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E-Paper, E-Book, E-Reader: Was bringt die Zukunft?

Quelle: unsplash, Perfecto Capucine

Wenn man an E-Paper denkt, fallen einem zunächst mehr oder minder gute Apps von Zeitungsverlagen ein, die den digitalen Wandel der Verlagsbranche weiter voran treiben. Andere denken dabei an entsprechende E-Reader wie Amazons Kindle oder den Buchhändler-Reader Tolino. Auf diesen Geräten kann man nicht nur digital Zeitungen, sondern auch Bücher lesen. An was denken eigentlich Unternehmen, wenn es um E-Paper Technologie geht? Womit in diesem Kontext womöglich am wenigsten rechnet, sind Schuhe. Genauer geht es um ein E-Paper-Display in der Sohle. So auf der letzten IFA 2018 geschehen. Am Sony-Stand zeigte das Unternehmen Schuhe, in denen E-Paper eingesetzt wurden.

Die Zukunft: Schuhelesen?

Sieht so die Zukunft der Zeitung aus? An der Bushaltestelle mit überschlagenen Beinen seine Schuhsohle anschauen, um die News dieser Welt mitzubekommen? Wohl kaum. Sony hat in Zusammenarbeit mit New Balance Displays entworfen, die Animationen und abwechselnde Muster zeigen. Allerdings stehen bei Sony in Bezug zu diesem Projekt keine kommerziellen Absichten im Fokus, sondern der Spaß an der Freude. Der Gedanke daran, E-Paper in Zukunft auf Wearables, also Kleidung und Accessoires, zu integrieren, um so das Lesen überall und mit allem zu ermöglichen, ist zwar da, Produkte, die diese schöne Idee jedoch nennenswert erzeugen, sind rar gesät. Aktuell sind Smartwatches am ehesten daran, die Technologie umzusetzen. Sonys FES Watch U gibt einem einen guten Eindruck, wie das in Zukunft aussehen könnte.

Innovativ zeigte sich auch Lenovo, die auf der letzten IFA 2018 in einer Mischung aus Laptop und Tablet ihr neuestes Lenovo Yoga Book C390 mit E-Paper Technologie präsentiert haben. So gibt es in dem Convertible keine Tastatur im herkömmlichen Sinne, sondern ein E-Ink-Display, um eine virtuelle Tastatur zu erzeugen. Neben dem Schreiben kann man so auch Zeichnen.

Wearables lassen auf sich warten

Neben Smartwatches zeigt damit auch Lenovos Convertible, dass diese Geräte im Gegensatz zu Kleidung und Accessoires dank ihrer Displays und der vorhandenen Technik designmäßig dafür ausgelegt sind, um E-Paper oder E-Ink zu unterstützen. Bei Wearables bereitet dies jedoch Probleme. Denn die Technik muss in der Kleidung einerseits nicht nur funktionell, sondern auch bequem sein. Und vor allem waschbar. Bekannterweise sind aber Technik, Batterien und Akkus nicht die besten Freunde von Wasser.

E-Reader: Wer einen hat, braucht nichts mehr

Während sich E-Paper auf Wearables noch nicht wirklich durchgesetzt hat, machen die Geräte, die dafür geeignet sind, auch nur schleppende Fortschritte. Amazons Kindle gibt es seit 2007, allerdings wurde der E-Reader erst 2017 (nur in einer Luxus-Variante) wasserdicht gemacht. Für diese träge Entwicklung sind jedoch weniger die technischen Herausforderungen verantwortlich. Es besteht einfach kein Bedarf. Alle aktuellen E-Reader auf dem Markt sind in ihrer Qualität gut genug zum Lesen. Hat sich ein Nutzer einmal für einen entschieden, bleibt er diesem im Regelfall auch einige Jahre treu. Im Gegensatz zu Smartphones bilden E-Reader auch nicht unbedingt neue Entwicklungspotentiale. Mehr noch, Smartphones und Tablet-PCs lassen aufgrund ihrer Leistung und der Möglichkeit, farbliche Animationen und Videos darzustellen, E-Reader auf Dauer ziemlich alt aussehen. Durch die flexiblen Möglichkeiten sind Smartphones und Tablets dadurch auch für Zeitungen und Magazine attraktiver.

Es gibt mehr Bücher, aber weniger Leser

Unabhängig von der Technik und Software, allgemein steht es nicht zum besten, wenn es ums Lesen geht. Ob Zeitung oder Buch, digital oder analog, seit Jahren geht die Zahl lesender Menschen weiter zurück. Dies belegt beispielsweise eine Studie des deutschen Buchhandels. Die Branche hat seit Jahren zu kämpfen und zwischen 2012 und 2016 6,1 Millionen Buchverkäufer verloren. 2017 wurde ein Umsatzverlust von -1,6 Prozent ermittelt.

Diese Entwicklung erscheint geradezu grotesk, wenn man bedenkt, dass 2017 etwa 82.000 Buchtitel in Deutschland publiziert wurden – 72.200 davon Neuerscheinungen.

