Interview: Fabien Röhlinger von AndroidPIT

mobile zeitgeist

Auf dem ersten MobileMonday Developer Day (M2D2) in Düsseldorf traf ich Fabien Röhlinger von AndroidPIT (@androidpit) und wir hatten wirklich einen sehr spannendes Gespräch zu den derzeitigen und zukünftigen Entwicklungen rund um Android, andere Plattformen, Developer, App-Vermarktung und noch einige Themen. Im Nachgang dazu hier ein kleines Interview mit Fabien.

Am 17. Mai 2010 findet übrigens in München der zweite M2D2 diesmal zum iPhone OS statt.

1. Fabien, erzähl doch bitte ein wenig über Dich.

Wo fängt man da am Besten an? Ich bin 34 Jahre, lebe in Berlin und bin eigentlich schon immer Unternehmer gewesen. Sven, mein Geschäftspartner und ich, arbeiten bereits seit bald 12 Jahren zusammen und haben immer wieder im Internetbereich Unternehmen gegründet – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

2. Was ist AndroidPit und wie seid Ihr darauf gekommen? Wie viele Leute gehören zu Eurem Team?

AndroidPIT ist die größte deutschsprachige Android Community. Wir haben aber seit knapp einem Monat auch einen englischsprachigen Ableger. Beide Seiten entwickeln sich rasant.

Bei AndroidPIT finden Endanwender alles rund um das Thema Android. Es gibt andere Nutzer, mit denen man in Kontakt treten kann, man kann nach allen Apps aus dem Google Market suchen und wir haben ein sehr aktives Forum.

Unser Fokus liegt aber vor allem auf den Apps! Wir testen täglich mindestens eine App und schreiben darüber einen recht umfangreichen Testbericht. Das hilft nicht nur unseren Lesern dabei neue, spannende Programme zu finden, sondern ist sicherlich auch ein gutes Entscheidungskriterium ob man sich so manche App kaufen soll.

Derzeit spielt der Faktor „Kaufentscheidung“ sicherlich noch keine so große Rolle. Der Google Market hinkt dem App Store nicht nur in der Anzahl der Apps hinterher, sondern auch bei den Abverkäufen. Das wird sich aber wohl noch in diesem Jahr ändern, wenn immer mehr Endgeräte und weitere Zahlungsmöglichkeiten hinzukommen.

Die Idee zu AndroidPIT hatte Andreas Gauger. Andreas ist ein ehemaliger Vorstand der 1&1 Internet AG. Achim Weiss, auch ein ehemaliger Vorstand bei 1&1, und Andreas haben mich im März vergangenen Jahres gefragt, ob ich Lust auf dieses Thema hätte. Ich war fest davon überzeugt, dass Android sehr bald „brandheiß“ werden würde und dass man mit einem guten Blog bald eine ordentliche Reichweite aufbauen würde. Sven kam dann im September mit an Bord. Seither bauen Sven und ich operativ die Seite auf.

Wir haben offen gestanden nicht damit gerechnet, dass wir uns so explosiv entwickeln würden. Mittlerweile haben unsere beiden Webseiten über 250.000 Unique Visitors – und wir wachsen rasant weiter. Content ist dabei natürlich absolut entscheidend für den Erfolg. Wir kennen weltweit keine weitere Android Seite, die einen ähnlich hohen Aufwand wie wir betreiben. Es freut uns von daher umso mehr, dass sich unsere Mühen lohnen.

3. Wie viele Autoren schreiben bei Euch? Sind das feste Mitarbeiter oder freie Redakteure?

Es gibt nur zwei feste Mitarbeiter: Sven und mich! Teil des AndroidPIT-Konzepts ist, dass theoretisch jeder an unserem Blog mitschreiben kann. Natürlich muss hier dann ganz besonders auf die Qualität geachtet werden. In der Regel funktioniert das auch ganz gut. Wir haben aber kürzlich noch ein System eingebaut, um die Qualität der Blogbeiträge weiter zu erhöhen. Es müssen, bevor ein Artikel online geht, ein Teil der freiwillig arbeitenden Moderatoren zustimmen.

Außerdem bezahlen wir für veröffentlichte Testberichte ein Honorar von 50 Euro, sofern ein Tester sich bei uns zuvor beworben hat.

Für die englische Seite haben wir drei englische Muttersprachler, die sich um die Übersetzungen der Testberichte kümmern. Die müssen wir natürlich auch bezahlen.

Wir haben also schon eine Menge Zeit, aber auch Geld in AndroidPIT investiert.

4. Wie nehmt Ihr die Bewertungen bei Euren App-Reviews vor?

Apps werden bei AndroidPIT nach einem festen Schema getestet. Es gibt die Bereich a) Funktionen und Nutzen, b) Bildschirm und Bedienung, c) Speed und d) Kosten, die wir uns bei jedem Programm ansehen.

