Nokia kauft Trolltech

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Der ein oder andere hat es gestern vielleicht schon gelesen. Nokia ist weiterhin auf Shoppingtour und kauft das norwegische Software- unternehmen Trolltech. Zwar ist die Übernahme noch nicht ganz offiziell, da Trolltech an der Börse gehandelt wird, die Großaktionäre und der Vorstand haben dem Kaufangebot von Nokia aber schon zugestimmt.

Der Zukauf wurde, laut Nokia, deshalb getätigt, um die eigene „Cross-Plattform-Software-Strategie“ schneller umzusetzen. Nokia erhofft sich mit dem Deal, dass mobile Applikationen und Desktop-Programme in Zukunft schneller umgesetzt werden können. Trolltech scheint daher ein gut gewähltes Unternehmen. So haben sie mit Qtopia bereits eine, auf Linux basierte, mobile Plattform entwickelt, mit der Anwendungen für entsprechende Handys programmiert werden können. Mit QT habe sie außerdem ein Framework erstellt, was es Entwicklern ermöglicht, Anwendungen zu erstellen, die auf verschiedenen Betriebssystemen laufen. Das Programm Skype nutzt z. B. die Bibliothek QT.

Nokia hat ja bereits viele Programme veröffentlicht, die den PC zuhause und das Handy verbinden. Die PC Suite ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel. Doch es gibt noch mehr, wie z. B. den Lifeblog oder in Nokias Beta Labs, die Anwenung PC Phone, mit der das Handy per Desktop gesteuert werden kann. Mit dem Kauf von Unternehmen wie Avvenu kommen zusätzliche Programme hinzu, die beide Medien miteinander verbinden. Hauptproblem ist dabei jedoch, dass die Programme alle nur unter Windows laufen, Linux und Apple User aber außen vor bleiben. Außerdem sind dies alles Insellösungen, die anders aussehen, anders bedient werden und anders funktionieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Nokia durch Trolltech dieser Entwicklung entgegenwirken möchte.

Auf der Seite der Endgeräte könnte Nokia sich vielleicht durch Googles Android zum Handeln gezwungen fühlen. Die Entwicklung von Applikationen für Nokias Betriebssysteme S40 und S60 könnte durchaus effizienter sein. Auch hier könnte Trolltech helfen. Da Trolltechs Produkte alle unter der GPL Lizenz veröffentlicht werden, was die Weiternutzung durch andere ermöglicht, scheint es auch so, dass Nokia (weiterhin oder verstärkt) auf Drittentwickler setzen wird, um für eine große Auswahl an Applikationen für ihre Handys zu sorgen.

Insgesamt also ein weiterer Schritt von Nokia, sich auch auf Software zu konzentrieren. Bleibt nur abzuwarten, ob es ihnen gelingt, all ihre Baustellen und Insellösungen tatsächlich, gut und nicht allzu spät zu bündeln und zu veröffentlichen.

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Über Timo Wilks 193 Artikel
Timo Wilks ist durch seine Projekte ganz dicht am Mobile Business und hat sich Anfang 2007 selbständig gemacht. Heute ist Timo freier Berater und Projektmanager für Web- und Mobile Projekte. Er lebt und arbeitet in Hamburg. XING.

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