Das iPhone, das aus der Kälte kam

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Es ist bei jedem Star das selbe: Erst wird er gehypt, dann fangen die ersten Journalisten an, Schmutz in seiner Biografie zu suchen und irgendwann kommen die ersten Skandälchen heraus und dann darf sich der Star (wenn überhaupt noch möglich, aber nach Britney Spears halte ich alles für möglich!) von selbst aus dem Dreck ziehen, weil sich die Medien schadenfroh nur noch auf diese konzentrieren. Das iPhone bildet da wahrscheinlich keine Ausnahme.

Inzwischen befinden wir uns in Phase 3, den ersten kleinen Skandälchen. Normalerweise ignoriere ich solche Berichte geflissentlich, aber die heutige Meldung „iPhone Takes Screenshots of Everything You Do“ hat mich dann doch aufhorchen lassen.

Wer ein iPhone besitzt, kennt das: Eine Anwendung wird über den Home-Button beendet und das Anwendungsfenster zoomt sich in die Mitte, bis es zu klein ist und gänzlich verschwindet. Dafür, soweit sollte jedem Programmierer klar sein, muss ein Screenshot angefertigt werden, der Pixel für Pixel verkleinert wird. Doch was passiert mit dem Screenshot danach?
Laut „Wired“-Kolumnist Brian X. Chen werden die Screenshots zwar gelöscht, aber es ist heutzutage kein Kunststück mehr, „verlorene“ Dateien wieder herzustellen. Meist geschieht dies über „Image Recovery“-Programme, die versprechen, gelöschte Fotos zu restaurieren. Dies ist möglich, weil ein wirkliches Löschen Bit für Bit der Dateien auf einer Speicherkarte oder Festplatte länger dauernd würde, so wird einfach nur der Eintrag im Inhaltsverzeichnis des Datenträgers entfernt und nur der Dateianfang gelöscht, der Rest bleibt so lange erhalten, bis irgendwann genau an dieser Stelle eine andere Datei geschrieben wird.
Ermittlern ist es damit möglich, dem iPhone-Besitzer eventuelle illegale Tätigkeiten, die er von seinem iPhone aus gemacht hat, nachzuweisen.

Für die Medien (hier, hier und hier) natürlich ein gefundenes Fressen. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis sich auch die Regenbogenpresse des Themas annimmt.

Dabei ist dieses Speichern ein ganz normaler Prozess, der auch auf jedem Windows-Rechner z. B. beim Surfen im Internet automatisch abläuft (Cookies, Cache etc). Dort gibt es zwar Tools zum Anonymisieren der Daten und man kann diese automatische Speicherung ebenso abschalten, aber auch hier ist es für Experten trotzdem kein Problem, einen Großteil der Daten zu rekonstruieren.

Insofern ist alles halb so wild. Solange nämlich mit dem Schraubenzieher an das iPhone ran geht und den Datenspeicher extrahiert, solange läuft auch niemand Gefahr, dass er ausspioniert wird. Da ist das iPhone sogar deutlich sicherer als ein PC. Die einzige Gefahr, die tatsächlich drohen könnte, ist ein Trojaner, der diesen Speicher auslesen kann und ihn übers Netz zugänglich macht.
Aber, Gott behüte, das wird die vorgeschaltete Sicherheitskontrolle für den AppStore zu verhüten wissen. Denn wenn nicht, dann herzlich willkommen in Phase 4!

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Über Patrick Voelcker 286 Artikel
Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]

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