Interview mit hub:raum: Eine Gründerinitiative als Brückenkopf zwischen Konzern und Startup-Szene

grey Interview mit hub:raum: Eine Gründerinitiative als Brückenkopf zwischen Konzern und Startup Szenehub:raum ist eine im Mai 2012 in Berlin gegründete Initiative der Deutschen Telekom zur Förderung von Startups aus den Bereichen Digitale Medien, internetbasierte Geschäftsmodelle und Mobile. Stephan Böhm sprach mit Fee Beyer, die bei hub:raum seit September 2012 als Programm-Managerin für das Accelerator Program, die Betreuung der Startups sowie für Events verantwortlich ist.

mz: hub:raum kennen viele bereits als Inkubator der Deutschen Telekom in Berlin. Bitte beschreiben Sie für unsere Leser kurz das Konzept und die Ziele von hub:raum genauer.

hub:raum ist eine Initiative, die die Telekom mit dem innovativen Startup-Ökosystem verknüpft. hub:raum verbindet Entrepreneure und Unternehmen mit hohem Wachstumspotential mit dem Expertennetzwerk, dem Kapital und den Geschäftsmöglichkeiten der Telekom, um neue Geschäftsfelder und nachhaltiges Wachstum zu schaffen. hub:raum hat zwei Angebote: Der hub:raum Inkubator investiert kontinuierlich in herausragende Gründerteams und hilft ihnen, ihre Geschäftsidee in ein Unternehmen mit hohem Wachstumspotential zu entwickeln. Das Accelerator-Programm unterstützt Unternehmerteams dabei, ihre Geschäftsidee in finanzierbare Geschäftsmodelle zu entwickeln. Das Accelerator-Programm wird als achtwöchige bootcampartige Akademie einmal im Jahr durchgeführt.

mz: Was unterscheidet hub:raum von anderen Inkubatoren – insbesondere anderen Netzbetreiber-Initiativen wie z.B. wayra von Telefónica?

Grundsätzlich unterscheidet sich unser Ansatz durch die Menge an Unterstützungsleistungen, die wir über das Investment hinaus unseren Startups zur Verfügung stellen. Neben Büroräumen und Mentoring schauen wir uns an, welche konkreten Assets wir im Konzern haben, die wertvoll für das Startup sein können. Daneben gibt es zudem Unterschiede im Finanzierungsansatz.

mz: Wie schlagkräftig ist hub:raum ausgestattet bzw. in welcher Zahl und mit welchen Mitteln können Sie insgesamt Startups in der Gründerszene jährlich unterstützen?

Die Planungen sehen vor, dass wir pro Jahr zehn bis 15 Startups mit jeweils bis zu 300.000 Euro begleiten und fördern können.

mz: Auf der Website ist zu lesen, dass hub:raum Startups mit „Konzernstärke“ unterstützen kann. Wie konkret können Startups von der Stärke der Deutschen Telekom profitieren?

Wir können Startups durch einen Zugang zu unserer im Konzern vorhandenen Expertise, sowie zu Konzernressourcen und dem Konzernnetzwerk unterstützen. Wir versuchen für jedes geförderte Startup individuell abzugleichen, welche Stärken des Konzerns als Hebel eingesetzt werden können, um das geplante Geschäftsmodell bei der Umsetzung zu realisieren. Häufig geht es um Reichweite und den Zugang zu Kunden. Konkret kann eine Unterstützung beispielsweise so aussehen, dass wir ein Startup im Einzelhandelssegment durch maßgeschneiderte Zielgruppenansprache bzw. Newsletter bei Telekom-Kunden vorstellen. Auch ein vergünstigter oder kostenloser Zugriff auf bestimmte Ressourcen und Produkte der Telekom ist möglich – vom Handyvertrag bis zur Call-Center-Software.

mz: Mit dem Sitz der Telekom-Konzernzentrale in Bonn wäre natürlich auch ein Standort im Rheinland denkbar gewesen. Geht in der Startup-Szene nichts mehr an Berlin vorbei?

Zunächst muss man feststellen, dass sich Berlin als „der“ deutsche und europäische Standort für die Startup-Szene etabliert hat. Der Großteil der Startup-Szene siedelt sich zunehmend in Berlin an – zumindest im Bereich der von uns fokussierten Geschäftsmodelle. Wir haben somit in Berlin eine gute Verbindung zu einem funktionierenden Startup-Ökosystem. Es wäre für uns wesentlich aufwändiger, solche Infrastrukturen in Bonn aufzubauen. Der Standort Berlin ist somit für uns ideal und wir halten engen Kontakt zu einzelnen Konzerneinheiten in Bonn und Darmstadt. Außerdem ist die Telekom in Berlin neben dem hub:raum auch mit zahlreichen Einheiten wie der Hauptstadtrepräsentanz und den Telekom Innovation Labs vertreten.

mz: Startup und Konzern sind auch zwei Gegenpole. In welcher Form ist für erfolgreich geförderte Startups eine Zusammenarbeit und Bindung an den Konzern vorgesehen?

hub:raum beschränkt sich als Gegenleistung für die Förderung bewusst auf eine Minderheitsbeteiligung. Wir binden die Gründer nicht vertraglich durch Vorkaufsrechte oder ähnliches. Die jungen Unternehmen sollen frei und selbstbestimmt am Markt agieren können. Die Telekom profitiert somit zunächst von einem Wertzuwachs hinsichtlich des investierten Kapitals bzw. der Entwicklung des Portfoliowertes der Gesamtheit der geförderten Startups. Zum anderen sind abhängig von der Entwicklung des Startups später auch Partnerschaftsmodelle – wie z.B. ein Revenue-Sharing oder gemeinsame Produktentwicklung möglich.

