Was macht eine mobile Lösung erfolgreich?

mobile Lösung

In meinen Gesprächen und Projekten werde ich oft gefragt, wie eine mobile Applikation oder ein mobiles Angebot konzipiert sein muß, um erfolgreich zu sein. Dahinter verbirgt sich immer die alte und so ermüdende Frage nach der "Killerapplikation", die alle suchen, aber niemand findet. Trotzdem habe ich einmal darüber nachgedacht, was denn eine erfolgreiche mobile Lösung von einer weniger erfolgreichen unterscheidet, bzw. auf was man achten muss, will man eine "gute" Lösung bauen. Hierbei betrachte ich nicht nur reine Handyapplikationen sondern auch mobile Kampagnen oder Kundenbindungsmassnahmen.

Meist geht es in den Diskussionen an dieser Stelle sofort ans Eingemachte und die Runde beginnt über Technologien, Hardwareanforderungen, Displays, Java und ähnliches zu reden. Doch das ist erst der zweite oder dritte Schritt. Zunächst sollte man die Besonderheiten, die ein mobiles Endgerät in seiner Nutzung durch den Menschen erfährt, heraus arbeiten.

Tomi Ahonen hat das Handy, das siebte Massenmedium, so beschrieben:

1. Das Handy ist persönlich, sogar intim.
2. Das Handy ist das erste Massenmedium, welches immer eingeschaltet ist.
3. Das Handy ist das erste Massenmedium, das wir immer dabei haben, sogar im Bett oder auf dem Klo.
4. Das Handy ist das erste Massenmedium mit eingebauter Bezahlfunktion.
5. Das Handy ist das erste Massenmedium, in das wir impulsiv Daten, zum Beispiel ein Foto, eingeben können.

Vier Dinge machen eine mobile Lösung erfolgreich

Vier dieser fünf Aspekte von Tomi zeigen eines deutlich: Es geht um Kommunikation und zwar um die Kommunikation zwischen Menschen. Dies ist die zentrale Anforderung an eine "gute" mobile Lösung.

Als nächstes schauen wir uns an, wie wir Nutzer uns verändert haben. War es früher ausreichend, dass man uns Werbung in einer monodirektionalen Kommunikation präsentierte, so wollen wir heute mit den Produkten, Lösungen, Unternehmen in einen Dialog treten. Insbesondere möchten wir zunehmend uns selbst einbringen können. Deutlich wird dies durch die Entwicklungen im Internet, wo sich Web 2.0 als Buzzword Begriff für diesen Trend durchgesetzt hat. Sehr schön hier dargestellt. Gefunden bei public-beta:

 

Der dritte Aspekt, den ich erwähnen möchte, ist der Spaßfaktor. Gerade auf dem Handy muss ein Angebot einen ausreichenden Unterhaltungswert haben, um auf Akzeptanz beim Nutzer zu stossen. Ich habe lange darüber nachgedacht und hatte meine Zweifel. Denn als vernunftbegabter Mensch stelle ich mir vor, dass mich meine Ratio schon dazu bringen wird, zum Beispiel einen mobilen Preisvergleich zu nutzen. "Nutzen" ist hier das Stichwort. Ja klar, einen Nutzen muss die mobile Lösung natürlich haben. Aber sobald es keinen Spaß macht, diesen Nutzen zu nutzen, werden wir Menschen es eben nicht tun. Insbesondere, da wir unsere Handys als persönliche, intime Gegenstände betrachten, die wir in unserer Freizeit dabei haben. Und da wollen wir ja nicht allzu sehr mit trockenen, vernünftigen Dingen zu tun haben, sondern mit Dingen, die uns Spaß machen.

Zu guter letzt noch ein eher formaler Aspekt, der aber nicht minder wichtig ist. Das Handy muss für das, was ich beim Nutzer erreichen möchte wirklich die beste Alternative im Vergleich zu allen anderen sein. Niemand wird etwas auf seinem Handy nutzen, was er viel bequemer an seinem PC haben kann. Ist in diesem Fall der Zeit- oder Ortsfaktor nicht entscheidend, ist es besser die Lösung im Internet zu realisieren und nicht auf dem Mobiltelefon. Insbesondere den Werbern sei dies hinter die Ohren geschrieben. Nur, weil es möglich ist, Werbung auch auf Handys zu platzieren, muss man es noch nicht tun. Technisch machbar ist nicht immer wirtschaftlich sinnvoll – eine Binsenweisheit. Möchte ich als Automobilhersteller meinem mir noch unbekannten Kunden gern Prospekte schicken, ist eine SMS-Kampagne vielleicht nicht der beste Weg.

Ich fasse noch einmal zusammen, was eine mobile Lösung braucht, um auf Akzeptanz bei den Nutzern zu stossen.

1. Die Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren.

2. Beteiligung, Selbstdarstellung des Nutzers.

3. Ausreichender Spaßfaktor, Zeitvertreib, Unterhaltung.

4. Beste Alternative im Vergleich zu allen anderen.

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Über Heike Scholz 3402 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

4 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Scholz,

    ich beschäftige mich aus Berufsgründen mit dem Thema „Mobile Applikationen“, wir haben uns auch mal bei einem Treffem von „Hamburg@work“ gesehen und möchte zu diesem Artikel einen Kommentar abgeben, da wir uns mit dieser Diskussion auch seit einiger Zeit im Unternehmen beschäftigen.

