Smartshopper, Handys und neue Technologien für das Mobile Marketing, Teil 4: User generated Codes und Fazit

mobile marketing guide

Die vorangegangenen Teile meiner Reise durch die Welt der Smartshopper waren:

Smartshopper, Handys und neue Technologien für das Mobile Marketing, Teil 1: Der Umgang mit Informationen
Smartshopper, Handys und neue Technologien für das Mobile Marketing, Teil 2: Suchen und Finden wird mobil
Smartshopper, Handys und neue Technologien für das Mobile Marketing, Teil 3: (Dumme) Dinge der realen Welt werden zu Informationsträgern

Heute nun der vierte und letzte Teil, in dem ich mich den User-generated Codes widmen werde und ein abschließendes Fazit ziehe.

Zunächst zu den nutzergenerierten Codes. Die bekannteste Anwendung ist Semapedia. Im Zusammenspiel von Wikipedia und Semacode kann jeder Nutzer Wikipedia-Artikel in Data Matrix Codes umwandeln und im öffentlichen Raum platzieren. Mit einem Handy und entsprechendem Code Reader sind diese Informationen wiederum lesbar, man braucht nur den Code zu scannen und schon steht einem auf dem Handy der Wikipedia-Artikel zu Verfügung. Die Diskussionen bzgl. der Einschränkungen eines solchen Systems vom Nutzen für den Einzelnen bis hin zu Bedenken hinsichtlich Denkmalschutz werden nach wie vor geführt. Währenddessen entwickelt sich Semapedia aber zu einer immer größeren Spielwiese für alle, die selbst aktiv werden wollen. Was schon alles mit Semapedia getagged wurde kann man im Semapedia Blog und bei flickr bestaunen.

Es gibt noch weitere Lösungen wie z.B. Kooltag (Tagit), die aber bisher im europäischen Raum keine Rolle spielen. Sollten diese Anbieter, wie von ihnen selbst angekündigt, in Europa tätig werden, so werde ich natürlich berichten. Wenn jemand aus meiner Leserschaft noch erwähnenswerte Lösungen kennt, bin ich für Tipps immer dankbar.

Fazit

Die Fragen, die sich nun stellen, sind vielfältig:

  • Werden sich solche handygestützten Lösungen in Europa und insbesondere in Deutschland durchsetzen?
  • Wenn ja, welche werden dies tun und warum?
  • Und wann werden sie flächendeckend im Einsatz sein?

Zur ersten Frage: Ja! Diese oder ähnliche Lösungen können unser aller Bedürfnis nach ubiquitären Informationen befriedigen und werden sich allein aus diesem Grund auch bei uns durchsetzen. Darüber hinaus sprechen sie unseren Spieltrieb an und geben uns die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und die Technologie für ganz eigene Zwecke zu nutzen.

Zur Frage, was sich durchsetzen wird, gibt es m.E. einige entscheidende Kriterien:

  1. Müssen die Lösungen auf einer möglichst breiten Basis der bestehenden Infrastruktur laufen, d.h. insbesondere auf möglichst vielen mobilen Endgeräten. Da heute bereits ca. 50% aller Handys in Deutschland mit einer Kamera ausgestattet sind, haben wir eine kritische Masse erreicht.
  2. Müssen sie schnell und kostengünstig in die bestehenden Strukturen der Marketing- und IT-Prozesse der Unternehmen implementierbar sein.
  3. Sie müssen beliebig skalierbar sein.
  4. Sie müssen für den Nutzer intuitiv und schnell begreifbar und einsetzbar sein, d.h. simpelste Installationsprozesse und kinderleichte Bedienung.
  5. Sie müssen für den Nutzer universell sein.

