Google Maps mit Latitude: Immer wissen, wo die Freunde sind

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Google Latitude
Google Latitude

Mit der neuen Version von Google Maps 3.0 kommt auch die Funktion „Latitude“, mit der man den eigenen Standort für die Kontakte aus dem eigenen Google-Adressbuch freigeben kann. Ziemlich genau weiß dann jeder, wo ich mich befinde und ich kann sehen, wo meine Kontakte sind. Immer vorausgesetzt, beide Seiten geben Latitude an ihren Handys frei, kann man genau oder auf Stadt-Ebene sehen, wo der andere gerade ist. Latitude wird im kommenden Update (RC33) für das G1 bereits enthalten sein, mit Blackberrys, Windows Mobile und S60-Geräten funktioniert es bereits. Einzig die iPhone-Nutzer müssen sich noch gedulden. Google arbeitet nach eigenen Aussagen an der iPhone-App und will „hoffentlich“ bald damit fertig sein. „The near-term opportunity is in local search, for example people looking for restaurants or hotels“, sagte John Hanke, Director of Google Earth and Maps, in einem Interview. Noch mehr Infos zu Google Latitude auf dem GoogleWatch Blog.

Soweit so gut oder auch so beunruhigend. Dies ist wieder eine dieser mobilen Funktionen, für die ich offensichtlich zu alt bin. Als ich das neue Google Maps vorhin installierte und gefragt wurde, ob auch Latitude gleich eingerichtet werden soll, dachte ich spontan „ach, warum nicht“ und aktivierte meinen Google-Account. Doch als ich dann durch rund 500 Kontakte scrollte, von denen ja nicht wirklich alles meine Freunde sind, wurde mir unbehaglich bei dem Gedanken, dass alle diese Menschen, von denen ich viele „nur“ beruflich kenne, genau sehen können, wo ich mich befinde. Und umgekehrt interessiert mich dies von den meisten meiner Kontakte auch nicht, wo sie sich gerade befinden – meistens zumindest. Gut, man kann Latititude für jeden einzelnen Kontakt freigeben oder eben nicht. Doch hab ich Lust und Zeit, mich durch alle Kontakte zu wühlen und jedes Mal zu entscheiden „ins Töpfchen oder ins Kröpfchen?“. Und änder ich diese Einstellungen je nach meiner Stimmung, Terminlage oder meinem Kommunikationsbedürfnis? Na, eher nicht. Also hab ich Latitude wieder komplett ausgeschaltet.

Vielleicht wäre es anders, wenn Latitude etwas mehr Granularität bieten würde und ich entscheiden könnte, ob ich genaue Ortung, innerhalb von 100 Metern, einem Kilometer oder zehn Kilometer je nach „Befreundungsgrad“ zulassen möchte. Nur ob mit oder ohne Granularität: Wie werden wir in Zukunft beurteilt, wenn wir einen solchen Service ausgeschaltet haben? Wir sind überalterte Innovationsfeinde? Oder wir haben etwas zu verbergen? Oder beides? Bin gespannt, wohin uns die Technik noch so führen wird.

Schon vor einiger Zeit habe ich aufgehört, meinen Google Account zu nutzen. Und zwar genau an dem Punkt, an dem ich anfing, immer mehr Google-Applikationen in Gebrauch zu haben und es beschlich mich ein komisches Gefühl, dass Google so viel von mir mit bekommt. Und nur weil ich paranoid bin, heißt es ja nicht, dass sie nicht hinter mir her sind… ;)

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Über Heike Scholz 3371 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

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