Kurzer Gedanke zum Thema „Game-Streaming“

gaming astronaut klein
Astronaut, der im Weltall schwebend auf seinem Handy spielt

Man liest in letzter Zeit ja öfters vom Gaming der Zukunft über Streamingverfahren (z.B. hier, hier und etwas früher auch schon hier), bei dem das eigentliche Spiel – vereinfacht erklärt – auf einem Server läuft und lediglich die gerenderten Bilddaten auf die Endgeräte (auch Handys) gestreamt werden, dort die Interaktion abfragt und diese Werte zurückschickt, um darauf basierend erneut ein Screenupdate zu rendern und übers Netzwerk zu streamen etc.

In einem ähnlichen Verfahren hat Fishlabs vergangene Woche auf der IEEE International Conference on Communications in Dresden demonstriert, wie zwei Handygamer gegeneinander das 3D-Spiel „Powerboat Challenge“ gespielt haben. Das Besondere daran war, dass sich der eine Spieler direkt vor Ort in Dresden befand, sein Gegner allerdings in Ottawa. Möglich wurde dies Ereignis über eine Highspeed-Verbindung zweier LTE-Netzwerke, dem Mobilfunkstandard der nahen Zukunft. Darüber wurden zwischen beiden Endgeräten nicht nur die Positionsdaten ausgetauscht, sondern auch die wesentlich umfangreicheren Werte der Physikengine, um z. B. die Echtzeitkollisionsabfrage schneller zu bewerkstelligen.

Die Fragen, die sich mir hier stellen: Muss ein Mobilfunknetz mit Spieldaten belastet werden? Ist der Markt überhaupt dafür offen, dass man in qualitativ hochwertigen Handyspielen gegeneinander antritt? Oder werden die Spiele, die es wirklich wert sind, dass man über eine Netzwerkverbindung gegeneinander antritt, nicht vielmehr auf Konsolen oder Desktoprechnern gespielt?

Die Demonstration von Fishlabs war sicherlich beeindruckend und so sehr ich solche Aktionen kritisch betrachte, hege ich auch Bewunderung, schließlich war es eine technische Demonstration auf modernstem Stand.

Und vielleicht sollte man das Ganze auch mehr aus wissenschaftlich-philosophischer Sicht betrachten. Wie in dem Film „The Dish“, in dem eine Frau während des ersten bemannten Fluges zum Mond einen der verantwortlichen Wissenschaftler fragt, warum es man überhaupt zum Mond fliegt, und der Wissenschaftler einfach darauf antwortet „Weil wir es können“.
Dem Raumfahrtprogramm verdanken wir in Folge Spin-Off-Erfindungen wie Solarzellen, Spezialschaummartratzen, Messgeräte für den Augen-Innendruck, UV-Schutzbrillen, Rauchmelder, Golfball, Akkubohrer, Quarzarmbanduhren…

Vielleicht fällt neben dem Entertainment eines Tages auch eine „sinnvolle“ Erfindung für die Menschheit ab, sei es, dass Notärzte z. B. über Ihr Handy live erste Untersuchungen bis zum Erscheinen am Unfallort tätigen können oder ein PC mobil gesteuert und gewartet werden kann?

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Über Patrick Voelcker 286 Artikel
Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]

1 Kommentar

  1. „Vielleicht fällt neben dem Entertainment eines Tages auch eine „sinnvolle“ Erfindung für die Menschheit ab, sei es, dass Notärzte z. B. über Ihr Handy live erste Untersuchungen bis zum Erscheinen am Unfallort tätigen können oder ein PC mobil gesteuert und gewartet werden kann?“

    Hoffen wir das mal. Ansonsten sage ich dazu: Braucht kein Mensch…

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