Apple Music: Auswirkungen auf den deutschen Markt

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hat am Dienstag Music offiziell gestartet und bietet damit den eigenen Streaming-Dienst auch in Deutschland an. Voraussetzung für die Nutzung ist iOS in der Version 8.4 sowie ein entsprechendes Abo. Eine kostenlose Variante (wie beim Konkurrenten Spotify) gibt es nicht, dafür sind die ersten drei Monate bei Music kostenfrei.

Mit dem Start nimmt Apple den boomenden Musik-Streaming-Markt ins Visier. Im US Bereich wurden damit 2014 bereits 1,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Direkte Musikdownloads stagnieren dagegen eher bzw. sind rückläufig.

Apple selbst hatte mit iTunes bereits einen Fuß in der Tür, nun nutzt man die Plattform, um auch im Streaming Bereich Musik anbieten zu können. Wie gigantisch dieser Markt aussieht, machen die Verbreitungszahlen von iOS deutlich. Apple hatte Anfang 2015 verkündet, dass man die Grenze von einer Milliarde iOS Geräten nach oben überschritten habe. Selbst wenn man die älteren iPhones und iPads heraus rechnet (iOS 8 hatte eine Verbreitung von etwa 80 Prozent), haben mittlerweile wahrscheinlich knapp eine Milliarde iOS Nutzer Zugang zu Apple Music – einfach durch ein Update der Geräte-Software. Bei jedem Aufruf der Musik-App werden sie wieder an den Dienst erinnert.

Vorsprung durch Kooperationen

Die aktuellen Streaming-Anbieter wie Spotify, Deezer oder Napster haben damit einen Konkurrenten bekommen, der zumindest auf Apple-Geräten einen deutlichen Vorteil hat. Ohne zusätzliche App und direkt aus der Musik-Apps von Apple heraus lässt sich Apple Music nutzen – das werden sich viele Apple Kunden nicht entgehen lassen.

Aktuell haben aber die bisherigen Anbietern noch einen Vorteil, den es bei Apple nicht gibt. Fast alle Dienste haben Kooperationen mit Mobilfunk-Anbietern abgeschlossen, bei denen man die Musik-Flatrate direkt mit zum Tarif buchen kann.

Die Kooperationen sehen derzeit wie folgt aus:

Die Telekom arbeitet beispielsweise mit Spotify zusammen und bietet den Dienst für die Handytarife und die Prepaidkarten des Unternehmens an. Das Datenvolumen wird dabei nicht berechnet – im Gegensatz zu Apple Music entlasten also Spotify Kunden bei der Telekom mit der entsprechenden Option ihre Datenflatrate deutlich.

Die Zusammenarbeit von Deezer mit Vodafone ist nicht ganz so weit gehend, aber zumindest erhalten Vodafone-Kunden, wenn sie sich für die Deezer Flat zum Handytarif entscheiden, nochmal 500MB zusätzliches Datenvolumen. Damit dürfte ein großer Teil des Streamings im Monat abgedeckt sein ohne dass Mehrkosten entstehen.

Apple hat bisher noch keine solche Kooperation auf dem deutschen Markt zu bieten. Nutzer von Apple Music müssen daher noch den kompletten Traffic selbst tragen. Das ist mittlerweile dank Internet-Flatrates kein Problem mehr, belastet aber das monatliche Freivolumen der Internet-Flat trotzdem deutlich.

Konkurrenzkampf zu Lasten der Netzneutralität

Die Kopplungs-Angebote von Musik und Mobilfunk sind dabei nicht ganz unumstritten. Besonders der Ansatz der Telekom ist ein klarer Verstoß gegen die Netzneutralität, weil hier die Inhalte eines Anbieters (Spotify) anders behandelt werden als die Inhalte anderer Dienste. Während Nutzer von Deezer und Co. bei der Telekom das Datenvolumen für das Streaming der Musik abrechnen müssen, bleiben Spotify Nutzer mit der entsprechenden Flat unbehelligt.

Ein neuer Dienst hätte damit einen deutlichen Nachteil, auf den Markt zu kommen. Bei Apple Music dürfte es aufgrund der großen Verbreitung von Apple Geräten weniger eine Rolle spielen, doch ein Startup mit guten Ideen und kundenfreundlichen Ansätzen, aber weniger Power im Hintergrund würde auf dem Markt bereits Probleme bekommen, Fuß zu fassen. Denn die Claims sind bei den Netzbetreibern bereits abgesteckt.

Mehr Datenübertragung durch Apple Music?

Für die Netzbetreiber könnte durch Apple Music eine weiterer Belastung der Netze hinzu kommen. Wenn immer mehr Nutzer die Musik über das Internet streamen, anstatt die Musikstücke lokal auf dem Smartphone zu speichern und sie dort zu hören, steigt insgesamt die Datenbelastung der Mobilfunk-Netze.

Je nach Qualität verbraucht eine Minute Musik-Streaming etwa 1 bis 1,5 MegabyteTraffic. In der Stunde sind das also etwa 60 bis um die 100MB Datenvolumen. Das ist prinzipiell nicht viel (deutlich weniger als im Bereich des Video-Streamings), je größer die Kundenzahlen von Apple Music werden und je länger die Nutzungsdauer, könnte der Traffic sich aber aufsummieren und die Netze weiter belasten.

Das könnte dazu führen, dass die Netzneutralität noch weiter eingeschränkt wird und das Telekom und Co. bestimmte Trafficquellen intern drosseln. Musik-Streaming von anderen Diensten könnte da weniger Priorität in den entsprechenden Mobilfunk-Netzen bekommen. Das würde sich unter Umständen in kleinen Aussetzern und Abbrüchen bemerkbar machen.

Von staatlicher Seite scheint das Problem so nicht wahrgenommen zu werden, im Gegenteil. EU Kommissar Günter Oettinger hat bereits das Ende der Netzneutralität verkündet:

Die nächsten Unternehmenszahlen der Streaming-Dienste dürften auf jeden Fall spannend werden, denn im zweiten Quartal könnten sowohl die Umsätze als auch die Kundenzahlen durch Apple Music massiv unter Druck geraten. In welchen Umfang das passiert muss man aber abwarten.

Über den Autor: Bastian Ebert beobachtet und kommentiert den Mobilfunk-Markt und die mobilen Entwicklungen in Deutschland und international seit 2005. Schwerpunkt sind dabei die Hardware-Trends und Entwicklungen – angefangen von mobilen Endgeräten über Wearables bis hin zur virtuellen Realität.

Beitragsbild: Shutterstock

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