Mobile Advertising: Lieber gar nicht messen, als Misserfolg messen?

mobile zeitgeist

Ein Grund warum mobile advertising und mobile marketing im Allgemeinen nicht abhebt, ist ja die fehlende Messbarkeit. Angeblich.

Wir wissen es alle, wir beklagen es alle, wir reden uns alle auf etlichen Veranstaltungen den Mund zum Thema Messbarkeit fusselig und trotzdem: Es scheint als gäbe es für dieses Problem keine Lösung. Doch noch viel schlimmer. Für mich scheint es auch, als würde sich keiner wirklich und ernsthaft eine Lösung überlegen wollen. Keines der vielen Start ups oder aber der etablierten Player setzt sich hin um die Lösung dieses Problems zu seiner Mission zu machen. Ich weiss, ich weiss. Alles sehr komplex und gar nicht so einfach.Doch wenn die mangelnde Messbarkeit nun denn wirklich eines DER Showstopper für mobile advertising ist, wie erfolgreich könnte dann jemand sein, der plötzlich eine Lösung anbietet? Der oder diejenige hätte den Schlüssel um eine ganze Branche in Bewegung zu versetzen und den Rubel ins Rollen zu bringen! Endlich! Die Erlösung auf die soviele warten.

Doch Moment: Warten den tatsächlich so viele auf diese (Er)lösung?

In den letzten Tagen habe ich mich mit einigen Kollegen aus der Branche zu diesem Thema unterhalten und kurz zusammengefasst haben sie mir zwei Denkanstösse gegeben:

1.) Die Branche will in Wirklichkeit gar nicht zuviel Messbarkeit, denn auch Misserfolg ist messbar. Wenn dann am Ende nur 30 Leute mitgemacht oder draufgeklickt haben, ist es doch besser erst gar nicht zu messen und sich darauf auszureden, dass es noch gar nicht ordentlich messbar sei. Und darum klemmt sich auch niemand hinter dieses Thema.

2.) Die fehlende Messbarkeit ist in Wirklichkeit gar kein Showstopper. Es wird quasi nur als Showstopper vorgeschoben, als Vorwand missbraucht, damit man ein Alibi hat um zu erklären warum die Sache denn immer noch nicht abhebt.

Ahja. Also lieber gar nicht messen, als Misserfolg messen?

Lähmt die Furcht vorm Misserfolg die Branche?

Oder ist das alles nur eine laue, faule Ausrede und der heisse Brei um den man herumredet um den noch nicht dagewesenen und vielleicht niemals kommenden Erfolg von mobile advertising weniger hässlich aussehen zu lassen ?

Über die Autorin: Aleksandra Schmid ist Mobile Marketer und hat in den letzten Jahren zahlreichen Marken geholfen ihre ersten und auch zweiten mobilen Marketingschritte zu tun. Ihre Einblicke und Erfahrungen teilt sie gerne bei Vorträgen oder schreibt sie nieder, zu lesen unter anderem im Guide der Werbeplanung, im Marketing Magazin Update und hier auf mobile zeitgeist. Aus Amerika hat Aleksandra aber nicht nur spannende Geschichten, sondern auch den Gedanken des Netzwerkens und Wissensaustausches mit nach Hause gebracht und gemeinsam mit fünf Gleichgesinnten den  “MobileMonday Austria” ins Leben gerufen. Aleksandra gestaltet die Branche in Österreich aktiv mit und engagiert sich daher im Vorstand der “Mobile Marketing Association Austria” (MMAA). Seit Oktober 2009 ist Aleksandra bei IQ mobile für die Entwicklung osteuropäischer Märkte verantwortlich.

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7 Kommentare

  1. ich habe für zwei große Mobile Marketing Agenturen gearbeitet und weiss, dass die Messbarkeit mindestens so gut ist wie in jeder ordinären Onlinekampagne, in der Regel ist sie besser. Tatsache ist auch, dass die großen Agenturen nicht überleben könnten, wenn sie die (Miss-)erfolgsquoten ihrer Kampagnen bekannt geben würden. Für eine interaktive Kampagne, die crossmedial beworben wird (massiv TV und Print), liegen die reinen Kosten für die Erstellung der Kampagne – je nach Komplexität – bei 30-150,- €/Teilnehmer (wir haben auch durchaus schon schlechter gelegen!), die Mediabuchung nicht mitgerechnet. Das kann man guten Gewissens nur Konzernen anbieten, die als Pioniere in die neuen Werbemärkte reinmüssen. Auch in diesen Läden kann man aber Taschenrechner bedienen und weiss, dass der Weg vom Teilnehmer zum echten Lead noch weit ist. Also behaupten (zumindest die großen) Agenturen einfach, sie hätten die Infos nicht. That´s it!

  2. Danke für deinen Kommentar, es ist wirklich gut mal jemanden von der Agenturseite ein so ehrliches Statement abgeben zu hören. Das bestätigt mich nur darin, dass das Thema Messbarkeit absolut überbewertet wird.
    Du hast recht, nur weil jemand in einer Kampagne mitmacht heisst es noch lange nicht das er zum Lead wird. In der Regel sind mobile Kampagnen im Moment eher darauf ausgelegt Loyalität und Brand Awareness zu schaffen als direkt nachvollziehbare Leads zu generieren. Ich stell hier mal zwei Behauptungen in den Raum: Das Thema Messbarkeit wird wohl aus zwei Gründen überbewertet. Zum einen gibt es wohl im Moment noch zu wenig sinnvolle mobile Services die tatsächlich ein Problem lösen. Services, die wie eine Bombe einschlagen, tatsächlich gewollt und von vielen Menschen genutzt werden und folglich eine Masse von Leuten ansprechen. Aus einem Mangel smarter gut genutzter Services, ergibt sich logischerweise auch ein Mangel an qualitativ hochwertiger Werbefläche. Das ist das eine. Und zum anderen behaupte ich mal frech mobile Kampagnen werden im Allgmeinen wohl noch nicht gut genug konzipiert oder umgesetzt, sonst würden wohl die Zahlen derer die daran Teilnehmen nicht so zu wünschen übrig lassen. Die Branche schafft es im Moment nicht wirklich sich in den Endbenutzer hineinzudenken.

