Google startet Payment per Email

breezi placeit

Im Rahmen der Google i/O Entwicklerkonferenz kündigte Google vorgestern ein Peer-to-Peer Payment  via E-Mail an. So soll es in den USA in den kommenden Monaten möglich sein, direkt aus Google Mail heraus per Email zu bezahlen. Dazu wird die Google Wallet direkt in GMail integriert. Der Bezahlvorgang ist, googletypisch, sehr einfach gelöst und funktioniert ähnlich wie das hinzufügen eines Dateianhangs an eine Mail. Um Geld zu senden oder zu empfangen, ist es nicht notwendig ein Google-Konto zu haben. Auch Nutzer anderer Email-Provider können Zahlungen empfangen oder senden.

Interessant sind die Kosten. Sofern ein normaler Bankaccount dem Google Wallet hinterlegt ist, fallen keine Gebühren zum Senden von Zahlungen an. Nutzer von Kreditkarten zahlen pro Transaktion 2,9% des Betrages. Das empfangen von Geld ist immer kostenlos.

Das Gebührenmodell entspricht weitestgehend dem von PayPal. Hier zahlt man in den USA ebenfalls 2,9% (+0,30 USD) pro Transaktion, sofern der Betrag nicht von einem hinterlegten Bankkonto abgebucht wird und  die Abrechnung über eine Kreditkarte erfolgt. Vorraussetzung ist allerdings ein PayPal-Konto.

Google vs. PayPal?

Google dürfte PayPal zunehmend unangenehm werden, denn auch wenn PayPal weltweit mehr als 230 Millionen Kunden hat, so beeindruckt die Zahl von 435 Millionen aktiven GMail Nutzer. PayPal ist zweifelsohne ein großer und wichtiger Player im Paymentmarkt und sehr gut aufgestellt. Trotzdem zeigt die Ankündigung von Google wie gefährlich andere Player werden können. Denn mit der Integration von Google Wallet direkt in GMail könnte das Paypal-Konto überflüssig werden – zumindest bei Peer-to-Peer Zahlungen.

Aber auch bei PayPals Domäne, dem Micropayment gibt Google Gas. Googles jüngst angekündigte Instant Buy Api ermöglicht Shopbetreiber einen vereinfachten Checkout für Google Nutzer. Das gleiche Versucht PayPal nun ebenfalls mit „Log In with PayPal“.

Nicht nur Google und PayPal wollen in diesen Markt und man kann sich sicher sein, das Amazon nachlegen wird. Und da wäre auch noch Apple, oder Facebook.

Und sonst?
Während es in den USA einige alternativen wie z.B. Dwolla oder Venmo gibt um zwischen Privatpersonen Transaktionen durchzuführen, gibt es in Deutschland leider wenig. Nennenswert ist die Lösung der fidor Bank, die Transaktionen mit Hilfe von fidor pay über Twitter ermöglicht. Dazu braucht man allerdings ein Konto bei fidor.

Interessant auch paymy aus Berlin. paymy ermöglicht es ebenfalls, einfach Geld zu senden und zu empfangen. Ein Account ist auch hier Pflicht, aber schnell angelegt. Im Moment funktioniert payme leider ausschließlich mobil. Hier wäre es wünschenswert auch direkt vom PC aus Geld zu senden. Das ganze ist kostenlos und wird via Lastschrift vom hinterlegten Referenzkonto abgebucht. Theoretisch kann dieser Lastschrift widersprochen werden, was je mach Anwendungsfall ein Vor oder Nachteil sein kann.

by placei (breezi.com)

Es bleibt abzuwarten, welche Dienste in Zukunft noch kommen und wie schlussendlich die Akzeptanz beim Anwender ist. So spannend auch manche Dienste aus den USA erscheinen, es bleibt die Frage wann und ob diese nach Europa kommen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der europäische Zahlungsverkehr in wichtigen Details von dem in den USA unterscheidet.

Die Entwicklungen zeigen aber, dass der klassische Bezahlprozess wie wir Ihn in Deutschland kennen, immer mehr zum Hindernis wird. In jeder Hinsicht. Durch die Einführung von SEPA wird z.B. die beliebte Lastschrift für Händler völlig unattraktiv. Für den Endkunden wird die Überweisung wie man sie heute kennt mit der Einführung der ellenlangen IBAN und BIC auch nicht einfacher. Dazu kommt das ohnehin schon komplizierte Online-Banking mancher Banken. Der Markt für ein einfaches Bezahlen als Ablöse der klassischen Überweisung ist da. Bedient wird dieser (noch) zu wenig.

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Über Maik Klotz 30 Artikel
Maik Klotz ist Head of New Business bei einem der größten Software Anbieter in Deutschland mit Schwerpunkt auf mobile Apps im Bereich Finanzen. Seine Stationen sind vielfältig: Produktmanager, Business Development Manager, Design Strategist und CEO. Maik Klotz ist ein Produktmensch, mit Fokus auf den Anwender.

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