Buchrezension „Programmieren fürs iPhone“ von Markus Stäuble

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Bei meinen Recherchen, was sich zur Zeit auf dem Buchmarkt für iPhone-Entwickler herumtummelt, ist mir ein schönes Exemplar in die Hände gefallen, über welches in nach intensivem Lesestudium berichten möchte: „Programmieren fürs iPhone“ von Markus Stäuble (dpunkt.verlag), 33€

Grober inhaltlicher Überblick:

70 Seiten Grundlagen
45 Seiten Einführung in das SDK
80 Seiten Programmierung
30 Seiten Übertragung der Programme aufs iPhone und Distribution in AppStore
20 Seiten Objective-C-Grundlagen

Wer sich für die reine iPhone-Anwendungsprogrammierung interessiert, dem bietet der Buchmarkt zur Zeit nicht wenige Möglichkeiten, die einen unterschiedlichen Einstieg in die Materie versprechen. Aufgrund der Popularität des iPhones wurden die Leser sowohl von englischen als auch deutschen Veröffentlichungen überschwemmt.

Zu den etwas preisgünstigeren Büchern zu diesem Thema gehört das im Titel recht allgemein gehaltene „Programmieren fürs iPhone“ von Markus Stäuble, welches mit seinen etwas über 300 Seiten den Bogen zwischen relativ konservativen Erklärungen und Projekten und überraschend erfrischenden Ideen spannt. So wird zwar erst nach über 115 Seiten konkret auf die Programmierung einiger Anwendungen eingegangen, doch bereits auf Seite 20 überrascht der Autor mit einer ersten eigenen Beispielanwendung, die fernab jeglicher nervenden „Hello World“-Applikationen einen bereits bestehenden Code in eine eigene To-do-Listen-Applikation „umbaut“.

Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der iPhone-Entwickler nach diesem Prinzip arbeitet, anders könnten die Programmierer auf die mittlerweile jährlich neu erscheinenden Features kaum schnell auf den Markt reagieren. Insofern ermöglicht der Autor dem Leser ein schnelles Erfolgserlebnis, was sehr motivierend für die spätere, etwas trockenere Anwendungsentwicklung wirkt.

Doch zuerst hat der Leser eben die 115 Seiten Theorie über die Grundlagen und das SDK (übrigens eines der wenigen Bücher, die das aktuelle SDK3 behandeln!) vor sich, die er aber Dank Stäubles vorangestellten Tipps, welche Kapitel wirklich essentiell sind, abkürzen kann, wofür man dem Autor auf Grund der wenigen Screenshots und Bilder, die den Theorieteil begleiten wirklich dankbar sein kann . Zwar wird der Text durch viele Zwischenüberschriften, Erklärungskästen und auch ein paar Diagramme aufgelockert, doch nach dem schnellen, viel versprechenden Einstieg legt sich in diesen Kapiteln schnell die Euphorie.

Während des mit einem Viertel der Seiten relativ geringen Hauptteils werden dann folgende 6 Anwendungen Schritt für Schritt entwickelt:

– Adressbuch
– Web-Adressbuch
– RSS-Reader
– Einkaufsliste
– CD-Einkaufsliste
– Location Based Services

Im Großen und Ganzen also bis auf LBS relativ ähnliche Programmcodes, die allesamt verschiedene Varianten des Datenhandlings zum Inhalt haben. So werden im ersten Beispiel „Adressbuch“ die Daten aus dem Adressbuch verarbeitet, im darauf aufbauenden Programm „Web-Adressbuch“ werden diese stattdessen aus dem Internet geladen. In der dritten App „RSS-Reader“ wird der Hauptaugenmerk auf die Verarbeitung der geladenen Daten über XML gelegt. Diese können natürlich auch alternativ in SQLite gespeichert werden („Einkaufsliste“) oder über Core Data („CD-Einkaufsliste“).
Die Strukturen und Ideen, die diesen Programmen allesamt zu Grunde liegen, sind also sehr ähnlich, unabwechslungsreich und somit wenig spannend. Auf die Performance, die das iPhone OS seit dem Versionswechsel erreicht und die zusätzlichen Features (wie z. B. den Kompass), die das Erfolgsmodell iPhone 3G S auszeichnen, wird damit kaum eingegangen, denn die reine Darstellung und Speicherung von Daten hätte auch eine frühere, wesentlich unperformantere iPhone-OS-Version hingekriegt. Den Schwung, den Markus Stäuble also gleich im zweiten Kapitel aufnimmt, erreicht er bis zum Ende des Buches leider nicht mehr.

Zudem sind die dazugehörigen Listings schwer lesbar. Nicht nur, dass sie nur im Anhang komplett zu finden sind und man so beim Lesen des Buches ständig gezwungen ist viel zu blättern, um den Inhalt mit den Programmlistings zu verbinden. Auch die Codeauszeichnung und –markierung ist unübersichtlich: Zeileneinrückungen sind schwer unterscheidbar, Schlüsselworte nicht ausgezeichnet, was man bei einem schwarzweiß-gedruckten Buch durchaus hätte mit verschiedenen Dicken oder Kursivschrift hätte erreichen können. Gott sei Dank gibt es die Listings auch als Download auf der Homepage des Autors, aber für den reinen Lesegenuss reicht es leider nicht, denn nicht immer hat man beim Lesen auch einen Rechner mit Internetzugriff zur Hand.

Die Programmcodes und deren mangelnde Formatierung und Auszeichnung sind leider das große Manko des Buches. Durch detailreiche Einführungen in die Besonderheiten der iPhone-Entwicklung und vor allem -distribution samt kurzer Einführung von Objective-C im Anhang, macht es diese Mängel aber vor allem für iPhone-Einsteiger mehr als wett und kann im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen auftrumpfen. Insofern hält das Buch seinen Titel „Programmieren fürs iPhone“ zu vage, denn mit gerade mal 80 Seiten ist der eigentliche Programmieranteil eher gering gehalten, „Einstieg in die Programmierung fürs iPhone“ wäre dem Inhalt wohl gerechter geworden (auch wenn der Titel natürlich weniger griffig ist).
Wer allerdings schon einmal ein erstes Programm für das iPhone entwickelt hat und in diesem Buch auf weiteren Input hofft (z. B. in den Themen Audio, Video, Kompass etc), der sollte das Buch beim Händler lieber zweimal durchblättern, bevor er sich für oder gegen einen Kauf entscheidet.

Insgesamt gilt aber: Großartiger Anfang, zäher, aber dafür detailreicher Grundlagenaufbau, kurzes Finale. Aber sehr empfehlenswert für den absoluten Einsteiger.

Ansonsten sind die Qualität des Drucks und die Verarbeitung hochwertig, das Buch liegt gut in der Hand, Schriftgröße und Kontrast sind leicht lesbar, das Layout schmeichelt den Augen ebenso. Das Papier fühlt sich gut an und vergilbt nicht so schnell. Damit gehört „Programmieren fürs iPhone“ in seiner qualitativen Verarbeitung trotz seines günstigen Preises auf jeden Fall zur Oberklasse.

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Über Patrick Voelcker 286 Artikel
Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]

1 Kommentar

  1. Es ist wirklich ein sehr gut geschriebenes Buch. Sollten sich Anfänger kaufen…
    Ich hoffe Herr Stäuble schreibt noch mehr in dieser Richtung…

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