Studie: Nutzung von mobilem Content scheitert an Kosten und fehlendem Bedarf

mobilenn anwendungen

Heute hat TNS Infratest seine Studie „Global Tech Insight 2006“ vorgelegt. Hierbei wurden 16.000 Mobilfunkkunden im Alter von 16 bis 49 Jahren im Juli 2006 in 29 Ländern nach ihrem Nutzungsverhalten und dem Interesse an mobilen Inhalten auf dem Handy befragt.

Zunächst finde ich es gut, dass keine älteren Menschen befragt wurden. Wäre ja noch schöner, wenn die auch noch eine Meinung dazu hätten.

Aber zu den Ergebnissen:

Die größten Barrieren sind hohe Kosten und fehlender Bedarf.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich bei vielen Diensten, wie z.B. Mobile TV oder Mobile Internet, um Angebote handelt, die man bisher eher mit anderen Medien verbindet. Viele Befragte geben an, dass sie die Dienste auf dem Handy nicht benötigen und die Nutzung auf anderen Endgeräten bevorzugen. „Mobiles Fernsehen oder Internet ist eben nicht für jedermann ein interessantes Thema. Viele bevorzugen die klassischen Medien und haben bislang noch kein Interesse an einer mobilen Nutzung“, so Robert A. Wieland, Geschäftsführer der TNS Infratest InCom. Ein Beispiel dafür ist das Mobile Internet. Vielen Befragten reicht das Surfen über den PC aus und sie geben an, dass sie kein Interesse an mobilem Internetsurfen haben bzw. diesen Dienst nicht benötigen. 39 Prozent geben wiederum zu hohe Kosten als Grund gegen eine Nutzung an.
Die Bevorzugung klassischer Medien muß nicht wirklich verwundern. Das ist eine Frage der Zeit, bis es sich ändert. Das Onlinebanking wurde auch nicht über Nacht von den Konsumenten angenommen.

Etwas genauer sollte man aber immer hinschauen, wenn von „mobilem Internet“ oder „Internetsurfen“ auf dem Handy die Rede ist. Wenn jemand unterwegs oder auch zu Hause mit seinem Handy etwas sucht, dann möchte er nicht hundertausende von Suchergebnissen auf seinem Handydisplay sehen. Der Wunsch wird eher nach sehr dezidierten Informationen vorherrschen und in der Regel wird der Kontext des Nutzers seine Anforderungen bestimmen. Diesem völlig anderen Nutzungsverhalten versuchen die Firmen, die sich mit der mobilen Suche beschäftigen, Rechnung zu tragen und die derzeitigen Lösungen weisen zumindest in die richtige Richtung. Das am PC oft planlose und intuitive „Sich-Treiben-Lassen“ im Internet wird so kaum auf Handys stattfinden. Insofern ist eine Gleichsetzung von „Internetsurfen“, egal ob mit PC oder Handy, schlicht Unsinn.

So wünschen sich beispielsweise 43 Prozent der Nutzer von öffentlichen Internetseiten eine Flatrate und nur 16 Prozent eine nutzungsabhängige Abrechnung nach Datenmenge, Die tatsächliche Nutzung verhält sich aber genau anders herum: Erst 13 Prozent nutzen eine Flatrate und 41 Prozent eine Abrechnung nach genutzter Datenmenge. „Die Kunden wünschen also ganz andere Tarife als sie aktuell nutzen“, so Wieland. Allerdings muss bei einer Flatrate natürlich auch das Preis-/Leistungsverhältnis stimmen.
Die Kunden wünschen sich ganz andere Tarife, als sie derzeit von den Mobilfunkbetreibern angeboten bekommen. So müßte es doch eher lauten.

