5G – aber bitte nicht vor der eigenen Haustür

5G in Deutschland

Bereits Ende 2018 haben wir über den geplanten Ausbau von 5G berichtet. Was hat sich seither verändert?

5G kommt mit Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 10 Gbit/s in Deutschland langsam ins Rollen. Der 4G-Vorläufer, auch als LTE bekannt funkt bis zu 500 Mbit/s. Bei der 4G-Abdeckung sind wir im europäischen Vergleich immer noch ein Entwicklungsland, dabei ist der 4G-Ausbau die Grundlage für die 5G-Verfügbarkeit.

Vodafone gab im Juli 2019 als erster Provider den Startschuss fürs deutsche 5G-Zeitalter. Gleich zum Auftakt funkten 60 5G-Antennen in mehr als 20 Städten und Gemeinden. Die Deutsche Telekom zog nach und hat die ersten Standorte unter Betrieb genommen. O2 plante noch im ersten Quartal in 5 Städten mit ins Rennen zu gehen. 1&1 möchte 2020 per Roaming im O2-Netz starten und später eigene Standorte ausbauen.

Ewige Diskussionen bremsen den Netzausbau

Die Verzögerung des Ausbaus hierzulande liegt sowohl in technischer als auch netzpolitischer Natur. Erst mussten die Lizenzen teuer erworben werden, wobei dann finanzielle Mittel für den beschleunigten Netzausbau fehlten. Hinzu kommen noch diverse Auflagen vom Staat für den Erwerb. Demnach gilt die Versorgung für Bahnstrecken- und Autobahnen bis 2022 mit wenigstens 100 MBit. Während die USA und Südkorea im zweiten Quartal 2019 mit dem 5G Ausbau schon bedeutend vorangeschritten waren, wurde in Deutschland noch über Regularien und Kosten debattiert. Durch unser National Roaming muss die Netzinfrastruktur auch für andere Anbieter nutzbar sein, was Telekom, Vodafone und O2 verständlicherweise wegen der hohen Investitionen ein Dorn im Auge ist. Auch hier kommt es zu endlosen Diskussionen bezüglich Art und Umfang der Nutzung, welche von den Unternehmen selbst ausgehandelt werden müssen. Immerhin funken seit Sommer 2019 erste 5G-Stationen.

Deutschland glänzt mit weißen Flecken

Bis zu einer Ausbauquote über 20 Prozent, dürfte es aber mindestens bis Ende 2020 dauern. Den Mobilfunkern alleine die Schuld für den schleppenden Ausbau zu geben, ist der falsche Weg. Bei der Vergabe der 3G-Frequenzen im Jahr 2000 beispielsweise, mussten mehr als 50 Milliarden Euro von den Netzbetreibern bezahlt werden. Der anschließende Ausbau gestaltete sich als Desaster, weil dafür schlichtweg kein Geld mehr übrig war. Da fällt es natürlich leicht, mit dem Finger auf Netzbetreiber zu zeigen und über Funklöcher zu schimpfen.

Im ländlichen Raum, vor allem in Süddeutschland kämpfen Anwohner noch mit den rund 4000 weißen Flecken ohne Mobilfunkversorgung.

Quelle: Welt.de

5G für den Privat-Verbraucher in weiter Ferne

Für den Privat-Verbraucher lohnt sich 5G in Deutschland noch lange nicht. Nur sehr wenige aktuelle Geräte, wie das Huawei Mate 20 X oder eine spezielle 5G-Version des Samsung Galaxy S10 können das 5G-Netz überhaupt verwerten. Zudem ist eine spezielle 5G-taugliche Simkarte notwendig. Aufgrund der geringen Abdeckung sind auch nur um die 300Mbit realistisch erreichbar in einem 5G-Gewerbegebiet. Einen 5G-Punkt in Deutschland zu finden kommt der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen gleich.

Eine weitere Bremse des 5G-Ausbaus stellt der Widerstand der Bevölkerung dar. Anwohner befürchten durch die verstärkte Strahlung gesundheitliche Probleme zu bekommen. Seitens der Wissenschaft soll eindeutig belegt sein, dass nicht die Masten selbst, sondern das eigene für vermehrte Strahlung sorgt, vor allem bei schlechtem Empfang. Das Bundesamt für Strahlenschutz beteuert, dass die 5G Strahlung unter 1 Prozent des Grenzwertes liegt und eine direkte Schädigung des Körpers nicht nachweisbar sei.

Wie lange wollen wir noch diskutieren?

Fakt ist: 5G wird der neuer Mobilfunk Standard werden und DER Gamechanger für Videostreaming in voller Bandbreite, Maschine zu Maschine Kommunikation, Industrie 4.0 oder das viel beredete autonome Fahren ohne Funkabbrüche. Alle wollen alles aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Wir diskutieren uns zu Tode. Vieles von der Wertschöpfungskette verlagert sich somit im Maschinenbau- und Automobil-Sektor in die fortschrittlicheren Länder.

Über Katja Niederwieser 20 Artikel
Über 15 Jahre arbeitete die Diplom-Ingenieurin als Vorstandsassistenin, Marketingleiterin, Journalistin und Texterin in diversen internationalen Unternehmen.

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Ich bestätige, dass die hier von mir eingegebenen persönlichen Daten in der von mobile zeitgeist genutzten Datenbank bis auf Widerruf gespeichert werden dürfen.