Mobile Payment mit NFC ist nicht gleich Mobile Payment mit NFC

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Die langfristige Vision von NFC-mPayments lässt sich aufgrund extremer Komplexität nur sehr langsam verwirklichen. QR-Codes werden schon heute als Brückenlösung für Angebote genutzt, die zukünftig per NFC funktionieren. Nun kommen im Bereich Mobile Payments immer mehr Übergangsmodelle auf den Markt.

Mobiles Zahlverfahren von Targobank, eplus und Mastercard

Vor ein paar Tagen gaben die Targobank und e-Plus ihr neues Angebot zum mobilen Bezahlen mit NFC bekannt. Ab dem Spätsommer 2012 soll es losgehen. Das klingt erst mal vielversprechend. Die Fachwelt wartet ungeduldig, dass sich dieser Markt entwickelt. Schaut man allerdings genauer hin, wird manch einer schmunzeln. mobilbranche.de beschreibt es so: „Ein Fall für die Rubrik “Fun”: Das Konzept sieht nämlich vor, einen NFC-Chip per Klebestreifen auf der Rückseite des Telefons zu befestigen! Die Abwicklung soll dann über das Kredikartenkonto der Mastercard erfolgen. Ebenso gut hätte die ehemalige Citibank auch vermelden können, das Bezahlen mit dem Hammer oder Handtasche zu ermöglichen, auf denen sich der Sticker mit derselben Wirkung anbringen ließe … targobank.de“. Ist das nun wirklich Mobile Payment oder steht nur Mobile Payment drauf?

Ein ähnlicher Fall war vor ein paar Tagen in Frankreich zu beobachten. Der Anbieter PayByPhone ermöglicht die Bezahlung der Parkuhr im Pariser Vorort Issy-les-Moulineaux mit dem NFC-Handy. Hierbei dient die Funktechnologie allerdings nur als verkürzter Link, um die Verbindung zu einer mobilen App herzustellen, in der der Bezahlvorgang dann In-App durchgeführt wird (mehr Details auf Französisch hier). Der NFC-Link könnte ebenso durch einen QR-Code ersetzt werden, auch wenn dieser umständlicher in der Nutzung sein dürfte.

Oder auch das neue Angebot von Secupay, dem Viertel Dollar. Die Lösung ist eine Kombination aus einem NFC Tag, der wie eine Prepaid Kreditkarte beladen wird, einer App für iOS und Android und einem kompatiblen Händlerterminal.

Jetzt kann man über diese Angebote lachen und sagen, dass es sich gar nicht um „echte“ NFC-Payments handelt. Aber vielleicht ist die Idee nicht so schlecht. Die größte Herausforderung für die massenhafte Verbreitung mobiler Bezahlverfahren und der NFC-Lösungen bleibt der Konsument. Er muss Vertrauen in die innovativen Angebote finden und sein Verhalten ändern.

In diesem Zusammenhang sprechen wir oft über den notwendigen Mehrwert eines mobilen Services. Das heißt, es wird nicht ausreichen, die Kreditkarte einfach nur so auf dem Telefon zu digitalisieren. Es braucht zusätzliche Features, die den Kunden von der Nutzung überzeugen werden. Aufgrund des komplexen Ökosystems wird die Umsetzung des langfristigen Ziels allerdings noch Zeit brauchen. Und da ist es eine interessante Alternative, dem Kunden die Technologie und das Konzept mittels von Übergangslösungen schon einmal näher zu bringen. Dann werden der Wechsel und die Akzeptanz später leichter fallen. So hat die Lösung der Targobank den Mehrwert, dass man kleine Beträge ohne PIN-Eingabe schnell bezahlen kann, wobei nicht vorher ein Betrag aufgeladen werden muss. Und da man das Handy eh meistens dabei hat, kann man die Kreditkarte auch nicht vergessen.

Allerdings sollte man bei allen Zwischenlösungen auch aufpassen, dass Vertrauen der Kunden nicht leichtsinnig zu verspielen. Weitere Meinungen zur Frage „langfristige Lösungen versus evolutive Ansätze“ nehme ich gerne im Kommentar entgegen.

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Über Maike Strudthoff 155 Artikel
Maike Strudthoff ist Zukunftsanalystin, Autorin, Speaker, freie Beraterin und Inhaberin. Ihre Spezialisierung: Mobile Services Innovationen und Customer Centricity. Sie hilft Unternehmen die Zukunft zu antizipieren und sich auf Veränderungen vorzubereiten, u. a. durch Workshops, Ideation, Konzept Reviews, Analysen, Benchmarks, usw. Mehr über Maike auf XING, ihrer Website oder per Mail maikestrudthoff[at]mobile-zeitgeist.com

1 Kommentar

  1. Genau den gleichen Weg, den mit dem NFC-Aufkleber unter dem Akkudeckel, wollten auch Vodafone und O2 einschlagen, um mPass und NFC-Payment endlich in den Markt zu bringen. Sich nuun also nur über E-Plus lustig zu machen, wäre da ein wenig unfair.

    Zudem: Bei aller Freude über die vermeindlich neue Technologie im Mobile-Payment, die immer wieder propagiert wird. ich persönlich sehe darin nach wie vor keinen gesteigerten Nutzen. Solange wir immer noch gezwungen sind irgendwelche Karten von Banken, Krankenkassen, Autoclubs und vielen anderen bei uns zu haben, wird sich das Zahlen und Ausweisen mit dem Handy noch viele, viele Jahre schwertun.

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