Von Wildschweinen & Smartphones…

zetigeistnomade

Von Beginn an, als wir Menschen noch Wildschweine jagten und Wurzeln sammelten, in Zelten oder Höhlen wohnten, da waren Arbeitsstätte und Privatleben noch ein und derselbe Ort: Dort wo Geschäfte gemacht, geschnitzt oder geschmiedet wurde, wurde auch gelebt, gekocht und das Kind erzogen. Erst die industrielle Revolution hat uns mit Massenproduktion und Fabriken die physische Trennung von Arbeitsplatz und Privatleben beschert – so beginnt zumindest ein Economist Special Report zum digitalen Nomadentum. Und hier kommt die „Neuigkeit“, aufgepasst: Durch technologische Errungenschaften wie Smartphone, IMAP, WiFi & Co lösen wir heute die Grenze zwischen Privat und Beruf schön langsam wieder auf und jaaaa, wir bewegen uns in dieser Hinsicht wieder im Rückwärtsgang zu den Wildschweinen ;-)

Nicht ganz natürlich, denn der Wissensarbeiter von heute kann die Vorteile seines „immer & überall“ Arbeitsplatzes natürlich durchaus schätzen:

Die Pendlerei in die Innenstadt zum Arbeitsplatz fällt weg, denn an Stosszeiten wird einfach noch von zu Hause gearbeitet. Man kann auch ruhig mal früher aus dem Büro abhauen und die Füsse im See baumeln lassen, denn dringende E-Mails können immer vom Blackberry aus beantwortet werden. Mühsames Meeting-Herumgefliege wird durch Live Meeting und Telefon ersetzt und das eigene Schlafzimmer wird so zum Konferenzraum. Das Arbeitsleben und folglich auch das Private, lassen sich einfach viel flexibler und schöner gestalten, denn die industrielle Stempelkartenzeit ist für den Wissensarbeiter hiermit nun – hipp hipp hurra- endlich vorbei!

Leistung wird nicht mehr an abgesessener Zeit sondern an sichtbaren Resultaten gemessen.

Diese schöne neue Arbeitswelt bringt nie vorher dagewesene Flexibilität, ist aber eine klarer Handel mit dem Privatleben. Ausser natürlich, man hat Eigenschaften wie Selbstdisziplin und Eigenverantwortung voll und ganz im Griff. Schön für all jene, die damit umgehen können. Doch was ist mit den andren?

Durch die Verlagerung der Verantwortung für die eigene Zeiteinteilung vom Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer, wächst Druck auf den Einzelnen, denn wenn der Leistungsdruck nicht mehr von Aussen festgelegt wird, dann macht man ihn sich doch einfach selbst. Eine Mail geht immer noch, dies Info muss ich noch kriegen, hach, eine einziges Mail noch, dann hör ich schon auf – Die Möglichkeit immer und überall zu leisten, steigert sich heute geradezu ins scheinbar Unendliche.

Und Unendlichkeit macht Angst: Angst nicht gut genug zu sein, Angst nicht soviel geleistet zu haben wie eigentlich möglich gewesen wäre (aber wer kann heute noch beurteilen was denn tatsächlich „möglich“ war) und vor allem die Angst ersetzbar zu sein wenn man offline plötzlich etwas versäumt. Sherry Turkle, Psychologieprofessorin am MIT, vergleicht es sogar mit Spielsuchtverhalten.

Eine neue, schöne Freiheit, die auch neue, grosse Verantwortung mit sich bringt.

Aber wie hat der Schriftsteller William Faulkner so schön gesagt: „Es ereignet sich nichts Neues. Es sind immer dieselben alten Geschichten, die von immer neuen Menschen erlebt werden.“

Über die Autorin: Aleksandra Schmid ist Mobile Marketer und hat in den letzten Jahren zahlreichen Marken geholfen ihre ersten und auch zweiten mobilen Marketingschritte zu tun. Ihre Einblicke und Erfahrungen teilt sie gerne bei Vorträgen oder schreibt sie nieder, zu lesen unter anderem im Guide der Werbeplanung, im Marketing Magazin Update und hier auf mobile zeitgeist. Aus Amerika hat Aleksandra aber nicht nur spannende Geschichten, sondern auch den Gedanken des Netzwerkens und Wissensaustausches mit nach Hause gebracht und gemeinsam mit fünf Gleichgesinnten den  “MobileMonday Austria” ins Leben gerufen. Aleksandra gestaltet die Branche in Österreich aktiv mit und engagiert sich daher im Vorstand der “Mobile Marketing Association Austria” (MMAA). Seit Oktober 2009 ist Aleksandra bei IQ mobile für die Entwicklung osteuropäischer Märkte verantwortlich.

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