Wir haben ein festes Bewertungskonzept erarbeitet, nachdem wir bei jedem Testbericht streng vorgehen. So wollen wir eine gewisse Konsistenz und Objektivität sicherstellen.

Das ist bei Testberichten und bei Blogs natürlich nicht ganz so einfach. In gewisser Weise ist ein Testbericht immer subjektiv. Lässt man ein 3D-Spiel von zwei unterschiedlichen Personen – zum Beispiel einen Gaming-affinen und einen -nicht affinen – testen, werden auch zwei verschiedene Ergebnisse dabei herauskommen. Die Bewertungsrichtlinien helfen aber dabei diese Schere, die dabei entsteht, zu verkleinern.

Pro Kategorie vergeben wir bis zu maximal 5 Sternen. Eine Wertung mit 5 Sternen bedeutet bei uns, dass es absolut herausragend ist. Man kann immer wieder mal lesen bzw. hören, dass einige User sich darüber wundern warum eine kostenlose App nicht immer fünf Sterne bekommt. Das liegt daran, dass es natürlich toll ist, wenn eine App nichts kostet. Es ist aber doch ein Unterschied, ob man eine App verschenkt, an der ein Entwickler einen Tag gesessen hat und zum Beispiel vom Nutzen her nicht so viel zu bieten hat, oder ob jemand beispielsweise ein komplettes Navigationssystem kostenlos zur Verfügung stellt. Würden wir grundsätzlich 5 Sterne für kostenlose Apps vergeben, würde der Entwickler des Navigationssystems zu schlecht wegkommen.

Entsprechend haben wir für jede Kategorie ähnliche Richtlinien festgelegt.

5. Womit verdient Ihr Geld? Wie monetarisiert Ihr AndroidPit? Können Developer sich Reviews kaufen?

Noch verdienen wir zu wenig Geld. Wir hoffen aber, dass wir diesen Umstand bald ändern können.

Wir wollen natürlich zum Einen über Werbung Geld verdienen und denken, dass Hardware- und Zubehörhersteller, aber auch Telcos AndroidPIT an sich lieben müssten. Wir verzichten aber ganz bewusst auf viel Werbung und bieten den einen Werbeplatz exklusiv für einen Monate einem Partner an.

Zudem haben wir einen Werbeplatz extra für App-Entwickler eingebaut, der von ebendiesen für ein überschaubares Budget gebucht werden kann. Entwickler von Apps haben das große Problem, dass sie nur sehr schwer Marketing betreiben können. Wir wollen hier eben ganz bewusst ein entsprechendes Produkt für diese Gruppe anbieten.

Entwickler können in der Tat auch einen Testbericht bei AndroidPIT gegen Geld anfordern. Allerdings kaufen diese dabei nur den Testbericht, nicht das Ergebnis!! Das wird oft von vielen falsch verstanden. Es ist nämlich schon durchaus vorgekommen, dass jemand einen Bericht geordert hat und dann über das Bewertungsergebnis enttäuscht war. Wir bleiben hier zu jeder Zeit kritisch! Alles Andere wäre für uns als Blog auch nicht tragbar und würde uns schaden. Im übrigen nehmen wir für einen Testbericht nur unsere Selbstkosten. Wir bieten diese Möglichkeit auch nur an, damit auch hier Entwickler die Möglichkeit bekommen ihre App bekannter zu machen, und dann vielleicht Lust bekommen auch einen Werbeplatz zu buchen.

Wir arbeiten derzeit an einigen weiteren Monetarisierungsmöglichkeiten, über die ich allerdings noch nicht reden kann. Wir werden uns aber weiter auf die Entwickler konzentrieren. Es gibt wohl kaum einen besseren Platz wo man Android-App-Nutzer und Android-Entwickler zusammenbringen kann als bei AndroidPIT.

Danke, Fabien!

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Über Heike Scholz 3402 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

8 Kommentare

  1. Gutes Interview, das:

    „Wir kennen weltweit keine weitere Android Seite, die einen ähnlich hohen Aufwand wie wir betreiben.“

    würde ich aber anders sehen.

  2. Johannes, das sollte nicht abwertend gemeint sein. Es gibt einige absolut tolle Android-Seiten, wie phandroid oder androidcentral. Ich meinte es vor allem im Bezug auf das Thema „Apps“.