Punkt 1 bis 4 werde von allen vorgestellten Lösungen erfüllt. Der Punkt 5, die universelle Einsetzbarkeit durch den Nutzer, trennt hier die Spreu vom Weizen. Ich denke, die wenigsten Handybesitzer in Deutschland sind bereit fünf verschiedene Code Reader auf ihrem Handy zu installieren (so wie ich). Vor allem stellt sich im Fall des Falles immer die Frage „Mist, welchen Code Reader muss ich denn jetzt nehmen?“. Also werden diejenigen, die überhaupt eine solche Technologie in ihrem täglichen Leben nutzen möchten, es nur mit einem Code Reader auf ihrem Handy zu tun haben wollen. Mit diesem Reader möchten Sie dann alle Codes, auch die verschiedener Anbieter, lesen können. Jeder kann nun nachvollziehen, dass dies nicht gerade für die proprietären Codes spricht. Daher werden sich die Standard Code Reader (Barcode, Data Matrix, QR, Aztec etc.) in der Fläche durchsetzen. Dennoch muß dies nicht den Tod der proprietären Codes bedeuten. Auch diese können, kampagnenabhängig oder regional eingesetzt, durchaus sinnvoll sein. Wer jedoch den Massenmarkt mit seinen Aktionen adressiert, sollte sich mit den Standard Code Readern beschäftigen.

Einen Schub mag diese Technologie durch die Realisation des Lesens von 1D-Codes (Barcodes) erfahren. Diese Codes sind heute bereits auf allen Produkten des täglichen Lebens vorhanden. Die 2D-Codes setzen sich an dieser Stelle erst langsam durch. Wie ich berichtete hat die ETH Zürich ein vollständiges Toolkit für das 1D-Code Reading entwickelt und stellt es zum kostenlosen Download allen Interessierten zur Verfügung.

Die Frage danach, wann wir denn nun endlich mit einem flächendeckenden Einsatz solcher Technologien rechnen dürfen, können sicherlich die wieder einmal so zögerlichen Unternehmen besser beantworten. Warum diese die enormen Möglichkeiten nicht nutzen, verstehe wer will. Meine Einschätzung ist, dass wir im kommenden Jahr einige Piloten und kleine bis mittelgroße Projekte in Deutschland erleben werden und erst in 2008 den beginnenden Durchbruch werden konstatieren können.

Im Grunde haben wir hier wieder einmal ein Henne-Ei-Problem. Die werbetreibenden Unternehmen sagen „Jahaaa, wenn ich Millionen installierter Code Reader auf den Handys meiner Zielgruppen nutzen kann, mache ich doch gern eine solche Kampagne!“. Dem setzen die Handyhersteller und Netzbetreiber entgegen: „Wenn wir hier ein Business Modell sehen, womit wir die zusätzlichen Kosten für die Vorab-Installation der Code Reader wieder herein bekommen, dann werden wir sie auch embedded anbieten.“ Vielleicht geht ja auch ein Ruck durch Europa, wenn jetzt die Telefónica in Spanien Code Reader embedded anbieten wird. Hier sehen die Verantwortlichen offensichtlich das Business Modell. Aber für Deutschland lässt sich wieder einmal bedauerlicherweise feststellen, dass sich bei den Großen nicht viel bewegt. Drücken wir also den Mittleren und Kleinen fest die Daumen, dass sie sich am Markt durchsetzen werden. Die Chancen sind auf jeden Fall da.

Ach ja, sollte ein Entscheider eines werbetreibenden Unternehmens dies lesen und glauben, dass das, was mit Codes möglich ist auch mit RFID/NFC möglich sei, dann sei die Lektüre meiner Ausführungen zu dieser Funkttechnologie in den nächsten Wochen empfohlen.

Soweit zu meiner ganz persönlichen Meinung. Ich bin gespannt auf eine angeregte Diskussion.

Avatar for Heike Scholz
Über Heike Scholz 3401 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

1 Trackback / Pingback

  1. Der Größte mit dem Größten und dem Größten: Google, Nokia und China Mobile | mobile zeitgeist

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*