Das G1 von Google – Erfahrungsbericht und „Must Have“ Applikationen

mobile zeitgeist

Endlich ist es in Deutschland verfügbar. Das lange angekündigte und mit viel „TamTam“ bei T-Mobile eingeführte G1 von Google und HTC ist seit dem 2. Feb. in Deutschland erhältlich. Grundlage für meinen Erfahrungsbericht ist das Google Android Developer Phone „Dev1“ mit dem Softwarestand 1.1. Innerhalb von 2 Tagen wurde es aus den USA zugestellt. Kostenpunkt 414 Euro. Nun hab ich es genau eine Woche in meinen Fingern.

Das G1 wirkt auf den ersten Blick wie ein grober Klotz. Stabil, für den Dauereinsatz gebaut, solide verarbeitet, mit einem robusten Klapp-Mechanismus ausgestattet. Attraktiv ist was anderes, aber nach den ersten Stürzen und kleineren Remplern ist nicht die Spur einer Macke zu sehen. Faszinierend!

Das Keyboard ist nach etwas Eingewöhnung gut zu bedienen, die rechte Kante an der Seite fordert etwas Akrobatik bei der Haltung. Irgendwann vergisst man dies jedoch zum Glück.

Im Vergleich zum iPhone ist die Tastatur damit ein Segen, das Design ein Fluch. Die Haptik erinnert mich irgendwie an den Nokia 7650 Klotz vor etlichen Jahren, vermutlich durch den Federmechanismus und dem satten „Klacken“ beim Einrasten.

Die Steuerung per Touchscreen gestaltet sich auch als äußerst angenehm. Ein längeres Drücken ruft meist ein Kontextmenü auf. Ein kurzes Antippen aktiviert die gewählte Funktion.

Mit einem Google Account augestattet geht die Konfiguration schnell von der Hand und funktioniert wie am Schnürchen. Das Gerät läuft nach Konfiguration des APNs im O2 Netz einwandfrei. Insbesondere sind Bandbreitennutzung und Multitasking ein Traum.Nichts ruckelt oder hängt, alle Applikationen reagieren flott auf die Eingaben. Wifi und GPS lassen sich in Sekundenschnelle aktivieren und finden schnell Verbindung.

Die Kehrseite der vollen Funktionalität ist der hohe Energieverbrauch. Keine 6 Std hält der Akku mit den meisten aktivieren Autofunktionen durch. Es stellt sich als äußerst schwierig heraus die Stromfresser erst bloss- und dann abzustellen.

Die Suche durch die 300 Kontakte gestaltet sich als äußerst flexibel, jedoch erweist sich das hierfür notwendige Aufklappen der Tastatur als äußerst umständlich.

Alle Applikationen wirken etwas unstrukturiert in einen Ordner hineingeschoben. Eine klare Struktur anzulegen und Elemente in Ordnern zu positionieren, muss der User von Hand erledigen. Ein Traum für Freaks und Leute, die Zeit und Geduld mitbringen. Neueinsteiger dürften erstmal den Überblick verlieren.

Der Import der Kontakte vom alten SonyEricsson P1i gestaltete sich als sehr umständlich. Das Senden des Adressbuches per Bluetooth war nicht möglich. Die kostenflichtigen GooSync Dienste wollte ich vermeiden. Daher wählte ich einen recht umständlichen Weg.

Über ActiveSync zu ScheduleWorld, über ein Thunderbird-Schedule-World-Plugin zu Thunderbird, und dann über ein Google Plugin (Zindus) zu den Google Contacts. Diese werden wiederum nahtlos in dem Handy integriert. Dabei wurden einige Felder nicht sauber übernommen. Nach stundenlanger Nachpflege konnte ich zumindest nun einen einheitlichen Adressbestand über alle Kommunikationsmittel erreichen.

Geburtstage müssen über den Kalender geflegt werden. Eine Angabe in den Kontakten ist leider nicht möglich. Dafür lassen sich dort Instant Messenger Kontakte hinterlegen. Ein Rufton lässt sich jedem einzelnen Kontakt ebenfalls zuordnen.

