‚Open for Ideas‘: Ein Tag im Nokia House

mobile zeitgeist

Vergangene Woche war ich in Helsinki, am ersten Tag in Espoo, im „Nokia House“. Der zweite Tag (gesonderter Blogpost) war dem Demo-Tag bei „Demola“ in Tampere gewidmet. Pressevertreter und Blogger aus sieben Ländern waren zu diesen beiden Tagen „Open for Ideas“ ins Nokia Headquarter und nach Tampere eingeladen. Im Nokia House arbeiten rund 2.500 Mitarbeiter aus 93 Ländern. Ein offenes Gebäude, dreiteilig mit sehr viel Holz und Glas, sehr hell und freundlich.

Angekommen in Espoo durften wir uns erst einmal im Showroom, der „Experience Lounge“ umschauen. Ben Smith (@bensmithuk) vom Really Mobile Project war mit dabei und er hat die weitaus besseren Bilder gemacht als ich (er hat ja auch eine Profiausrüstung). Also für die Bilder von neuen und auch recht alten Nokia-Geräten bitte hinüber zu Ben, oder

zu Rafe Blandford (@AAS) von All About Symbian, der  nicht minder tolle Bilder gemacht hat oder

auf den Blog-N97, wo es auch wundervolle Bilder vom Nokia House gibt.

Den Auftakt für den offiziellen Teil machte dann Seppo Aaltonen, Director Strategic Planning, der uns etwas über Nokias Position im Hinblick auf Strategie, Innovation, Partnerschaften und Ecosystem vermittelte. Es liegt wohl in der Sache an sich, dass hier sehr viel „Marketing-Buzz“ dabei war: „Innovation is core…innovation is not only technical…partnering is core…the challenge is convergence…Nokia will bundle devices with services for a better user experience…“ Soweit nichts wirklich Neues oder Überraschendes.

Etwas substantieller war, dass Nokia pro Jahr drei Milliarden Euro in Innovationen investiert, in unterschiedlichen Märkten verschiedenen Strategien verfolgt und mit S40 Innovationen zu einem wettbewerbsfähigen Preis in die umkämpften Märkte bringt, echte Innovationen jedoch dort ausrollen wird, wo der Preis nicht die (allein) entscheidende Rolle spielt.

Es folgte Srikanth Raju, Head of Forum Nokia Marketing, der ein wenig über das Developer-Ecosystem rund um Nokia erzählte.

  • Nokia verzeichnet derzeit 1,5 Millionen aktive Entwickler.
  • Der Ovi-Store ist in 180 Ländern offen und generiert mittlerweile 1,7 Millionen Downloads am Tag.
  • 90 % aller Ovi-User nutzen es in ihrer eigenen Sprache.
  • 66 Abrechnungsabkommen mit Operatoren wurden abgeschlossen.
  • In Berlin konnten 30 Entwickler das Qt-SDK testen und befanden es für so gut wie das iPhone-SDK und besser als das für Android.

Weiterhin betonte Srikanth die Erfahrungen, die Nokia aus dem Developer-Ecosystem gezogen hat:

  • Vereinfachung der Developer-Tools, um Entwickler effektiver zu machen
  • Vergrößern des Distributionskanals und seiner Reichweite
  • Das Bewußtsein und das Wissen über die Apps bei den Nutzern verbessern
  • Die User Experience verbessern

Rafe fragte Srikanth, wie Nokia vor hat, die abgewanderten Entwickler wieder zurück zu gewinnen. Wie schon vorher war das Hauptargument die große Reichweite durch Nokias installierte Basis. Doch es spricht auch für die mittlerweile offene Kommunikation von Nokia, dass Srikanth zugab, dass es nicht leicht und ein sehr langer Weg werden würde.

Bo Ilsoe, Venture Fund Partner, Nokia Growth Partners, sprach dann über Nokias Vorgehen bei der Vergabe von Venture Capital.

  • Nokia investiert grundsätzlich erst in der Growth Phase, d.h. die Produkte oder Services müssen bereits am Markt sein.
  • Nokia hat keine Berührungsängste mit Wettbewerbern und investiert auch gemeinsam mit ihnen in die gleichen Firmen.
  • Sowohl Unternehmen, zu denen Nokia bereits eine (Geschäfts-)Beziehung hat als auch noch unverbundene Unternehmen kommen in Frage.
  • Nokia hat für die Unternehmen, in die investiert wird den Vorteil seiner eigenen Partnerschaften und seiner schieren Größe.

