Wenn sogenannte Studien für die eigene PR genutzt werden

mobile zeitgeist

Fonic, die Discounter-Tochter von O2, hat bei TNS Infratest eine Studie in Auftrag gegeben und – oh Wunder, oh Wunder – kam ein Ergebnis dabei heraus, dass für die ‚Billigheimer‘ Wasser auf die Mühlen ist. Portel titelt: „Fonic-Umfrage: Jeder zweite Handy-Besitzer fühlt sich uninformiert -Mehr als die Hälfte der Mobilfunkkunden lehnt Mindestumsatz und Grundgebühren ab“, inside-handy „Umfrage: Jeder Zweite uninformiert über eigenen Mobilfunktarif“ und areamobile „Discounter im Aufwind: Handynutzer lehnen Mindestumsatz und Grundgebühr ab“. Das Original von Fonic lautete „Mehr als die Hälfte der Mobilfunkkunden lehnt Mindestumsatz und Grundgebühren ab“.

Leider enthällt keine der Meldungen Angaben darüber, wann, wer, wie befragt wurde und die Pressemeldung von Fonic startet gleich mit „Eine vom renommierten Marktforschungsinstitut TNS Infratest durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis…“ Das hört sich ja fast nach schlechtem Gewissen an, wenn so schnell auf das Renommee hingewiesen wird. Insgesamt findet sich fast nichts, was den Hintergrund und die Vorgehensweise der Umfrage näher beleuchtet. Die häufig auch für Journalisten und Redakteure geforderten Grundinformationen, die bei Studien mit geliefert werden sollten, sucht man weitestgehend vergebens.

Es findet sich noch eine Grafik von tns, aus der man zumindest die Fragestellung und die Anzahl der Befragten (781 Mobilfunknutzer – was auch immer das heissen soll) erkennen kann. Wenn auf die Aussage „Ich will nur das bezahlen, was ich tatsächlich verbrauche, also keine Grundgebühr und keinen Mindestumsatz“ 54 Prozent der Befragten antworten „äusserst wichtig“ bzw. „sehr wichtig“ dann haben im Umkehrschluss auch 46 Prozent nur mit „wichtig“, „weniger wichtig“ und „unwichtig“ geantwortet. Ausserdem ist das nach meinem Dafürhalten eine Suggestivfrage, die unterstellt, dass man für Grundgebühren und Mindestumsätze nichts „tatsächlich verbrauchen“ könne.

Ein Blick auf die weiteren abgefragten Features im Vergleich zu denen des Fonic-Tarifs:

Abgefragtes Feature: „Automatische Info über das vorhandene Guthaben bzw. jeder das Guthaben abfragen können“ Wieso eigentlich nicht gefragt, ob überhaupt Prepaid-Angebote gewünscht sind?

Fonic Tarif: „Jederzeit einfache Abfrage des aktuellen Guthabens direkt am Handy. Automatische Benachrichtigungs-SMS, wenn Ihr Guthaben unter 3 € fällt. “ Ist klar, wenn man selbst kein Postpaid-Angebot hat, fragt man natürlich nicht danach.

Abgefragtes Feature: „Keine Vertragsbindung“ – Fonic Tarif: „Keine Vertragsbindung. Keine Grundgebühr. Kein Mindestumsatz.“

„Bequemes Aufladen von Guthaben rund um die Uhr“ wurde gefragt. Zufällig lautet der Fonic Tarif „Vom Handy per SMS Guthaben nachladen, wann immer Sie es wollen.“

„Ein einheitlicher Minutenpreis unabhängig davon wohin ich telefoniere“ war die Aussage in der Studie. Fonic Tarif „Nur 9,9 Cent pro Min./SMS in alle deutschen Fest- und Mobilfunknetze.“

Die letzte abgefragte Aussage „Transparente Minutenpreise und dadurch bessere Planbarkeit meiner Kosten“ ist irgendwie nur die Wiederholung der vorangegangenen Frage.

Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde. Ich kritisiere nicht den Fonic Tarif per se. Mitnichten! Fonic macht tatsächlich ein annehmbares Angebot. Was mich allerdings stört ist die Plumpheit, mit der hier wieder einmal eine „Studie“ für die eigene PR verwendet wird. Ja, ich weiß – das ist nichts Neues. Ja, ich weiß – das tun doch alle. Aber dennoch ärgere ich mich immer und immer wieder darüber, wenn diese  Gefälligkeitsbefragungen gemacht werden und dann von den Medien einfach nur wiederholt werden, obwohl es absolut keinen Erkenntnisgewinn gibt und es einzig und allein auf Werbung hinaus läuft. Schade, dass sich die Medien dafür nicht zu schade sind. ;)

Avatar for Heike Scholz
Über Heike Scholz 3408 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*