SMS Nachrichten werden, wie von GoogleMail gewohnt, als Konversationen zusammengefasst. Das SMS schreiben funktioniert sowohl aus den Kontakten heraus, als auch über die Messaging Applikation. Das Ganze erinnert etwas an ein Chat-Client, und ist einfach aber super gelöst. Eine Anzeige der noch verfügbaren Zeichen sowie die Zahl der notwendigen SMS Nachrichten ist ebenfalls sichtbar.

Der GoogleMail Client stellt schnell, übersichtlich und klar alle Inhalte und E-Mails inkl. Bildern im html Format dar. Leider war es mir nicht möglich Inhalte zu markieren oder herauszukopieren. Email-Addressen und Weblinks werden erkannt und sind mit dem Webbrowser bzw. der Mail-Applikation verknüpft.

Der Webbrowser lässt sich, trotz fehlendem Multitouch, wunderbar bedienen. Zoom und Navigation sind über die Lupenfunktion gut möglich. Einzig die Links der Webseite sind manchmal recht schwierig zu treffen. Es können mehrere Browserfenster parallel geöffnet werden. Flash wird noch nicht unterstützt, wurde aber bereits angekündigt.

Der Audioplayer, das Kernstück jedes iPhones, erfüllt im G1 seine Pflicht und funktioniert schnell und übersichtlich. Coveransicht und eine Gliederung nach Artist, Album, Song und Playlist sind vorhanden. Eine Suchfunktion, Shuffle, Repeat und Party Shuffle sind ebenfalls mit an Bord.

Die Autofokus-Kamera macht, für Handyverhältnisse, recht scharfe und rauschfreie Bilder, das Fokusieren dauert recht lange. Häufig ein Farbstich ins Blaue sichtbar, das fehlende LED/Blitz-Licht ist ein wirklicher Minuspunkt. Toll ist die Weiterverarbeitung der Bilder per Sharing Funktionalität (Picasa Upload), Emailversand oder Speicherung gelöst. Ebenso lassen sich die Geodaten mit jedem Bild abspeichern. Eine Videofunktion ist nicht vorhanden.

Um die Bauchschmerzen bei der Bedienung und fehlenden Funktionalitäten nun zu überwinden, gibt es eine riesige Auswahl an bisher kostenlosen Applikationen über den Android Market. Die Integration ist ähnlich gut gelungen und nahtlos wie im App-Store von Apple.

Der Download und die Installation sind mit einen Klick erledigt. Die Userwertungen und Kommentare helfen bei der Auswahl prima weiter.

Hier meine Tipps und Empfehlungen:

  • Power Manager – Über Profile und übersichtliche Buttons bietet es die Möglichkeit alle Stomfresser wie GPS, Bluetooth und Wlan zu steuern.
  • Spell Dial – Suche nach Kontakten über eine T9 Funktionalität über das Touchscreen.
  • MissedCall – LEDs konfigurieren je nach Ereignis (Anruf, SMS, Kalendererinnerung)
  • Talking Clock – Uhrzeit regelmäßig vorsprechen lassen.
  • SMS Popup – Der SMS Text erscheint direkt als Popup
  • Shake Away – Das Keypad wird bei einem Anruf durch Schütteln des Handys wieder angezeigt.
  • GPS-Tracker – GPS Tracking über die Webseite. Perfekt zum Rückverfolgen meiner Geschäftsfahrten oder Jogging-Strecken.
  • Picasa – Nach der Aufnahme kann das Bild mit 2 Klicks ins Webalbum hochgeladen werden. Weiteres fotografierten ist sofort möglich.
  • Stream Furious – Shoutcast Radiostationen im Live-Streaming hören.
  • Notepad – Ein einfaches Notizbuch.
  • Shazam- Musikerkennung über den Lautsprecher. Informationen zum Album und Interpreten werden angezeigt, sowie Links zu Youtube Videos oder Kaufmöglichkeiten angeboten. Funktioniert erstaunlich gut.
  • Imeem – Last.fm Alternative, inkl. Suche nach lokalen Interpreten.
  • Barcoo – Ein mit der Autofokus Kamera perfekt funktionierender Preisvergleich, inkl. Local Search, Websearch und Wikipedia Links. Es muss zum Fotografieren nicht „abgedrückt“ werden. Einfach nur über den Barcode halten. Soweit die Lichtverhältnisse stimmen funktioniert die Erkennung wunderbar!
  • Meeboo – Multiprotocoll Instant Messaging Client.

