[Interview] Her mit Euren Fotos! Joindrop ist mehr Photo Getting als Photo Sharing

Joindrop

Kürzlich stieß ich zufällig auf die App Joindrop (für iOS, und bald für Windows/Mac) von Till Haunschild und Marinus Maier. Mein erster Gedanke – als Nicht-Instagram-Nutzerin – war „bitte nicht noch eine Foto-Filter-und-Teil-App“. Aber dann habe ich ein zweites Mal hin geschaut und finde die Idee durchaus charmant.

Wer kennt das nicht? Man ist mit Freunden, Familie oder Kollegen unterwegs, jede/r macht Fotos. Doch im Nachgang kann es wirklich lästig werden, alle Leute zusammen zu bekommen, um am Ende alle Bilder zu haben.

Da wird hin und her gemailt, gemeinsame Ordner auf Plattformen angelegt, auf denen aber nicht alles sind, es treten Fragen auf wie „muss ich mich da jetzt wirklich registrieren“ und letztlich kostet das Ganze viel Zeit und Mühe.

Joindrop will hier Abhilfe schaffen und es diesen Ad-Hoc-Gruppen ermöglichen, in einem definierten Zeitfenster alle Bilder auszutauschen. Bilder werden nach „Erlebnissen“ sortiert und können auf den Server von Joindrop hoch geladen und frei gegeben werden.

Alle, die Bilder beisteuern sollen können aus dem eigenen Adressbuch oder eingeladen werden, auch ihre Bilder hoch zu laden, um sie mit allen anderen zu teilen. Nach sieben Tagen werden die Bilder auf dem Joindrop-Server wieder gelöscht.

Hier das Ganze noch einmal als Video.

http://www.youtube.com/watch?v=_IGfs5fu9Uk

Till Haunschild hat mir zu Joindrop ein paar Fragen beantwortet.

Erzähle doch bitte kurz, wer Ihr seid, wie groß Euer Team ist und welche Gesellschafter bei Euch an Bord sind.

Hi, mein Name ist Till Haunschild und ich arbeite aktuell mit meinem Kollegen Marinus Maier an der ersten „Photo Getting App“: Joindrop. Das Ziel hinter Joindrop: Ordnung im Foto-Chaos zu schaffen und es unseren Usern zu ermöglichen fehlende Fotos zu bekommen.

Neben Marinus und mir ist nur unser Seedinvestor, die Senovo GmbH eine unabhängige Venture Capital Gesellschaft aus München, beteiligt.

Marinus und ich hatten uns bei einem früheren gemeinsamen Startup kennen gelernt und festgestellt, dass wir gemeinsam alle Fähigkeiten abdecken, um eine Idee vom Businessplan bis zum fertigen System umsetzten können. Ich übernehme alles was man sieht (Design, Frontend, App-Entwicklung, Businessplan, …) und Marinus den Rest (Backend, Server, Tracking, Analysen, …).

In der Beschreibung von joindrop schreibt Ihr, dass die Bilder nach sieben Tagen (default) von Eurem Server gelöscht werden. Wo steht Euer Server?

Wir arbeiten aktuell über das Cloud System (AWS), da es einfach die schnellste Möglichkeit bietet ein skalierbares System zu entwickeln. Geplant ist aber im nächsten Schritt auf ein deutsches Rechenzentrum umzuziehen. Die Datenübertragung findet bereits verschlüsselt statt.

Welche Datensicherungsmaßnahmen habt Ihr getroffen?

Der große Unterschied zu allen Konkurrenten (Cluster, Lirdy, Shoto, …): wir sind kein Cloud-Dienst!

Anstatt alle Fotos auf unserem Server zu horten, bleiben diese auf den Geräten der Anwender. Nur beim „sharen“ von Fotos werden diese zwischengespeichert, aber nach spätestens sieben Tagen wieder von unserem Server gelöscht. Falls der Kunde eine Datensicherung oder Archivierung vornehmen will, kann er auf bestehende Lösungen (Dropbox, etc.) zurück greifen.

Ich glaube nicht, dass das Cloud-Geschäft rentabel ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Everpix, das wohl beste Foto-Cloud-Startup der letzten Jahre. Trotz über 12 Porzent zahlender Kunden sind sie im November Pleite gegangen, u.a. weil sie jeden Monat 35.000 Dollar Serverkosten hatten.

Vorteil durch die „No-Cloud-Strategie“:

1. Joindrop funktioniert

  • kostenlos und ohne Registrierung
  • ohne, dass man alle seine Fotos irgendwo hochladen muss
  • mit unbegrenzt vielen Fotos in super Qualität

2. Wir sind flexibel und können beliebige Cloud-Dineste (Dropbox, -Drive, etc.) bei uns integrieren, ohne uns selbst das Geschäft kaputt zu machen.

3. Wir sind extrem kosten-effizient und können so unseren Dienst kostenlos und ohne Werbung anbieten.

Wenn sieben Tage die Voreinstellung ist, kann der Nutzer das ändern (sofortiges Löschen, schnelleres Löschen, späteres Löschen)?

Der User kann natürlich jederzeit (auch vorzeitig) die Fotos wieder von unserem Server löschen.

Durch viele User-Tests sind wir auf die sieben Tage gekommen. Läuft der Fotoaustausch kürzer schaffen es nicht alle, die Fotos rechtzeitig zu speichern, läuft er länger schieben viele das Mitmachen vor sich her und vergessen es dann. Sollten sieben Tage wirklich zu kurz sein, kann man jederzeit die Fotos erneut „freigeben“.

Euer Service und auch die sind für die Nutzer kostenfrei. Was ist Euer Geschäftsmodell?

Wir werden bald Fotobücher verkaufen, die mit wenigen Klicks bestellt werden können. Vergleichbar mit heymosaic.com, die in den USA sehr erfolgreich sind.

Zusätzlich sprechen wir aktuell im Bereich mit einigen Unternehmen / Vereinen, die Joindrop z.B. auf ihren Veranstaltungen einsetzen wollen.

Welche Pläne habt Ihr für die Zukunft von joindrop? Wen oder was braucht/sucht Ihr?

Aktuell geht es vor allem darum, Nutzer zu gewinnen. Falls jemand also eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit sieht (z.B. im Eventbereich), einfach melden.

Zudem sind wir aktuell auf der Suche nach neuen Investoren für unsere zweiter Finanzierungsrunde. Ansonsten freuen wir uns immer über Feedback und Verbesserungsvorschläge!

Wenn Du noch Dinge hast, die Du gern erzählen möchtet, dann immer raus damit.

Ich bin immer offen für regen Austausch mit anderen Gründern oder Leuten die gerne selbst etwas umsetzten wollen. Falls jemand Lust & Zeit hat, kann er gerne bei uns in München vorbeikommen. Einfach vorher kurz Bescheid geben.

Vielen Dank für das , Till!

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Über Heike Scholz 420 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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