„Die Handynutzer müssen mehr an die neuen Anwendungen herangeführt werden und der Zugang sollte ihnen so leicht wie möglich gemacht werden. Oft fehlt es auch an der nötigen Kenntnis, um den Zugang zu neuen Möglichkeiten zu finden“, rät Wieland.
Das bringt mich zu einer anderen Untersuchung. MarketStar hat 305 Mobilfunknutzer nach ihrem Kaufverhalten bei Smartphones befragt. (-MarketStar-Mobile-Operating-System-Findings (pdf, 244 KB))

Für Stan Bassett von MarketStar ist dies unhaltbar. Kunden müssten gerade bei den vielen Möglichkeiten und Funktionen beraten und aggressiv angesprochen werden, um sich ein Bild machen zu können und sich zum Kauf zu entscheiden. Den Verkäufern komme dabei eine bedeutende Rolle zu. Die insbesondere, da 72 Prozent der Kunden, die in einem solchen Laden sind, sich zuvor nicht präzise über die Geräte informiert haben. 42 Prozent hatten noch gar keine Erfahrung damit, weil sie einesteils „einfach nur ein Telephon“ wollten, andererseits aber noch nie etwas von solchen Smartphones gehört hatten. Hier liege die Chance für gut geschultes Personal, sagte Bassett. Quelle: silicon.de
Verstehe ich das so, dass der Nutzer nur noch nicht weiß, dass er einen Bedarf hat und man ihm dies nur eindringlich („aggressiv“) genug beibringen muß? Ich bevorzuge dann doch eher den Weg, dass man den Kunden vernünftige, nutzenstiftende, sinnvolle und sichere Services zu angemessenen Preisen anbietet. Dann wird man auch die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der Nutzer haben. Und nun doch noch die Rolle rückwärts: Einen qualifizierten Vertrieb braucht man bei erklärungsbedürftigen Diensten trotzdem.

Die größten Wachstumspotentiale liegen beim Radio und beim Internet. Gefragt nach ihrer zukünftigen Planung zeigen sich 22 Prozent sehr bzw. ziemlich interessiert an einer Nutzung der Radiofunktion in den nächsten zwölf Monaten. Für 17 Prozent der Mobilfunkkunden ist die Nutzung öffentlicher Seiten per Internet interessant. Es handelt sich dabei insbesondere um Personen, die das mobile Internet beruflich nutzen. Aber auch M-Commerce-Dienste werden für die Mobilfunknutzer zunehmend attraktiv. „Da viele bereits Online Banking betreiben steht man auch Mobile Banking offen gegenüber: 17 Prozent können sich vorstellen, zukünftig Bankgeschäfte über das Handy abzuwickeln. Es fehlen jedoch häufig noch entsprechende Angebote. Teilweise sind die Preise für Mobile Banking ein Hindernis. Zehn Cent pro Überweisung sind vielen Bankkunden schlicht zu teuer“, so Wieland.

Auch das Bezahlen von Rechnungen per Handy ist für viele Mobilfunkkunden (18 Prozent) eine interessante Option. Entsprechende Angebote konnten sich bisher noch nicht bei der breiten Masse durchsetzen, vor allem weil diese bislang nur in Ausnahmefällen, z.B. beim Fahrkartenkauf, als Zahlungsmittel akzeptiert wurden. Offensichtlich spielen auch Sicherheitsbedenken eine Rolle: 16 Prozent geben sowohl bei Bankgeschäften als auch bei mobilem Bezahlen an, Bedenken wegen der Sicherheit zu haben.

Im Vergleich zu Westeuropa ist die Internetnutzung mittels mobiler Endgeräte in Deutschland damit überdurchschnittlich hoch, was u. a. auch an den attraktiven Portalen der Mobilfunkanbieter liegen dürfte (Nutzung von Providerportalen in Deutschland: 13 Prozent; Westeuropa zehn Prozent). Bei den meisten Angeboten liegt Deutschland weltweit gesehen jedoch eher im Mittelfeld. Vor allem die asiatischen Mobilfunknutzer sind die Vorreiter bei der Nutzung von mobilen Anwendungen: Klingelton-Downloads z.B. werden in Deutschland von zwölf Prozent genutzt, während dieser Anteil in einigen asiatischen und arabischen Ländern bei über 50 Prozent liegt. Auch Musik-Downloads sind in Deutschland mit vier Prozent Nutzungsquote noch nicht weit verbreitet, ähnliches gilt für Spiele-Downloads, Online-Spiele, und Glücksspiele.
Hier geht es zur Pressemeldung von tns infratest.
Hier stehen die Charts zum Download bereit.

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Über Heike Scholz 3402 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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