Ist Österreich zu klein für Mobile Marketing?

mobile zeitgeist

Vom wichtigsten österreichischen online Werbepreis und der Frage, ob Österreich für Mobile Marketing denn nicht eigentlich viel zu klein sei

Am 28.5 fand in Wien die alljährliche Verleihung des Web Ads statt, der bedeutendste österreichische Preis in Sachen Online Werbung.

Das besondere dieses Jahr: Erstmals wurde auch die Kategorie „Mobile Marketing Kampagne“ vom IAB (Internet Advertising Bureau) prämiert:

Prämiert werden herausragende Mobile-Lösungen, die innovativ und auf die strategischen Ziele des Produktes/Services ausgerichtet sind. Die „Mobile Marketing Kampagne“ erfüllt klar umrissene und zielgruppenadäquate Kommunikationsaufgaben.
Z.B. Interaktionsidee, Anzahl von Downloads, Anmeldungen für Newsletter/Event/Gewinnspiel, Reach in der Zielgruppe, Steigerung von Brand- und/oder Saleswerten. Neben Kreativität und Innovation wird auf die Rolle des Handys als Marketing-Kanal besonders Wert gelegt.

And the winners are…

Im Rahmen der Euro 2008 wurde das Projekt „Nike Football Mobile Channel“ von Mindshare und Laola1.at  abgewickelt und nun mit dem mobilen Sonderpreis gekürt. Ausserdem erhielt der SCA Tempo Hay Fever Pollenservice von Isobar & Tunnel23.com einen weiteren Preis. Die Idee ist nicht wirklich neu und sehr simpel: Man registriert sich einmal auf der Webseite  und schon erhält man SMS Pollenwarnmeldungen für seine Region. Man sieht: Auch damit kann man noch Preise gewinnen ;-) Doch auch wenn die mobilen Kampagnen nicht sehr innovativ oder komplex waren, eins waren sie: Wenigstens präsent! Es wurde ein postives Zeichen gesetzt, denn das Thema Mobile Marketing wird sonst hierzulande von der Medien und Agenturwelt nach wie vor eher stiefmütterlichen behandelt.

Mobile Marketer: Hört endlich auf von Anfängen zu sprechen!

Stiefmütterlich wird es vielleicht auch deshalb noch behandelt, weil es für Medien und Vermarkter noch zu wenige Fortschritte macht. Thomas Loser, New Media Experte und Kritiker des Mobile Marketings als Channel hat auf seinem Blog scharfe Töne parat:

In kaum einer digitalen Mediengattung bekommt man als außenstehender Insider so oft zu hören, man sei erst am Anfang, wie im Mobile Marketing. Die junge Werbedisziplin nimmt mittlerweile mehrere Jahre für sich in Anspruch am Anfang zu stehen.

Das „zarte Pflänzlein“ Mobile Marketing soll nicht im Keim erstickt werden. Ich freue mich wenn der Markt Blüten treibt. Die Vertreter dieser Spezies sollten aber aufhören von Anfängen zu sprechen. Irgendwann muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass Spielformen im Markt einfach nicht funktionieren und sie deshalb nicht vorkommen. Der österreichische Markt ist ohnehin zu klein, um jeden Firlefanz der aus einem großen Markt kommt auf Bonsai-Größe zu schrumpfen um ihn ökonomisch markttauglich und tragfähig zu machen.

Und Loser weiter:

Mobile Marketing oder Mobile Advertising steht in keinem Marketingmix an erster Stelle. Für die Werbung am Handy sind selbst in besten Zeiten bestenfalls Kleinstbudgets übrig.

Das hat zur Folge, dass für Mobile Advertising, also die Platzierung von Werbemitteln in mobilen Portalen Reichweiten-Preise verlangt werden müssen, die jetzt schon fast niemand bereit ist zu zahlen und 2009 wahrscheinlich erst recht nicht. Selbst für einen Kontakt in eine hochqualifizierte Zielgruppe ist ein Tausender-Kontakt-Preis von 100 Eurowerbungtreibenden Unternehmen, die mobile Werbung „testen“ wollen, zu viel. Und die Mediaagenturen planen und buchen zu einem solchen Preis erst recht nicht.

So wahr der Kern dieser Statements sein mag, so wenig gern will ich glauben, dass es derart schlimm um uns bestellt ist. Deshalb habe ich zu einer Diskussion eingeladen und eine bunte Runde aus österreichischen Agenturen (Draft FCBi, Isobar-Aegis Media, diamond:dogs) und Mobile Marketern (Out There Media, YOC AG) gefragt: Wo stehen wir denn wirklich mit Mobile, insbesondere Mobile Advertising, hier in Österreich? Ist das Land dafür wirklich zu klein? Das Resultat der Diskussion gibt Hoffnung, denn offenbar war es mit Online damals auch nicht anders. Nur haben wir leider aufgehört uns an die harten Online Tage zu erinnern:-) Und das ein oder andere Learning aus der Online Advertising Geschichte lässt sich ganz sicher auch auf Mobile anwenden. Ganz neu muss das Rad also zum Glück nicht erfunden werden. Die ganze Diskussion kann man im Werbeplanungs Guide 2009 bzw. hier nachlesen.

Über die Autorin: Aleksandra Schmid ist Mobile Marketer und hat in den letzten Jahren zahlreichen Marken geholfen ihre ersten und auch zweiten mobilen Marketingschritte zu tun. Ihre Einblicke und Erfahrungen teilt sie gerne bei Vorträgen oder schreibt sie nieder, zu lesen unter anderem im Guide der Werbeplanung, im Marketing Magazin Update und hier auf mobile zeitgeist. Aus Amerika hat Aleksandra aber nicht nur spannende Geschichten, sondern auch den Gedanken des Netzwerkens und Wissensaustausches mit nach Hause gebracht und gemeinsam mit fünf Gleichgesinnten den  “MobileMonday Austria” ins Leben gerufen. Aleksandra gestaltet die Branche in Österreich aktiv mit und engagiert sich daher im Vorstand der “Mobile Marketing Association Austria” (MMAA). Seit Oktober 2009 ist Aleksandra bei IQ mobile für die Entwicklung osteuropäischer Märkte verantwortlich.

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