In China ist Nokia zum Beispiel an Madhouse, einem Ad-Network beteiligt, in der Schweiz an einem Hersteller und Nokia-Zulieferer für Kameralinsen.

Der vierte Nokia Manager, der aus seinem Bereich berichtete war Mika Setälä, Director Strategic Alliances & Partnerships, und einer der Väter von MeeGo. In seiner launigen und unterhaltsamen Art fragte Mika in die Runde „So why Intel?“ und gab auch gleich die Antwort: „Why not?“, was erheblich zur allgemeinen Belustigung beitrug. Nokia und Intel wollen MeeGo zur besten und begehrtesten Plattform weltweit machen, dafür arbeiten derzeit über 1.000 Experten an MeeGo. Die reine Größe von Intel und Nokia soll Meego zum Erfolg machen und natürlich seine Features (multi-category, nicht nur für Smartphones; multi-architecture; openness).

Nach diesem etwas anderen Einblick in verschiedene Unternehmensbereiche, die alle maßgeblich zur Innovationskraft von Nokia beitragen, folgte am Nachmittag noch das Announcement der Partnerschaft von Nokia mit Yahoo!, parallel zur Pressekonferenz.

Mein Fazit (erster Tag)

Es war interessant, einmal Nokia von innen zu sehen. Es war eine sehr freundliche, professionelle und offene Atmosphäre; Nokia bemüht sich wirklich um einen offenen Dialog. Die Struktur des Tages folgte einmal nicht den üblichen Pfaden mit PowerPoint-Schlachten und Frontalvorträgen, sondern wir saßen mit den Nokia Managern an einem Tisch und alle sprachen frei, ohne Skript oder Slides und standen auch danach für Gespräche zur Verfügung.

Vielleicht wäre der Dialog noch fruchtbarer gewesen, wenn uns die Kernaussagen der Manager vorab zugeschickt worden wären und wir uns sehr konkret auf die Themen hätten vorbereiten können. Denn auch die Fragen, die einige unserer Leser mir netter Weise vorab zugeschickt haben, konnte ich nicht sinnvoll unterbringen.

Alles in allem war es ein interessanter Tag und manch anderes Unternehmen darf sich an diesem Konzept gern ein Beispiel nehmen, wenn es um die Pflege von Presse- und Bloggerkontakten geht.

Im Hinblick auf Nokias Aktivitäten in Bezug auf Innovationen kann man wirklich nicht sagen, Nokia wäre untätig. Das sind sie seit Jahren nicht. Doch bei all den Ressourcen, die hier eingesetzt werden, fragt man sich manchmal, warum zumindest in unserer Wahrnehmung Nokia immer so behäbig wirkt. Gut, sie sind ein Dickschiff, das nur sehr langsam den Kurs ändern kann. Etwas was allen Konzernen eigen ist. Doch bleilbt der Eindruck, dass andere Unternehmen, darunter auch Konzerne, besser mit der enormen Veränderungsgeschwindigkeit, die die mobilen Märkte einfach haben, zurecht kommen.

Andererseits möchte ich auch darauf hinweisen, dass auch hier bei uns in Deutschland sehr gern die US-amerikanische Berichterstattung unreflektiert übernommen wird. In den USA hatte Nokia noch nie einen relevanten Marktanteil und viele Redakteure und Blogger dort werden nicht müde den Tod von Nokia herbei zu schreiben. Davon ist Nokia sicherlich noch ein gutes Stück entfernt, denn mit ihren Volumenmodellen machen sie nach wie vor einen guten Job, insbesondere in Ländern wie Indien und China. Und auch die Smartphones verkaufen sich weltweit gut.

Doch in den so genannten entwickelten Ländern tut sich Nokia in den Smartphone-Märkten in der Wahrnehmung bei den Early Adoptern und Nerds schwer. Hart bedrängt von anderen Anbietern, fehlt Nokia die Emotionalität von Apple oder die Attraktivität von htc. Da nützt es auch nicht, immer wieder die Milliarden von verkauften Devices zu betonen. Wie Srikanth sehr richtig sagte, es wird ein harter und langer Weg für Nokia.

Avatar for Heike Scholz
Über Heike Scholz 3402 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*