Ingenieur oder Marketing: Wer ist Schuld?

mobile marketing guide

Warum zündet eigentlich das Mobile Business nicht so richtig? Haben wir nicht die richtigen Applikationen? Wollen die Leute wirklich nur telefonieren, wie es die ein oder andere Studie meint, herausgefunden zu haben? Liegt es nur an den hohen Vebindungsentgelten? Oder doch an der Mentalität?

Michael Mace hat bereits vor eingen Tagen dazu geschrieben:

Most of our companies tend to focus on building what I call “how” products. That means products that focus on enabling technologies to let people do a wide range of tasks. For example, building a web browser and a WiFi connection into a product that doesn’t currently have them is a classic “how” move, because it enables the user to potentially do a lot of different interesting things.[..]

The problem with the “how” approach is that normal people don’t think this way. They are much more focused on “what,” as in “What does the product do for me?” Because they don’t understand technology at a deep level, they can’t see the possibilities created by a great enabling technology. And even if they could see the possibilities, they don’t have the skills necessary to adapt it to their needs. Even an (allegedly) simple act like pairing a wireless device to an unfamiliar WiFi router can be enough to give a typical user hives.

In competitive situations, “how” products usually lose to “whats”..

Ich stimmt dem zu. Wir haben viel zu viele „Spielzeuge“, die von Technikern und Ingenieuren entwickelt wurden, die sich nicht immer durch ihre Markt- und Nutzernähe auszeichnen. Zeit für ein wenig Ingenieurs-Bashing? Daniel Taylor hat in seinem Mobile Enterprise Weblog schon einmal damit angefangen.

1) When an engineer tells you that something cannot be done, you’ll spend the next week trying to figure out whether the limitation is the technology or if the engineer is telling you that they just don’t want to do the thing you’re asking. Most of the time, it’s the second objection and not the first.

2) When an engineer tells you that something can be done, it will most likely be confusing and difficult to use. Think of programming a telephone using DTMF: the PBX is the ultimate engineer-designed product filled with services and features that less than 1% of users even know about and only 0.1% know how to access.

Eine Antwort kam prompt von C. Enrique Ortiz:

Gheez.. Dan, the reason we engineers expect the user to be educated, is because marketing is supposed to be educating them, communicating with them.. Marketing is defined as „to make a communication about a product or service a purpose of which is to encourage recipients of the communication to purchase or use the product or service.“

The ironic thing is that 1) Dan’s words can be said verbatim of many analysts and marketers, and 2) his frustrations are actually related to marketing, and not engineering..

The question Dan should be asking is „why isn’t marketing doing their job in the first place?“..

Wer ist denn nun Schuld? Die Ingenieure, die immer wieder Produkte an Markt und Nutzer vorbei entwickeln und dann von Marketing und Vertrieb erwarten, das Zeug in den Markt zu pressen? Oder verstehen die Marketers einfach nur ihren Job nicht? Muß man dem dummen Nutzer nur erklären, warum etwas toll ist und dann wird er es schon kaufen? Egal ob er es braucht oder nicht? Ist der Nutzer wirklich so damlich unwissend – jetzt aber – unerfahren, dass er von selbsternannten Fachleuten erst den Nutzen des Produkts erklärt bekommen muß, weil er ihn selbst nicht erkennt? Oder doch nur alles eine Frage der Zeit, bis wir den Durchbruch so wichtiger Anwendungen auf Mobiletelefonen erleben werden, wie

Harleysound für’s Fahrrad
Körperfettmessung mit dem Handy
Wellnesstagebüchern
Handys mit integrierter Zigarettenschachtel
Anrufe bei meinem Hund oder von meiner Topfpflanze

Nicht falsch verstehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Handy sich zu einem universellen und vor allem vielseitigen Tool entwickeln wird, dass ebensolche vielseitigen Funktionen in unserem täglichen Leben übernehmen wird.

Avatar for Heike Scholz
Über Heike Scholz 3409 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

1 Kommentar

  1. Es gibt glaube ich, nur drei Probleme:
    1. Usability
    2. Usability
    3. Usability

    Entwickler sind Geeks. Und entwickeln Geräte, die sich so benutzen lassen, wie Geeks meinen, dass sie ihren Marketingfuzzis erklären können, wie Endverbraucher ticken.

    Wenn Anzeigen-Copy und Feature-List nur cool genug sind ist alles in Ordnung. Dass am Schluss die Mehrheit der Nutzer das Gerät nur BEDIENEN will (kein Ingenieurstudium absolvieren, keinen Zwei-Jahres-Kurs in Marketing-Denglisch) wird oft vergessen.

    Beispiel: Mein LG-Handy hat zwar eine Kamera – aber keine Funktion, die Bilder auch irgendwo hinzuspeichern – das ist Geek-Denke! („Du kannst es ja per MMS an jemanden schicken, ders dann für dich speichert“)

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*