iSPD – Der Wahlkampf erreicht den iTunes Appstore

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Nachdem bei den Parteien schon lange fleißig getwittert, gefacebookt, geflickrt und gegruschelt wird, kann man sich nun auch im iTunes Appstore die erste politisch motivierte Applikation herunterladen. Frei nach dem Apple-Claim „Es gibt für alles eine App“, hat die Bundes-SPD über die Agentur A&B Face2Net aus Berlin am 18.Juni 2009 eine iTunes Applikation veröffentlichen lassen (wer die App tatsächlich gebaut hat – ist nicht ersichtlich). Wie man an den Kommentaren und Rezensionen sieht,  ist das digitale Wahlkampfpflaster ein heißes und scheint sehr zu polarisieren. Das mag nicht nur an der Internetsperrdebatte und der Unterstützung der Gesetzesentwürfe von „Zensursula“ durch einige Teile der SPD liegen, sondern auch am Wahlkampf und dem Mißtrauen der „Generation X“ darüber, dass sich auch Parteien in den neuen digitalen Lebenswelten zeigen. Darauf soll hier gar nicht weiter eingegangen werden, ich halte deswegen aber die Bewertungen für die App für zu negativ und auch für „politisch eingefärbt“.

Für die App braucht man mindestens die Version 2.2.1 der iPhone OS und natürlich ein Endgerät, wobei es schade ist, dass man bei einigen Funktionen des 1,4 MB großen Programmes bei der Benutzung eines iPods nicht darauf hingewiesen wird, dass diese nicht funktionieren werden: man kann mit dem iPod weder ein Foto schießen (keine Kamera vorhanden), noch seine „Unterstützerstimme“ aufnehmen (kein Mikrofon eingebaut). Auf der Startseite der „mobilen Wahlkampfzentrale“ sind Newsfeeds hinterlegt und die Untermenüs verlinkt, die Nachrichten teilen sich in die Themen „Alle, SPD, Wahlkampf 09 und Steinmeier“ auf.  Unter „Netzwerke“ sind Twitterfeeds, Flickrfotos und Youtubevideos für die iPhone-Oberfläche optimiert angepasst und eingestellt worden, was gut aussieht – diese lassen aber eine „History-Funktion“ für ältere Inhalte vermissen. Im Menüpunkt „Stimmen“ soll man seinen 30-sekündigen Kommentar aufnehmen und einstellen können, der dann von anderen Usern abgehört werden kann – hier wird zum Aktualisieren der Beiträge die Schüttelfunktion unterstützt und die Sprechblasen der Supporter erscheinen auf dem Screen (Starten konnte ich diese mit dem iPod leider nicht…). Nach dem Benutzen des Buttons „Reporter“ kann man Fotos von sich  aufnehmen und hochladen, die dann höchstwahrscheinlich noch eine „Redaktion“ durchlaufen, damit keine unvorteilhaften Bilder Eingang in die Galerie finden ;-)

Die Ideen und das Layout sind schon ganz gut, an der technischen Umsetzung hapert es leider ein wenig. Ärgerlich ist, dass sich die App beim Aktualisieren von Daten im Hintergrund nicht benutzen lässt. Hektik ist jedenfalls für Softwareprodukte nie gut, auch wenn es darum geht, als „Erster“ Vollzug in der Unterstützung von iPhones vermelden zu können. Aber – man hat zumindest ein politisches Ausrufezeichen gesetzt – „Yes, we can, too!“ Worum es in diesen Bereichen der hippen, neuen Medien oft geht. Mal schauen, ob sich die App in der Zukunft „nachhaltig“ verbessert, denn nachhaltig wollen ja alle sein. Und ob die anderen Parteien mit ähnlichen Produkten folgen werden (ein Piratenspiel für die Piratenpartei?!).

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Über Martin Walter 99 Artikel
Martin Walter war Kreativkonzepter bei der Yoc AG in Berlin und heute bei der Iconmobile GmbH als Senior Manager Mobile Marketing tätig. XING.

1 Kommentar

  1. Wobei es schon ein wenig merkwürdig ist, dass ausgerechnet die Arbeiterpartei seinen mobilen Wahlkampf auf ein Gerät beschränkt dass von der Verbreitung her eher ein Minderheitengerät und vor allem teuer ist. Und offiziell nur den Kunden eines ehemaligen Staatsunternehmens zur Verfügung steht
    Hype vor Inhalt, Hauptzweck dürfte das Marketing sein

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