Der hohe Akkuverbrauch ist wohl der größte Kritikpunkt des Gerätes. Daß die ganzen Funktionen Energie ziehen war klar. Vielleicht kann hier über Softwareeinstellungen oder Energiesparfunktionen des Kernels noch etwas an Leistung eingespart werden. So sollte man bei häufiger Nutzung das G1 wohl 1 bis 2 mal am Tag an die Ladebuchse hängen.

Das offene Konzept und die Fülle an Applikationen wirken besser als erwartet. Ebenso die erstaunlich stabile Plattform ohne größere Hänger und Abstürze.

Resumé: Ein Phone von Technik-Freaks für Technik-Freaks. Wer Zeit investieren und sich sich sein System selber konfigurieren möchte, sich von Größe, Design und Akkulaufzeit nicht abschrecken lässt, erhält wohl, neben dem iPhone, eines der besten Telefone am Markt. Eine Freundschaft zu Google und den Google Diensten sowie eine Datenflatrate ist Voraussetzung.

Über den Autor:

Robert Rieser ist Geschäftsführer der mobile Marketing und Consulting Agentur mobilemojo. Er berät Unternehmen im Bereich der mobilen Strategie und sowie Kampagnenplanung und Umsetzung. Neben einem eigenen mobile Advertising Netzwerk bietet mobilemojo auch Konzeption und Umsetzung von Brand Applikationen für iPhone und Android Plattformen an.

Avatar for Gast-Autor
Über Gast-Autor 307 Artikel
Wir freuen uns über Fachbeiträge von Gast-Autoren. Infos dazu gibt es hier: Autor werden . Oder schreiben Sie einfach eine Mail an info@mobile-zeitgeist.com

6 Kommentare

  1. kann das G1 wie das iphone keine Kontakte via Bluetooth empfangen?!
    Denn das P1i (das ich auch besitze) kann durchaus das Adressbuch verschicken: ‚Markieren‘ -> ‚Alle markieren‘ und danach ‚Senden als‘ und ‚Bluetooth‘ auswählen. BTDT

  2. Ja beim SonyEricsson geht es wirklich sehr leicht, allerdings muss man der Marke treu bleiben. Ein Nokia empfängt dabei nur den 1. Kontakt und dann ist auch Schluss. Leider baut SE zur Zeit keine Konkurrenzfähige Phones. Ich weiß noch so 2002 am Anfang des Joint-Ventures wollten die Marktführer werden (laut Connect Interwiew).

    Das G1 ist vom Design her leider gar nicht ansprechend. Ein Segen ist dagegen der kapazitive Taouchscreen (berührungsepfindlich) – man muss also nicht mit alle Macht gegen das Display drücken und wischen, wie es beim Nokia 5800 (resistiver Screen – druckempfindlich) der Fall ist.

  3. Das übertragen des Adressbuches per Bluetooth geht markenübergeifen seltenst problemlos. Einzlen als vCard sieht das zum Glück meist ganz anders aus.

  4. Mal abgesehen von den „Herausforderungen“ es gibt mittlerweile echt hilfreiche Anwendungen. Neben wikitude.org und auch dem Eventservice von Lasminute nutze ich die Anwendung von SmartShopping.de. Diebietet auch ihren Preisvergleich an. Überzeugender Featurekatalog: Barcode-Scan, per GPS direkt zum nächsten Händler, Preisalarm, Testberichte, Merk- und Einkauflisten… Cooles Ding.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*