Das Storm, meine Mutter und ich – Usability ist individuell!

blackberries

Ich hielt das Blackberry Storm bisher für unbedienbar, bleibt es wahrscheinlich auch – aber scheinbar nur für mich!? Warum schreibe ich das? Naja, ich hielt mich bisher für jemanden der schnell und nachhaltig Bedienkonzepte, Menüstrukturen und Aufbau einer GUI verstanden hat. Ich muss beruflich täglich zehn unterschiedliche Handsets in die Hand nehmen und so schnell „umschalten“. Das Storm und ich kommen auf keinen „grünen Zweig“. Vielleicht liegt es an der „SurePress-Technologie“ (TM) die ein vorheriges Antippen und dann ein Bestätigen der Auswahl verlangt. Ehrlich – ich bekomme keine SMS getippt. Meine Mutter schon! Sie hat das Gerät zu Weihnachten bekommen und war mit ihren 59 Jahren sofort schwer begeistert und positiv eingenommen, vom großen Bildschirm, der frei einstellbaren Schriftgröße und den TouchScreen-Eigenschaften. Das brachte mich zum Grübeln. Was bedeutet dieses Beispiel für allgemeine Aussagen zur Usability und der Gestaltung von Oberflächen und Mensch-Maschine-Interfaces? Wohl, das wir nach wie vor gewöhnungs-bedürftig sind und auch über intuitives Urteilen über haptische Angemessenheit und visuelle Ergonomie besitzen, das sich zwar ändern und umtrainieren lässt, aber von Anfang an zu tendieren scheint. Techcrunch berichtet, dass RIM im letzten Jahr sehr erfolgreich seine Geräte absetzen konnte und dass der Smartphonemarkt in den USA um 58% zugenommen hätte. Die Kunden scheinen jedenfalls die Neugeräte anzunehmen, aber sind sie auch glücklich damit? Auch das Samsung SGH-F480 kam 2008 mit einer neuen Philosophie daher: TouchWiz nennen die Koreaner diese und meinen, dass die Bedienkonzepte des SGH-F700 und des SGH-F490 noch einmal verbessert worden seien. Aber im Ernst, habt Ihr schon einmal mit dem Gerät auf einer Seite nach unten gescrollt? Intuitiv ist das jedenfalls nicht. Auch HTC hat auf die Frage nach einem nachhaltigen, leicht verständlichen Bedienkonzept natürlich eine Antwort parat: Touch-Flo Steuerung nennen sie ihr Konzept im HTC Touch 3G zum Beispiel (übrigens alle diese Namen sind selbstverständlich Trademark-geschützt und als Patent angemeldet). Und das neue HTC-Touch HD verfügt sogar über eine so genannte Touch-Flo 3D Oberfläche. Wie das auf einem 2D-Bildschirm gehen soll, muss man mir allerdings noch erklären. Irgendwie glaube ich, dass es noch eine ganze Menge Stürme geben wird, ehe uns eine ideale GUI ohne gröbere Usabilityprobleme auf den Tisch geweht wird. Vielleicht ist doch das iPhone momentan das Gerät mit den wenigsten auffälligen Schwächen, wer hätte das gedacht? Meiner Mutter war das iPhone jedenfalls zu „amerikanisch“ und hängt an ihrem „Storm“- ob ich ihr sagen soll, dass es auch aus Nordamerika kommt?

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Über Martin Walter 99 Artikel
Martin Walter war Kreativkonzepter bei der Yoc AG in Berlin und heute bei der Iconmobile GmbH als Senior Manager Mobile Marketing tätig. XING.

3 Kommentare

  1. Interessant wären ein paar Hinweise, was die Dame mit ihrem Gerät eigentlich macht. Bislang ist noch kein Gerät auf dem Markt, das allen möglichen Anwendungen gleichermaßen gerecht wird. Mal ist das Surfen komfortabel, mal das Telefonieren, etc. Mir gefällt beim ersten Google-Handy, das es verschiedene Eingabemöglichkeiten bietet: Touchscreen, Keyboard, Trackball. Damit kann jeder Besitzer individuell mit dem G1 arbeiten – und die Eingabemöglichkeiten je nach Anwendung nutzen. Grundsätzliches Problem bleibt aber immer die Funktionsfülle – die meisten Handy-Käufer lassen schon jetzt viele Features einfach links liegen. Bsp.: RSS-Reader, MMS, etc. Das Gerät muss Lust darauf machen, die Funktionen zu nutzen – und das ist m.E. bislang nur Apple gelungen.

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