Neue Chance für E-Health und Telemedizin

Telemedizin, e-health und mobile health auf dem Vormarsch

Zehntausende niedergelassene Ärzte gehen derzeit in den Ruhestand. Viele von ihnen operieren im ländlichen Raum und haben Schwierigkeiten eine Nachfolge zu akquirieren. Darunter leidet die Gesundheitsversorgung enorm, da besonders ältere Menschen aufgrund schlechter ÖPNV-Anbindung nicht mobil sein können. Die noch existierenden Arztpraxen sind heillos überlastet und Nachwuchsärzte lassen sich aus diversen Gründen zunehmend lieber in urbanen Regionen nieder. Nun haben wir das Pandemie-Dilemma in einem seit Jahren kaputt-gesparten Gesundheitssystem.

Digitale Gesundheit dank E-Health und Mobile Health?

E-Health, mobile health und die Nutzung digitaler Hilfsmittel sind ein guter Ansatz, um den Mangel an gesundheitlicher Versorgung und Pflege entgegenzusteuern.

Telemedizin per Videosprechstunde und Ambient Assisted Living (AAL) sind bereits auf dem Vormarsch, zu oft leider noch auf eigene Kosten. Aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Coronavirus haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband die Begrenzungsregelungen bei Videosprechstunden für das zweite Quartal 2020 laut e-health-com.de aufgehoben. Eine Übersicht zu den Anbietern und den aktuellen Sonderkonditionen hat der Health Innovation Hub zusammengestellt.

AAL entlastet Pflegedienste und Angehörige mithilfe von Smarthomelösungen. Eine intelligente Form für einen Hausnotruf stellen spezielle Sensoren dar, die z.B. einen Sturz wahrnehmen und sofort an die richtigen Notruf-Stationen weiterleiten. Beim Telemonitoring werden Digitalwerte des Patienten, wie z.B. Blutdruck und EKG-Werte drahtlos an Praxen und Krankenhäuser übermittelt. Im Bereich der Physiotherapie existieren zahlreiche wissenschaftlich fundierte Computerspiele: Hier lassen sich alltägliche Fähigkeiten z.B. nach einem Schlaganfall neu erlernen. Und auch im Bereich Fortbildung für medizinisches Personal ist in unserer heutigen App-Landschaft einiges geboten.

Laut krankenkassenzentrale.de beteiligen sich die Techniker Krankenkasse, DAK-Gesundheit, mhplus BKK, SBK und Barmer an diversen Telemedizin-Projekten. Das Informationsportal von vesta ist ein digitales Verzeichnis für bundesweite Telemedizin-Projekte und elektronische Anwendungen in der E-Health-Branche. Es fasst , Software-Lösungen, Wearables und medizintechnische Geräte oder Kommunikations- und Datenaustauschplattformen übersichtlich zusammen.

Puls am Puls der Zeit geht mobil

In Zeiten wo sich Smartwatches großer Beliebtheit erfreuen, entstehen zudem immer mehr Möglichkeiten, Daten über den Gesundheitszustand zu sammeln, übermitteln und auszuwerten. Das sind häufig relevantere Entscheidungshilfen für einen Arzt, um optimale Therapiepläne zu erstellen als der übliche 10 Minuten Face 2 Face Smalltalk in der Praxis. Eine gründliche Untersuchung in einer der ländlichen überlasteten Praxen erfolgt aufgrund von Zeitmangel häufig leider nicht oder nur unzureichend.

Do it yourself Diagnose und dann?

Aber auch die Selbstdiognose-Tools erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit. Die 2019 erschiene App „Ada“ beispielsweise ist eine KI-gestützte Gesundheitsplattform. Sie wurde von mehr als 100 Ärzten und Wissenschaftlern entwickelt und kombiniert über tausend Krankheiten mit Milliarden Symptomkombinationen. Die Selbstdiagnose ist zwar ein nettes Feature, die Ergebnisse können aber manch Betroffenen stark ängstigen. Ideal wäre es, die gesammelten Daten per Knopfdruck zum Arzt seines Vertrauens zu übermitteln und je nach Dringlichkeit schnell einen Rückruf zu erhalten, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

Große Chance in der aktuellen Krise

Nichtsdestotrotz wird der gesamte e-health Bereich in aktuellen Krisenzeiten eine große Chance bieten unser Gesundheitssystem zu revolutionieren. Dabei ist es wichtig keine Insellösungen entstehen zu lassen und die zahlreichen Möglichkeiten sinnvoll zu kombinieren und stetig an deren Optimierung und Usability zu arbeiten. Auch die Krankenkassen und Politik sind gefordert, sich dem Thema endlich zu öffnen, innovativere Wege zu gehen und in die kritischen Bereiche zu integrieren. Hier sind je nach Region verschiedene Konzepte und Netzwerke gefordert.

Während sich die Telemedizin in anderen Ländern wie der Schweiz und Großbritannien bei vielen Patienten bereits etabliert hat, ist sie in Deutschland für viele Menschen noch recht neu. Viele Player und Entscheider müssen hier an einem Strang ziehen und sich der digitalen Welt ein Stück weit öffnen. Denn so wie die Telemedizin derzeit finanziert wird, kann sie sich nicht bedarfsgerecht und Bundesländer-übergreifend entwickeln.

Über Katja Niederwieser 20 Artikel
Über 15 Jahre arbeitete die Diplom-Ingenieurin als Vorstandsassistenin, Marketingleiterin, Journalistin und Texterin in diversen internationalen Unternehmen.

1 Kommentar

  1. Hallo Katja. Toller Artikel. Medizin ist aktuell auch das Thema der Stunde. Diese digitalen Möglichkeiten sind sicherlich eine tolle Unterstützung, aber ich glaube dass ein solches digitales Programm auch immer nochmal etwas übersehen könnte oder der Patient die ein oder andere Sache eventuell nicht äußert oder gar überdramatisiert.
    Ich finde es aber gut, dass dort sehr viel Forschung betrieben wird.

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