Es gibt weniger Zeitungen, aber mehr digitale Leser

Auch der Zeitungsmarkt muss um sein Publikum kämpfen. Dank der Popularität des Internets als erste News- und Informationsquelle überhaupt müssen nicht wenige Boulevardblätter und Regionalzeitungen um ihre Existenz bangen. Für viele regionale Blätter ist es längst zu spät. Zeitungssterben gehört für viele Journalisten zum Alltag. Und obwohl viele Verlage rechtzeitig den Sprung ins digitale Zeitalter vollzogen haben und gut gerüstet sind, können nur wenige große Verlage wirklich beweisen, dass sie den Marktwechsel digital erfolgreich bewältigen. Bei Tageszeitungen wurde beispielsweise von Quartal 2017 zum Quartal 2018 ein Verlust von 3,67 Prozent festgestellt.

Digital erfolgreich: E-Paper-Zeitungen

Im Gegensatz zum Buchmarkt und E-Books widerlegt das E-Paper anhand seiner Umsatz-Zahlen, dass digital wirklich funktioniert. Digitale Ausgaben großer Tagespressen machen immer besseren Umsatz. Im 1. Quartal 2018 ist der Umsatz an verkauften E-Paper-Exemplaren auf bis zu 1,28 Millionen angestiegen. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahresergebnis. Spiegel Online hat (inklusive Bento) 2017 in Werbeumsätzen beispielsweise ein Plus von 17,8 Prozent und damit 46 Millionen Euro erreicht. Damit hat das (Werbe)-Geschäft im Haus erstmals Print überholt.

Digital ausbaufähig: E-Books

Der Deutsche Buchhandel muss hingegen im Verkauf von E-Books seit 2017 einen Verlust von 1,4 Prozent hinnehmen. Ein Grund dafür? Demnach würden viele Käufer bei E-Book Titeln günstigere Preise bevorzugen. Ungeachtet dessen, dass die Kunden mehr E-Books kaufen, macht sich der geringe Preis von durchschnittlich etwa sechs Euro pro E-Book dramatisch im Umsatz bemerkbar.

Freizeitstress: Das Lesen kommt zu kurz

Die verbreitete Annahme, dass Menschen im digitalen Zeitalter schlicht die Lust am Lesen verloren haben, kann täuschen. Vielmehr hat das Buch und die Zeitung im Laufe der Jahre einfach Konkurrenz erhalten. Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und buhlen mit TV und einer immer stärker werdenden Games-Industrie um ihre Rezipienten. Und diese haben immer weniger Zeit. Ein ausgefüllter Arbeitstag, mehrere Hobbys, Verein, Sport, Familie und Freunde, da bleibt nicht mehr viel übrig am Abend. Die Lust und Laune, nach einem anstrengenden Tag noch zum Buch zu greifen ist äußerst gering. Lesen erfordert nach wie vor Konzentration und Ruhe. Viele wollen in ihrer Freizeit einfach nur abschalten. Die tägliche Dauerberieselung von Smartphone, Tablet und Laptop, bei denen man auch ständig News, Mails oder Nachrichten von Freunden liest, sowie Stress im Allgemeinen erhöhen das Verlangen, in den freien Stunden einfach gar nichts zu tun.

Analog und Digital gleichauf wichtig

Obwohl die Ansätze da sind, ist die Zeitungs- und Buchbranche in Zukunft noch mehr gefordert, Analog und Digital zu verbinden, um Marktchancen zu erkennen und nutzbar zu machen. E-Paper und E-Books werden auf Dauer Printprodukten nicht den Rang ablaufen, wie es viele Jahre lang propagiert wurde. Vielmehr wird es zu einem hybriden Zustand kommen. Bisher haben die Akteure aus Print einfach schlicht zu träge auf den Wandel der Leserschaft hin zum Digitalen reagiert. Tradition, alte Mechanismen und Strukturen der Verlagswelt dürfen nicht als Hürden, sondern vielmehr als Ausgangspunkt angesehen werden, um Innovationen zu ermöglichen.

Quellen:

IFA 2018: Sony zeigt Sneaker mit E-Paper-Display in der Sohle, 01.09.18, mobilegeeks

YouTube: Sony FES Watch U Review

Youtube: Lenovo Yoga Book C930 mit E-Ink Display ausprobiert (Ifa 2018)

Ein Kindle für die Badewanne, 20.11.17, welt.de

Ernüchternde Studie: Die Lust am Lesen schwindet, 15.03.18, Augsburger Allgemeine

Branchenumsatz und Branchenentwicklung, Börsenverein.de

Auflagenzahlen des 1. Quartals 2018, 20.04.18, ivw.eu

“80 Prozent der Neuerlöse werden nicht aus dem klassischen Magazingeschäft kommen”, 30.05.18, Horizont.de

Zahl der Käufer sinkt, 22.02.18, börsenblatt.net

“Das Analoge und Digitale werden fruchtbar nebeneinander existieren”, 25.01.17, deutschlandfunk.de