mz: Welche Startups adressiert hub:raum und was muss ein ideales Mobile-Startup mitbringen, um von hub:raum gefördert zu werden?

hub:raum fördert Startups aus den Bereichen Digitale Medien, internetbasierte Geschäftsmodelle und Mobile. Wir sehen uns jede Bewerbung genau an und prüfen zunächst, ob es eine strategische oder produktgetriebene gemeinsame Perspektive gibt. Wichtig ist vor allem das Gründerteam: Sind wir überzeugt, dass dieses Gründerteam ein Geschäftsmodell erfolgreich realisieren und notfalls auch notwenige Korrekturen umsetzen kann? Auch stellen wir uns die Frage, ob die Idee tatsächlich im Markt funktionieren könnte bzw. ein ausreichendes Marktpotenzial besitzt. Wichtig ist zudem der Aspekt „Time-to-Market“. Unsere Startups sollten in der Lage sein, spätestens nach sechs Monaten ein Produkt zu launchen.

mz: Sie bieten eine Kooperation im Rahmen eines Inkubator- oder Accelerator-Programms an. Was genau verbirgt sich hinter diesen Kooperationsmodellen?

Die beiden Programme lassen sich sehr gut auf der Zeitachse darstellen. Das Accelerator-Programm adressiert Gründer in einer sehr frühen Phase. Die Teams haben eine Geschäftsidee, die aber noch konkretisiert werden muss, bevor ein Unternehmen gegründet werden kann. Im Accelerator-Programm geförderte Startups erhalten für acht Wochen einen Platz in unserem Co-Working-Space sowie ein umfassendes Training und Mentoring mit zahlreichen Vernetzungsangeboten. Ein Schwerpunkt liegt auf der Konzeptweiterentwicklung und dem Pitch-Training – die Startups sollen in der Lage sein, ihre Konzepte überzeugend und knapp präsentieren zu können. Ein Demo Day steht am Ende des Programms. Die Startups präsentieren dort vor potenziellen Investoren und können sich so auch um einen Platz in unserem Inkubator-Programm bewerben. Der Inkubator richtet sich eher an Startups, die bereits an konkreten Produktkonzepten arbeiten und in den nächsten Monaten ihr Produkt launchen. Das Inkubator-Programm begleitet die Unternehmen über einen längeren Zeitraum bis zu ca. zwölf Monate. Im Inkubator erhalten die Unternehmen wie bereits erwähnt eine Finanzierung bis zu 300.000 Euro und werden durch den Konzern und Mentoren in der erfolgskritischen Markteinführungsphase maßgeblich unterstützt.

mz: Das Accelerator-Programm läuft nach einem festgelegten Zeitplan ab. Was benötigen Sie von den Startups und mit welchem Aufwand und Vorlauf sollten diese rechnen?

Das nächste Accelerator-Programm, welches einmal im Jahr stattfindet, beginnt am 7. Oktober 2013. Die Bewerbungsphase wird im Mai starten. Interessierte Startups können sich einfach per Website bzw. Online-Formular ab Mai 2013 (http://www.hubraum.com) bewerben.

Das Inkubator-Programm ist hingegen nicht an einen festen Zeitplan gebunden. Startups können sich hier jederzeit über die Website (www.hubraum.com/en/contact) bewerben. Ein erstes Screening erfolgt dann innerhalb kurzer Zeit – typischerweise innerhalb von ein bis zwei Wochen. Anschließend folgen ggf. noch eine intensivere Analysephase, die Nachfragen beim Startup beinhalten kann.

mz: Was reizt Sie persönlich an der Arbeit im Inkubator-Umfeld und was war bisher für Sie der größte Erfolg bzw. schönste Moment mit hub:raum?

Konzerne verfügen über große Skalierbarkeit und Schlagkraft. Startups hingegen sind klein, agil, wendig. Hier eine Brückenfunktion einzunehmen, die es schafft, die Stärken beider Welten auf eine wertstiftende Art miteinander zu verbinden, macht den Reiz meiner Arbeit aus. Zudem macht es einfach großen Spaß mit jungen Gründern zusammenzuarbeiten, die bspw. mit einem kleinen Stück Software die Welt ein bisschen besser machen wollen.

Hinsichtlich der Erfolge: Da wir erst im Mai vergangenen Jahres an den Start gegangen sind, sähen wir im Moment noch mehr als dass wir ernten. Nichtsdestotrotz ist es für uns ein großer Erfolg, dass wir hub:raum in dieser kurzen Zeit bereits in der Gründerszene etablieren konnten, die ersten Programme erfolgreich gestartet sind und die ersten Investments bereits getätigt wurden. Mit Blinkist, Salonmeister und Stylemarks haben wir bereits drei vielversprechende Startups an Bord.

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Stephan Böhm

Dr. Stephan Böhm ist seit 2006 Professor für Telekommunikationstechnik/ Mobile Media am Studiengang Media Management der Hochschule RheinMain (ehemals FH Wiesbaden). Als Experte für Mobile Media hält der studierte Wirtschaftsingenieur Vorträge auf Fachveranstaltungen, berät Unternehmen und ist Autor mehrerer Veröffentlichungen zu innovativen mobilen Diensteangeboten.

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