Studie: Navigation, Location Based Services und Mobile Payment mit höchstem Potential

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Accenture hat Forsa damit beauftragt, Internetnutzer in Deutschland nach ihrem Nutzungsverhalten im mobilen Internet zu befragen. Heraus gekommen ist der „Mobile Web Watch 2008“ mit einigen recht interessanten Zahlen. Hier einfach einmal die ungekürzte Pressemeldung:

Knapp 26 Millionen Internetnutzer in Deutschland haben ein internetfähiges Mobiltelefon. Doch nur drei Millionen (12 Prozent) gehen damit auch ins Netz. Der großen Mehrheit reicht dafür der PC. Diesen Weg empfinden sie als deutlich günstiger und komfortabler. Das zeigt die repräsentative Studie „Mobile Web Watch 2008″ des Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture. Viele Anbieter blieben ihren Kunden bislang den mobilen Mehrwert schuldig, so die Erhebung.

„Mobiles Internet steht vor dem Durchbruch. Die verfügbare Bandbreite und leistungsfähige, innovative Endgeräte wie das iPhone lassen die Nutzung in die Höhe schnellen. Aber es wird erst boomen, wenn der Verbraucher mehr bekommt als herkömmliches Internet über das Handy“, sagt Dr. Nikolaus Mohr, Geschäftsführer im Bereich Communications & High Tech bei Accenture. „Den meisten Kunden fehlt der Mehrwert. Wer sie überzeugen will, muss die Mobil-Karte richtig ausspielen, also Dienste und Angebote auf die Unterwegs-Situation abstimmen.“

So sagen mehr als drei Viertel der Befragten, die die Internetfunktionen ihres Handys nicht nutzen, der PC reiche ihnen aus, um ins Netz zu gehen (79 Prozent). 71 Prozent sind die Kosten für mobile Datenverbindungen zu hoch. 39 Prozent finden, dass Internetseiten auf Handydisplays zu klein und zu unübersichtlich dargestellt werden. Nur zwölf Prozent derjenigen ohne internetfähiges Handy hätten gerne ein solches Gerät und sogar nur fünf Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren.

„Die Mobil-Karte richtig ausspielen“ – Navigations- und Bezahldienste

Großes Potenzial haben den Umfrageergebnissen zufolge Navigationsdienste, so genannte Location-Based Services, und mobile Bezahldienste. 70 Prozent aller befragten Internetnutzer würden ihr Handy auch als Navigationsgerät verwenden. 42 Prozent sähen einen Mehrwert darin, wenn ihnen ihr Handy anzeigte, wo unterwegs interessante Geschäfte, Gaststätten oder Veranstaltungen zu finden sind. 35 Prozent würden ihr Mobiltelefon gern wie eine Geld- oder Kreditkarte nutzen.

Wer heute schon mit dem Handy ins Netz geht, nutzt vor allem klassische Dienste, die außerdem wenig Verbindungszeit und Datenvolumen kosten: E-Mail (54 Prozent), Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft (44 Prozent) sowie Wetterinformationen (32 Prozent).

Online-Unterhaltungs- und Web 2.0-Angebote fristen ein Schattendasein auf dem Mobiltelefon. Nur 13 Prozent der Nutzer laden per Handy Musik aus dem Netz, neun Prozent laden Videos, besuchen Videoportale oder soziale Netzwerkplattformen wie Facebook und StudiVZ. Von einer so intensiven Nutzung des mobilen Internets wie in anderen Märkten, beispielsweise Japan oder Süd-Korea, ist Deutschland damit noch weit entfernt.

Telekommunikationsexperte Dr. Nikolaus Mohr sieht grundsätzlich drei große Nutzungsfelder IM mobilen Internet. „Die geschäftliche Nutzung, also vorrangig Business-E-Mail, hat sich gut entwickelt. Am aktivsten sind Netzbetreiber, Hersteller und Internetfirmen derzeit bei Unterhaltungsangeboten sowie bei Navigations- und damit verknüpften Diensten. Diese Bereiche werden sich mittelfristig stark durch Werbung finanzieren.“

Dr. Nikolaus Mohr weiter: „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist es, frühzeitig vielfältige Partnerschaften einzugehen. Denn eine Frage, die sich derzeit alle stellen, lautet: Wohin fließen die Werbeerlöse – an die Netzbetreiber, an die Unterhaltungsindustrie, an die Gerätehersteller oder an diejenigen, die wie Google eine Plattform für neue Dienste und die Platzierung von Werbung zur Verfügung stellen?“

Ein schwierigeres Feld seien Unterhaltungsangebote. Hier hätten die Anbieter mit Nutzungsrechten und Kopierschutz zu kämpfen und damit, dass sich Nutzer die Inhalte nicht nur über mobile Datenverbindungen, sondern auch vom PC oder über ihr WLAN aufs Handy laden können. Auch Handy-TV wird es schwer haben. Nur 17 Prozent der Befragten würden es nutzen. Dr. Nikolaus Mohr: „Handy-TV wird kommen, aber wohl nur als Nischenanwendung.“

Internetkonditionen haben kaum Einfluss auf Entscheidungen für Mobilfunkangebote. Nur für zwei Prozent der Befragten war der Datentarif ein wichtiges Entscheidungskriterium für ihr Mobilfunkangebot. Für ebenfalls nur zwei Prozent war der Zugang über UMTS oder HSDPA ausschlaggebend.

Prepaid- und Discounter-Kunden zieht es kaum ins mobile Internet. Nur drei Prozent der Prepaid-Kunden gehen mit ihrem Gerät ins Netz (alle Internetnutzer: acht Prozent). Von den Mobilfunkdiscounter-Kunden wünscht sich nur jeder zwanzigste ein internetfähiges Handy (fünf Prozent).

Die meisten Nutzer gehen nur in Ausnahmesituationen ins mobile Internet. Jeder zweite Mobile-Web-Kunde nutzt es höchstens ein- bis zweimal pro Woche (56 Prozent), ein Drittel (36 Prozent) explizit nur in Ausnahmefällen.

Die „Generation Mobile Web“ ist 20 bis 29 Jahre alt. Angehörige dieser Altersgruppe sind nicht nur mit dem PC am häufigsten online, wie aktuelle Erhebungen zeigen, sondern auch mit dem Handy. 54 Prozent gehen mehrmals pro Woche bis mehrmals täglich mit ihrem Mobiltelefon ins Netz. Jugendliche sind besonders zurückhaltende Nutzer: 75 Prozent surfen nur ein- bis zweimal pro Woche oder seltener, 50 Prozent nur in Ausnahmefällen.

Für die Studie „Mobile Web Watch 2008″ befragte das Marktforschungsinstitut Forsa 2.043 Internetnutzer in Deutschland im Auftrag von Accenture. Quelle

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Über Heike Scholz 3402 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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