    Viele Grüße,
    Fabien

  3. „mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.“

    Wenn es DIESER Fabien Röhlinger hier ist bin ich aber gespannt ob und was dabei herauskommt! Seine letzte Firma „Bailamo“ zählt wohl auch eher zu denen mit „weniger Erfolg“ nachdem deren Angebot jetzt mit einem Schlag und ohne Ankündigung abgeschaltet wurde! Wäre doch mal interessant hier zu lesen welche seiner vielen Internetfirmen (oder sollen wir lieber Internetleichen sagen?!) von ihm denn dann als mit „mehr Erfolg“ gesegnet bezeichnet werden anstatt die Aussagen ungeprüft zu veröffentlichen…

    http://www.computerwoche.de/heftarchiv/2001/15/

  4. Sven, nur zur Info: ich bin seit über einem Jahr nicht mehr für Bailamo tätig und habe mit dieser Firma nichts zu tun. Man muss sich doch fragen, warum man hier so etwas aufführt. Selbst wenn AndroidPIT nichts werden sollte, nimmt doch keiner Schaden daran, außer denjenigen, die das Geld reingesteckt haben – also wir selber! Warum also dann diese Äußerungen?

    Man muss annehmen, dass Du Anderen entweder Erfolg nicht gönnst oder mir persönlich schaden willst. Oder gibt es einen echten journalistischen Grund dafür? Wohl nicht, sonst hättest Du sicher auch die Erfolgsgeschichten gefunden.

    Was genau willst Du mit dem Computerwoche-Artikel ausdrücken? Ist mir nicht ganz klar… Ach doch, jetzt fällt es mir ein: einfach nur schlecht reden… ;-)

  5. Fabien: Na man muss ja als Kommentator keinen journalistischen Grund haben. Sonst machen Leserbriefe ja auch keinen Sinn. Der Artikel ist aber schon alt das haben wir nicht gesehen. Aber gut kommst du in dem Artikel ja nicht davon und kann es sein daß da was persönliches zwischen dem Autor und dir war?
    Wir haben mit Studienfreunden versucht deine Erfolgsgeschichten zu finden und ausser Interviews von dir zu Bailamo nichts gefunden und das wurde halt einfach so abgeschaltet aber daß du damit schon lange nichts mehr zu tun hast wussten wir natürlich nicht und daher dickes sorry wenn das so bei dir ankam!

    Aber die Erfolgsgeschichten bist du uns doch trotzdem noch schuldig geblieben weil wie schon gesagt finden wir sie nicht. Und das ist nicht böse gemeint sondern eben aus Interesse! Sonst kann ja jeder kommen und sagen daß er mal erfolgreich im Internet war und das will doch keiner ;-)

    Und dein Androidpit haben wir angeschaut und ein Kumpel meinte daß er da oft nachkuckt weil er auch so ein Handy hat. Also super mal dazu!

    • @Sven: wir hatten sowohl ein Call Center, das zu Spitzenzeiten über 100 Mitarbeiter beschäftigt hat, als auch die W+R, die mit 1,5 Millionen Usern (SMS-Manager) zu den größten SMS-Tools im deutschsprachigen Raum gehörten.

      Der Autor war alles Andere als objektiv! Es war ein LEITENDER Angestellter dieser Firma, bei der ich wohlgemerkt „nur“ Aufsichtsrat war. Ich war also in keiner Managementposition. Dieser Artikel ist an sich ein echtes Armutszeugnis für den Autor. Damals war es mir egal – ich war jung! :-)

      Was mir bei Deinem ersten Kommentar missfallen hat, ist, dass Du nicht mal versucht hast objektiv zu bleiben. Schwamm drüber… :)

      @John: das sehe ich ganz genauso! Sie sterben aus, die Deutschen, die Ausrutscher als Verfehlen werten. Aber leider gibt es noch genügend davon.

      Was viele Menschen, die eine „Pleite“ als Scheitern bewerten: zum Laufen lernen gehört das Hinfallen. Und das Wiederaufstehen! Das hatte uns das Valley immer voraus. Hierzulande setzt sich dieses Denken aber auch immer mehr durch.

      Gott sei Dank!

  6. Ich selbst bin fast täglich bei Androidpit und bin froh, dass es die Tests gibt. Ich versorge so mein Milestone mit Apps, die es auch wert sind zu laden.

    @ Sven

    Du gehörst für mich ganz klar zu den meckernden Deutschen, von denen ich eigentlich dachte sie wären ausgestorben. Unternehmensgründer wie Fabien geben Leuten Arbeitsplätze und sorgen dafür, dass wir als Innovationsland weiterhin unsere Stellung halten können. Mut, Fleiß und harte Arbeit gehören dazu. Da ist es nicht zu verübeln, wenn es nicht beim ersten Versuch klappt. Aber hier merkt man auch deine Naivität diesbezüglich. Du gehörst sicher nicht zu dieser Gruppe von Leuten, die mit wirklich harter Arbeit ihr Geld verdienen wollen. Und noch eins sollte zu deinem sogenannten „Leserkommentar“ führen… die Anonymität des Internets.

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