Developer Economics: Im Windows Phone Store fehlen die Jäger und Goldsucher

Developer Mindshare

Die neue Economics ist da und mit mehr als 7.000 Teilnehmer aus 127 Ländern die bisher umfangreichste Ausgabe. und liegen in der Gunst der App-Entwickler erwartungsgemäß weit vorne, aber wie steht es um Microsofts Entwickler- für und Windows 8?

Mit 54 Seiten ist die aktuelle Developer Economics-Studie von Vision Mobile zum 1. Quartal 2014 erneut sehr umfangreich geworden und bietet detaillierte Einblicke in die von App-Entwicklern favorisierten Betriebssysteme, in die damit zusammenhängenden Monetarisierungsmöglichkeiten und die genutzten  Entwicklungswerkzeuge.

Ein Viertel aller Entwickler erstellt Apps für Windows Phone, ein Fünftel auch für Windows 8

Android und iOS spielen dabei wenig überraschend die Hauptrollen, so viel war klar. Viel interessanter ist daher der Blick auf das Verfolgerfeld, allen voran auf mit Windows Phone und Windows 8. Schlagen sich die steigenden Verkaufszahlen der letzten Monate in einem größeren  Entwickler-Interesse nieder?

Offenbar ja, zumindest was Windows Phone betrifft. Vision Mobiles Developer Mindshare gibt an, für welche Plattformen Entwickler aktiv Apps erstellen. Natürlich liegt Android hier mit einem Anteil von 71 Prozent aller App-Entwickler an der Spitze, gefolgt von iOS mit 55 Prozent. An dritter Stelle aber wird es schon interessanter: Vision Mobile zählt hier alle Entwickler zusammen, die mit für mobile Endgeräte entwickeln, egal ob mobiloptimierte Webseiten, Web Apps oder native Anwendungen. Auf diese Weise liegt mit 52 Prozent nur knapp hinter iOS, native oder hybride Apps erstellen mit aber offenbar nur 15 Prozent aller an der Umfrage teilnehmenden Entwickler.

Auf dem vierten Platz schließlich kommt Windows Phone ins Spiel, im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil an Windows Phone-Entwicklern von 21 auf jetzt 26 Prozent gestiegen. Die steigenden Verkaufszahlen und die damit einhergehende größere Nutzerbasis scheinen also durchaus Wirkung zu entfalten. Für Windows 8 allerdings entwickeln, wie auch schon im Vorjahr, lediglich 21 Prozent der Umfrageteilnehmer. Für Microsoft wohl kein Grund für Freudensprünge, auch wenn damit ein Viertel aller App-Entwickler aktiv Anwendungen für Windows Phone erstellt und ein Fünftel auch für Windows 8.

Windows Phone im Mittelwert mit 1 bis 50 Dollar monatlichem Umsatz pro App

Vision Mobile teilt Entwickler in insgesamt acht Kategorien ein. Sinn und Unsinn einer derartigen Typisierung sowie die detaillierten Typ-Beschreibungen mit ihren jeweiligen Zielen und Motiven seien an dieser Stelle dahingestellt, wichtig sind zunächst nur die Motive Umsatzgenerierung und Reichweitensteigerung.

Wenn man mit diesen beiden Motiven im Hinterkopf einen Blick auf die Monetarisierungsmöglichkeiten der jeweiligen Plattformen wirft, dann wird sehr schnell deutlich, welchen Entwickler-Typ die einzelnen Betriebssysteme hauptsächlich anziehen. Für iOS liegt der Median (also der Mittelwert, nicht der Durchschnitt) des Umsatzes pro App im Monat bei 500 bis 1.000 US-Dollar, einsame Spitze unter allen mobilen Plattformen.

Den nächsthöchsten Wert erreicht HTML5 mit 201 bis 350 US-Dollar, gefolgt von Android mit 101 bis 200 US-Dollar, Windows Phone und Windows 8 kommen erst nach BB10 und erreichen im Mittelwert gerade einmal 1 bis 50 Dollar pro App. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch als iOS-Entwickler finanziell gnadenlos scheitern kann, oder als Windows Phone-Entwickler keine hohen Umsätze erzielen. Das bedeutet nur, dass es für iOS eine größere Anzahl finanziell erfolgreicher Entwickler gibt, während die erfolgreichen Windows Phone-Entwickler in der Masse der weniger erfolgreichen untergehen. Damit sinkt der Mittelwert auf jene 1 bis 50 Dollar je App.

