Die Sprache im Mobile Marketing

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Wenn wir von Mobile Marketing sprechen, denken wir in der Regel an Daten wie Bilder, Text oder auch Applikationen. Vor dem geistigen Auge erscheint immer das Bild von einem Mobiltelefon als kleinem PC, der über die Tastatur bedient wird. Wer tief im Thema steckt sieht vielleicht noch Anwendungsszenarien, die die Handykamera nutzen wie zum Beispiel Code Reading. Woran wir meist gar nicht denken, ist die Tatsache, dass das Telefon ursprünglich einmal für die Übermittlung von Sprache erdacht wurde und, wir Geeks glauben es kaum, von den meisten Menschen auch noch hauptsächlich in dieser Form genutzt wird. ;)

Also werfen wir einen Blick auf Möglichkeiten, Mobile Marketing (und weitere Funktionen) auch mittels Sprache auf Mobiltelefonen durchzuführen. Eine kleine Ideensammlung:

Ein Beispiel, Mobile Advertising auch per Sprache anzubieten, könnte die Telefonauskunft sein. Heute muß der Nutzer für diesen Service direkt über seine Telefonrechnung bezahlen. Warum ihm diesen Dienst nicht kostenfrei, aber werbefinanziert anbieten? So könnten doch 10-15 Sekünder vor und/oder nach dem Service eingeblendet werden. Online gibt es diese Anbieter schon, wie "Peter zahlt". An interessierten Werbekunden besteht meines Erachtens kein Mangel und der Nutzer wird sich ebenfalls freuen. Spannend wird der Start von Blyk werden, die dem Nutzer die Mobiltelefonie völlig kostenfrei, aber eben werbefinanziert anbieten wollen.

Etwas webzwonulliger ist zum Beispiel cellcast. Hier kann man mit seinem Handy Texte oder auch Videos verfassen und diese der Community sofort online zur Verfügung stellen. Mobiles Podcasting sozusagen. Ich habe ich ein paar dieser Tondokumente hineingehört und konnte mich persönlich nicht begeistern (liegt wohl am Alter). Aber ich habe mir sagen lassen, junge Leute würde da ziemlich drauf abfahren. Nun denn, Möglichkeiten zum sprachgestzützen Mobile Advertising ergeben sich hier auf jeden Fall.

Content Downloads kennen wir direkt mit dem Handy in der Regel mittels SMS, die an einen Shortcode geschickt wird. Abgerechnet wird dann diese Premium-SMS über die Telefonrechnung. Man könnte aber auch den Nutzer anrufen und das ganze über ein Voice Portal (IVR) laufen lassen. Materna hat schon 2005 für MediaPlazza eine solche Lösung aufgesetzt: "MediaPlazza’s customers dial in through a national premium service number to order the desired content via IVR. The selection of logos, ringtones, pictures, etc. is provided by a Voice User Interface (VUI). The VUI also ensures that the user remains in the system long enough for allowing content payment."

Dies bringt mich gleich zum nächsten Ansatz, dem Payment-per-Voice. Das Unternehmen VoicePay hatte ich ja bereits im Mai dieses Jahres vorgestellt.

Wenn wir über Mobile Business reden, unterliegen die meisten von uns nicht nur dem oben beschriebenen Effekt, die Sprache und die damit verbundenen möglichen Steuerungen unserer Mobiltelefone ausser Acht zu lassen, sondern wir sind zusätzlich auch noch so konditioniert, dass wir immer nur an junge und sehr junge Nutzer denken, die ihre Handys perfekt bedienen können. Aber es ist auch möglich, via Spracherkennung Dinge, die man sonst über die kleine Handytastatur machen würde, zu erledigen. Streaming Audio Content oder auch Alerts können ebenso mittels Sprache angefordert und administriert werden, was ganz neue Zielgruppen bei älteren oder auch alten Menschen und bei der großen Zahl derer, die absolut keinen Sinn für Handy-Applikationen haben, erschiessen würde. Leider kann ich hier auf keine deutschen oder europäischen Beispiele verweisen. Vielleicht wissen aber meine Leser mehr?

Sprache kann auch für virale Kampagnen genutzt werden. Warum nicht seinen Kunden anbieten, dass sie ihren Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern Sprachnachrichten schicken können. In den USA habe ich hierzu ein recht anschauliches Beispiel gefunden. Unter "The Crooked Road" kann man einen persönlichen Country-Song erstellen lassen und diesen auf das Telefon von anderen Menschen schicken lassen. Diese erhalten ein paar einleitende Worte zu dem Song und bekommen ihn vorgespielt. Hier war dies eine Idee der Tourismusgesellschaft von Virginia und wurde von Varitalk durchgeführt.

Mobile Chats, Flirt- und Datingplattformen spriessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Meist allerdings auf SMS- oder Instant-Messaging-Basis. Das ist auch richtig, denn wer will schon gleich, nur weil man sich dort angemeldet hat, gleich angerufen werden. Mein Gedanke hierbei ist ein anderer. Die Steuerung der eigenen Funktionen ist am PC mit Tastatur und Maus einfach. Von unterwegs allerdings wird es zumindest etwas mühselig, wenn man nur die Handytastatur nutzen kann. Hier könnten die Voice Portale, sogenannte IVRs (Interactive Voice Response) helfen, die Nutzung und Steuerung mittels Sprache zu erledigen.

Last but not least ein Blick auf die Mobile Suche. Ich habe hier schon mehrfach sprachbasierte Lösungen vorgestellt, wie zum Beispiel die Sprach-Handy-Navigation Dial Directions , über die diversen Zukäufe wie Nuance kauft VoiceSignal oder Microsoft kauf Tellme oder der Mainzer Verkehrsservice "mainziel" berichtet. Dies ist sicherlich das größte und umsatzträchtigste Feld, in das zur Zeit die Großen massiv drängen. Doch es gibt auch Raum und damit Chancen für kleinere Unternehmen und Lösungen. Ich hoffe, ich kann noch von vielen erzählen.

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Über Heike Scholz 3401 Artikel
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin für internationale Unternehmen gründete die Diplom-Kauffrau 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin über das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. Heute ist sie ein anerkannter und geschätzter Speaker und gehört zu den Influencern der deutschen Internet-Szene. Weiterhin ist sie Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hoschschule Worms. Als Co-Founder von ZUKUNFT DES EINKAUFENS, begleitet sie die Digitale Transformation im stationären Einzelhandel. Sie berät und trainiert Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und fördert mit ihrem Engagement die Entwicklung verschiedener Branchen und Märkte.

1 Kommentar

  1. Streaming Audio Content oder auch Alerts können ebenso mittels Sprache angefordert und administriert werden, was ganz neue Zielgruppen bei älteren oder auch alten Menschen und bei der großen Zahl derer, die absolut keinen Sinn für Handy-Applikationen haben, erschiessen würde.

    ==> imma auf die Alten, die koenn sich ja schlecht wehren …
    ;-)
    Gruss
    M
    PS: danke fuer alles, ich lese taeglich.

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  1. Voice Days 2007, Bonn | mobile zeitgeist

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