Gameloft unterstützt Zeemote

mobile zeitgeist

Der/die/das Zeemote JS-1 mag sicherlich eine interessante Entwicklung sein, auf jeden Fall hat es das Gamepad für Handyspiele beim Global Mobile Award in der Kategorie Innovation bis ins Finale geschafft. Und trotzdem habe ich bislang Zweifel, ob sich der Controller auf dem Markt durchsetzen wird. Sicherlich, die Steuerungsmöglichkeiten auf einem Handy sind alles andere als optimal, einzig der eingebaute Joystick einiger SonyEricsson-Handys hat mich bis auf die bekannten frühen Abnutzungserscheinungen bislang einigermaßen überzeugen können, an nichtrundenbasierte 2-Player-Games auf einem Gerät war bislang gar nicht zu denken. Insofern kommt einem versierten Handyspieler ein solcher Controller sehr entgegen, von dem man bis zu 2 Stück gleichzeitig an ein Handy über Bluetooth anschließen kann.

[youtube]http://youtube.com/watch?v=em9ZqQ0gi5M[/youtube]

Noch allerdings verhindert mangelnde Werbung einen breiten Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit und bei den Entwicklern (das Gerät soll allerdings auch erst 2009 in Europa erscheinen). Wenn es dann aber endlich erhältlich ist, wage ich aufgrund einiger Überlegungen zu zweifeln, ob Zeemotes Entwicklung ein kurzfristiger Markterfolg beschieden sein wird: Zum Einen geistert mir da spontan eine mangelnde Akzeptanz der Anwender durch den Kopf, da ich mit dem Gamepad auf die unwissenden Umgebung wirke, als bräuchte ich Hilfe bei der Eingabe, weil ich zu blöd bin, ein paar einfache Tasten zu drücken. Zudem kenne ich genügend Menschen, die ihre Handyspiele (zumindest Action- und Arcadespiele) mit zwei Händen spielen, wenn die linke Hand aber das Display trägt und die rechte den Controller hält und gleichzeitig die komplette Steuerung übernimmt, dann ist das sicherlich ungewohnt und kein Freudenfest für Grobmotoriker (naja gut, zu lange wird die Einlernzeit bestimmt nicht dauern). Und wenn 2 Spieler auf ein kleines 320×240 Pixel-Display starren und mit den Zeemotes gegenseitig antreten, dann kann es vor dem Bildschirm nur eng werden um einen möglichst guten Sichtwinkel zu haben und schneller auf den Gegner reagieren zu können.

Der letzte Grund, und da unterscheidet sich der mobile Markt natürlich noch viel weniger von anderen Märkten, ist natürlich auch die bislang mangelnde Softwareunterstützung. Doch da gebe ich Zeemots JS-1 wenigstens ein bisschen Hoffnung: Denn waren bislang gerade einmal 9 Spiele für das Zeemote-Gamepad in der Planung (außer „Sonic the Hedgehog“, „Tomb Rider“ und „Heli Strike“ nur No-Name-Produkte), wird Gameloft den Controller zukünftig verstärkt unterstützen, wie MCV heute berichtete. Dadurch wird natürlich die Attraktivität des Controllers durch die meist hohe Qualität der Gameloft-Spiele gestärkt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass namhafte Titel mit JS-1-Unterstützung folgen werden. Für interessierte Entwickler stellt der Hersteller zudem das kostenlose Zeemote SDK zur Verfügung.

Meine Meinung: Ohne herkömmliche Handysteuerung wird es aber auch bei den Gameloft-Spielen nicht gehen, schließlich würde das eine zu große Markteinschränkung bedeuten, und da wird sich der Casual Gamer natürlich fragen, warum er dann überhaupt noch den/die/das ca. 50$ teure Zeemote JS-1 benötigt, zumal der Controller länger ist als so manches Handy.

Aber ich möchte nicht unken und freue mich sogar, denn es wurde immerhin mal Zeit, dass sich die Hardwarehersteller und die Entwickler Gedanken über die Steuerung ihrer teilweise komplexen Spiele machen. Der Gameboy kam seiner Zeit mit gerade mal 2 Knöpfen für die linke Hand und das Steuerkreuz für die rechte Hand aus. Ein Durchschnittshandy heutzutage verfügt mit 15 Tasten (ohne Steuerkreuz) über 9 Tasten mehr und trotzdem lassen sich die meisten Spiele nur über einen Daumen steuern.

Und falls ein Entwickler bis zu diesem Satz gefolgt sein sollte: Ich bin unheimlich dankbar für jedes Spiel, bei dem man über die Einstellungen eine eigene Tastaturbelegung bestimmen kann, denn davon gibt es noch viel zu wenige. Das kostet kaum Entwicklungszeit, der Code kann leicht für jedes Spiel portiert werden und der Gamer benötigt keine zusätzliche Hardware und kann sein Spiel trotzdem bestmöglich meistern.

Avatar for Patrick Voelcker
Über Patrick Voelcker 286 Artikel
Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*