Im Windows Phone und Windows Store fehlt der gesunde Mittelbau an „Jägern“ und „Goldsuchern“

Die Reichweite von Windows Phone-Apps ist noch recht gering, daraus resultierend auch die Monetarisierungsmöglichkeiten nicht in dem Maß gegeben wie bei anderen Plattformen. In Vision Mobiles Entwickler-Typologie zieht Windows Phone damit vor allem Hobbyisten an, die an Umsatz und Reichweite nicht interessiert sind, sowie „Product Extenders“ und große Publisher, denen die maximale Reichweite wichtig genug ist, um auch für Windows Phone zu entwickeln.

Und tatsächlich gibt es im Windows Phone Store inzwischen 200.000 Anwendungen, die meisten davon entweder von Hobby-Entwicklern, die erste Gehversuche unternehmen, mit Frameworks und Baukasten-Systemen das schnelle Erfolgserlebnis suchen oder schlicht Kopien vorhandener Apps einstellen. Oder aber Leuchtturm-Projekte bekannter Namen und Marken wie Youtube, , Instagram und , die unter reger Mitwirkung von Microsoft und/oder den Weg in den Store finden.

Anders ausgedrückt, und damit sind wir wieder bei der Developer Economics, fehlt es am gesunden Mittelbau an „Jägern“ und „Goldsuchern“, die einen mit frischen, innovativen aber eben unbekannten Ideen bevölkern. Man nehme nur das momentane „Flappy Bird“-Phänomen. Diese Entwickler aber meiden den Windows Phone Store, weil eben weder Reichweite noch Monetarisierungsmöglichkeiten ausreichen, um eine veritable Alternative zu Android oder iOS zu bieten.

Eine höhere Dynamik des App Stores dagegen lässt sich nur schwer erzwingen, „Jäger“ und „Goldsucher“ reagieren auf Reichweite und Attraktivität des Stores, nicht auf Incentives und Marketing wie Hobbyisten. Für den Versuch, die „App Gap“ auf diese Weise zu schließen, zahlt Microsoft derzeit einen hohen Preis.

Mit Verkaufszahlen und Nutzerbasis steigt auch der Developer Mindshare

An anderer Stelle habe ich vor kurzem gezeigt, dass für Microsoft nur der Google-Weg subventionierter Gerätepreise das Dilemma aus wechselseitigem Desinteresse von Entwicklern (fehlende Reichweite des Stores) und Konsumenten (zu unattraktiver App Store) lösen kann. Der Developer Mindshare vom Anfang des Artikels zeigt ja auch, dass mit steigenden Windows Phone-Verkaufszahlen auch das Entwickler-Interesse nachzieht.

Anders als die Store-Dynamik kann Microsoft die Nutzerbasis von Windows Phone relativ leicht aktiv beeinflussen, mit dem Lumia 520 und 620 hat Nokia die ersten Schritte bereits gemacht. Für Windows 8 samt dazugehörigen Store gilt im Übrigen mehr oder weniger die gleiche Argumentation. Erschwerend kommt hier allerdings hinzu, dass viele Entwickler per se noch kaum Interesse am Formfaktor haben: Nur 12 Prozent aller Entwickler zielen hauptsächlich auf Tablets ab, Smartphones sind für App-Entwickler also nach wie vor die bevorzugte Produktkategorie. Für ein dediziertes -Betriebssystem keine guten Voraussetzungen.

Die Developer Economics-Studie kann nach der Registrierung kostenlos über Vision Mobile heruntergeladen werden und bietet noch weitaus tiefer gehendere Informationen zum Beispiel zu regionalen Unterschieden, zu Entwicklungstools oder den unterschiedlichen Monetarisierungsmöglichkeiten.

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Über Wolfgang Dietl 6 Artikel
Wolfgang Dietl arbeitet als IT-Redakteur in München und schreibt in seiner Freizeit hier und auf mobile-studien.de über den Mobile-Markt. Mehr Infos gibt es auch auf Xing.

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