    Alle Punkte, die Sie anführen, sind sicherlich richtig, hier wird allerdings über die „Kür“ geredet, nicht die „Pflicht“. Ich denke, der Kunde wird ein noch so tolles Feature/ Service/ Applikation nicht nutzen, nur weil sie irgendwo angeboten wird. Solange er davon nicht erfährt (Marketing/ Kommunikation) und bewusst wertschätzt, kann kein echter „breakthrough“ geschaffen werden. „Wertschätzen“ wiederum wird der Kunde ein Angebot erst, wenn er es genutzt/ getestet hat. Solange der Zugang zu (egal wie noch so) tollen Applikationen weiterhin über den Preis limitiert wird, können wir das Thema nicht groß ziehen. Die Nutzer sind es heute vom Internet gewöhnt, dass „Inhalte“ kostenfrei sind (oder werden Gebühren für die Nutzung eines Internet Explorers fällig ? Die DSL-Gebühren werden heute als selbstverständlich angesehen, da man den Mehrwert per se verstanden hat).

    Ziel muss es daher sein, ein Modell zu finden, den Access zu den Applikationen kostenlos anzubieten (nicht für € 9,90/ Monat) oder ähnliches und nur die Dinge zu bepreisen, die einen besonderen Mehrwert bieten (ie push eMail).

    Dann können wir auch wieder Energie in die Entwicklung von Applikationen legen.

    Ich freue mich auf Ihr Feedback.

    Matthias Vogel

  2. Hallo Herr Vogel,

    es freut mich immer, wenn ich von einem Telko (Hansenet/Alice, wie in Ihrem Falle, gehört ja in diese Kategorie) höre, dass er für die Zurverfügungstellung der Verbindung kein Geld mehr haben möchte. ;)

    Aber Scherz beiseite. Ich halte es nicht für die „Kür“ ein gutes Produkt zu konzipieren und anzubieten. Das ist für mich ebenso Pflicht wie sich um die weiteren Punkte aus dem Marketing-Mix zu kümmern. Dazu gehört natürlich, neben der Kommunikation, auch die Distribution des Produkts.

    Sie schrieben ja selbst, dass die Gebühren für den heimischen DSL-Anschluß heute als selbstverständlich angesehen werden. So selbstverständlich sollte es für die Nutzer auch sein, einen Datentarif für ihr Mobiltelefon abzuschliessen. Sobald dies vorhanden ist, steht dem Mobilfunknutzer das gesamte Internet offen (Abstriche bei ausgewählten MNOs) und damit auch „kostenfreier“ Zugang zum Download von Applikationen. So haben wir die Gleichstellung von Festnetz (DSL) und Mobilfunknetz (UMTS/GSM) sowohl von der Verbindung als auch von den Entgelten erreicht. Das derzeitige Henne-Ei-Problem „Warum sollte ich einen Datentarif haben, wenn es keine gescheiten mobilen Lösungen gibt vs. warum sollte ich eine Lösung anbieten, für die eine Datenverbindung notwendig ist, die der Nutzer aber nicht hat“ wird sich in den nächsten Jahren m.E. erledigen.

    Heute wird für Dienste wie z.B. Push-Email meist eine Gebühr verlangt. Erinnern wir uns an frühere Zeiten im Internet, da gab es auch Dienste, die in ihren Anfängen kostenpflichtig waren. Dies endete mit den ersten Anbietern, die ihre Umsätze nicht direkt aus dem Dienst generierten sondern aus anderen Quellen schöpften, z.B. aus Werbung. Genau so wird es sich auf den Handys auch entwickeln. Können heute noch Anbieter für eine Emailfunktion auf dem Mobiltelefon bis zu vier Euro im Monat verlangen, so wird sich dies bald ändern, da solche Dienste kostenfrei angeboten werden.

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, dass wir viele Lösungen erst dann als Massenprodukte sehen werden, wenn diese kostenfrei verfügbar sind. So war es „damals“ im Internet, so ist es heute mit Web 2.0 und so wird es auch auf den mobilen Endgeräten kommen. Oder bin ich zu optimistisch?

    Freue mich auf eine spannende Diskussion.

  3. Sehr geehrte Frau Scholz,
    Sie haben es angesprochen: „Nutzen ist hier das Stichwort.“ Für mich ist alles anderes zweitrangig, obwohl auch sehr wichtig.

    Warum: Wir wollten Go-Karts fahren gehen. Die Person in deren Auto ich mitfuhr, wusste den Weg bis zum Rennstrecke nicht. Kein Problem, habe ich gesagt und schnell „Nokia Maps“ eingeschaltet. Eine Woche nachher, hatten alle Kollegen(20)die Applikation auf ihren Handys.

    Das Beispiel zeigt, dass es keine „Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren, sich selber zu beteligen und selbstdarstellen, Spassfaktor und die beste Alternative sein“, bedarf um auf Kundenakzeptanz zu stoßen. Sehr wohl aber – „Nutzen“ und „kostenlos“!

    Damit will ich nicht Ihre Aspekte unterbewerten! Nur aufzeigen, dass eine nur nach dem Nutzen ausgerichtete Apllikation auch Chancen hat:)

  4. Hallo Herr Zaprianov,
    da sind wir uns ja sehr einig. Denn wie ich oben schrieb, setze ich einen Nutzen grundsätzlich voraus, er ist also ein Must.

    Ist aber eine durchaus nützliche Anwendung in ihrer Bedienung nicht zumindest unterhaltsam (Spaßfaktor), dann wird sie nach m.E. nicht genutzt. Ihr sehr gutes Beispiel der Navigation auf dem Handy trifft es sehr deutlich: Wenn die Nutzung der Navi-Lösung nicht intuitiv, einfach und angenehm (unterhaltsam) ist, wird sie niemand nutzen wollen. Es bleiben dann nur die extrem Hartgesottenen, die eine solche Applikation trotz aller Widrigkeiten nutzen werden. Wäre das Erreichen nur dieser Zielgruppe die Aufgabe, dann gebe ich zu, dass der reine Nutzen ausreichen würde. ;)

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