für den inneren Wandel angehen müssen?

Wie vermittle ich einem Raucher, dass er mit dem Rauchen aufhören muss? Vielleicht steckt das Problem schon in der Frage. Keiner muss irgendwas verändern, ein Unternehmer kann entscheiden, und jede Entscheidung hat Konsequenzen. Der erhobene Zeigefinger nützt nichts, im Gegenteil, oft verunsichert die Aussage, dass man sich ändern müsse, weil das Unternehmen sonst vielleicht bald nicht mehr existiere. Bei cyberLAGO verfolgen wir einen anderen Ansatz, wir wollen den Unternehmen zeigen, welche Chancen in der Digitalisierung stecken. Wir wollen Wissen und Erfahrungen vermitteln und mögliche Wege aufzeigen. Indem Unternehmer dann Sicherheit bekommen, einen möglichen Weg für sich sehen, werden sie die digitale Transformation auch eher beginnen. Und man muss diesen Weg ja nicht alleine gehen. Wer allerdings innovationsresistent ist, wird dies oft auch bleiben. Bei einem CEO ist auch das dann eine unternehmerische Entscheidung, die nicht zwangsläufig darin endet, dass ein Unternehmen plötzlich nicht mehr erfolgreich ist oder schon bald nicht mehr existiert. Die deutlich besseren Karten werden aber immer wieder diejenigen Mitbewerber haben, die sich schneller an Veränderungen anpassen können.

mz: Was sind die häufigsten Hinderungsgründe, die Unternehmen daran hindert, sich auf die Herausforderungen des Wandels einzulassen?

Behauptet wird gerne, dass es an Ressourcen fehle. Schaut man aber genauer hin, ist das Hauptproblem meist das Festhalten an bestehenden Strukturen, Prozessen und Hierarchien. Oft ist es auch die Angst vor einem falschen Schritt oder das fehlende Wissen, wie man die Transformation konkret beginnen kann. Viele haben keine Idee davon, wie zum Beispiel ein zukünftiges Geschäftsmodell aussehen könnte. Manchmal fehlt nur der Mut, gerade in der Chefetage, denn wer eine Veränderung anstößt, wird auf Widerstände treffen — und damit auf viele neue Probleme, die man lösen muss, wenn man erfolgreich sein will.

Carsten Thomas
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Autor und Gamingnerd. Stets interessiert an Tech-Innovationen, Medienwandel und Technikutopien. Redakteur bei mobile zeitgeist.

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