  3. Nachdem du schon in zwei grossen mobilen Agenturen gearbeitet hast: Kannst Du an ein Beispiel einer besonders guten mobilen Kampagne denken die entweder wirklich hohe Mitmachraten vorweisen oder sogar direkt die Brücke schlagen und nachweislich Leads generieren konnte?

  4. Ich bin zwar nicht angesprochen, kann aber mit einem guten Beispiel aushelfen.

    Während meiner Zeit bei einem englischen mobile Payment & Analytics Dienstleister habe ich viele Kampagnen in allen möglichen Medien verfolgen dürfen. Die beste(?) und erfolgreichste fand zur WM2006 statt.

    Eine große Tageszeitung der Yellow Press hat Ihre User auf der Titelseite aufgefordert das britische Team zu unterstützen. Es war der Tag des Spiels England vs Schweden. Dabei konnte der User ein Wallpaper vom British Bulldog und eine Melodie herunterladen. Kostenpflichtig wohlgemerkt.

    Das Ergebnis am Ende des Tages war ein hoher sechsstelliger Pfundbetrag! Ich denke das Ergebnis spricht für sich!

    Aber davon mal abgesehen – auch ansonsten war die Zeitung sehr erfolgreich mit ihren mobilen Kampagnen.

    An sich sind uns die Briten im mobile Biz Lichtjahre voraus!

  5. Sehr interessant, aber sind „Kostenpflichtige Wallpapers“ mobiles Marketing??? Ich denke eher nicht.Beim Mobile Marketing sehe ich derzeit zwei Probleme: a.) Das mobile Internet ( also die mobile Datendienste) ist immer noch kein Massenmarkt – solange das nicht passiert ist, wird es da auch keine großen Nutzerzahlen geben b.) Wer glaubt dass Mobile Marketing aus Bannern auf dem Handybildschirm besteht, der liegt sicher falsch. ich glaube die „wahren“ Formen erfolgreichen mobile Marketings sind noch gar nicht entdecktrnrnEs gibt aber auch Erfolge – wenn der gebotene Inhalt/Dienst etc. für den Kunden mobil relevant ist. Leider gibt es da nicht allzuviele Beispiele – zuviele Dinge werden für den Auftraggeber aber nicht für den Kunden entwickelt…Grundsätzlich stimme ich aber der Autorin des Hauptartikels zu…“

  6. Ich denke da kann man unterschiedlicher Ansicht sein:

    „Mobile Marketing ist die Umschreibung von Marketingmaßnahmen unter Verwendung drahtloser Telekommunikation und mobiler Endgeräte mit dem Ziel, Konsumenten möglichst direkt zu erreichen und zu einem bestimmten Verhalten zu führen.
    Mobile Marketing bezeichnet jede Art von kommunikativ geschäftlichen Aktivitäten, bei der die Anbieter Leistungen auf der Basis mobiler Endgeräte wie digitale Inhalte (Spiele, Songs, Videos usw.), Informationen (News, Alerts, Produktinformationen) und/oder Transaktionen wie Shopping, Videostreaming, Zahlungen usw. aufbaut und damit bei potentiellen Konsumenten Aufmerksamkeit erregt und im Idealfall zu Verkaufsabschlüssen führt.“

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mobile_Marketing

  7. Wolfram, ich sehe es ähnlich, vorallem unterliegen grad sehr viele dem Irrglauben dass man „old school“ Marketing 1:1 ins mobile transferieren kann ohne a.) die spezielllen Eigenschaften des Mediums und b.) die veränderten Bedürfnisse der User zu beachten die ein mobiles Endgerät verwenden. Ein gutesBsp. ist für mich hier das thema search: Ja, vor einem PC kann ich mir sehr wohl 15 google links anklicken, wenn ich allerdings etwas mobile suche muss die info ganz anders aufbereitet daherkommen damit sie für mich wirklich sinnvoll ist. Und hier ist die Challenge.
    Für mich ist mobile marketing nicht nur eine Bannerschaltung, sondern viel mehr die Interaktion mit dem Zielpublikum auf dem mobilen Endgerät, was nun vieles sein kann: Beispielsweise auch SMS Kampagnen, QR Code Kampagnen, auch das ausliefern von Content zählt dazu etc…

    Mobile Marketing Interkation kann m.M nach zwei Ziele haben:

    a.) Steigerung von Kunden und Brand Loyalität, Interkation mit dem Zielpublikum um CRM Daten zu sammeln und den Werbemix zielgenauer zu gestalten. (SendeWIN und gewinne einen BMW!)
    b.) Oder aber das direkte generieren von Leads, Sales und Umsatz durch zb. verkaufen von Content.

    Das sind für mich die grossen Stossrichtungen nach denen sich mobile marketing kampagnen ausrichten

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