Apps: Das muss grooven!

mobile zeitgeist

Der Markt für mobile Apps hat in 2009 eine Dynamik gewonnen, welche nur von der Musikindustrie übertroffen wird. Wer das Wesen dieser neuen Dynamik begreift, versteht, dass er sich darauf einstellen muss.

Und das wird über die kommenden Jahre so bleiben. Woche für Woche werden knapp 10.000 Applikationen zur Prüfung an Apple übergeben, Tendenz steigend. Eine kostenlose deutsche iPhone App (non-Game) muss heute schon mehr als 100.000 Installationen erreichen, um als Erfolg zu gelten. Die Erwartungen der Entscheider und Investoren sind hoch. Und der Wettbewerbsdruck ist spürbar geworden.

Die Entwicklung einer App fordert von Entwicklern und Produktmanagern, schnell auf Marktentwicklungen zu reagieren. Klassisches Waterfall-Projektmanagement ist hierfür zu unflexibel. Aber auch ein Team, dass bereits nach Agile Methodik entwickelt, muss lernen, in einer besonderen Qualität zu arbeiten.

Wie muss mein Produkt aussehen, damit es ein Hit wird?

Bisherige Software-Produkte sind mit Klassik-CDs vergleichbar: wenig Neuerungen, etablierte Stars, besonnene Käufer, ein ruhiges Geschäft.

Apps sind anders. Das ist nicht Klassik: das ist Popmusik. Wie die Top-100 Single-Charts: Schweißtreibende, pulsierende Beats, markante Lead-Vocals und Sex Appeal: Eine App die Erfolg will muss Charakter haben. Unqiue sein. Cool aussehen. Sich sexy anfühlen.

Wie muss unser Team arbeiten, um einen Hit zu landen?

Am Wochenende bin ich zufällig in ein Soul-Konzert gestolpert. Die Kombination „Soul und Weihnachten“ hat ja ohnehin was. Aber nachhaltig beeindruckt hat mich: Die beiden Lead-Sänger, die Bläser, der Background-Chor, jeder in der Band hatte zu jedem Zeitpunkt volle Achtsamkeit auf jeden anderen. Und gleichzeitig waren sie mit dem Publikum in Kontakt. Die Jungs und Mädels spielten sich gegenseitig zu. Blind. Jeder hatte ein Ziel: es muss grooven.

Einzigartige Apps entstehen in richtig wachen Teams, wo jeder seinen Job macht und ein Ziel hat: das muss richtig grooven. Wenn es groovt, kann ein Hit entstehen. Kann, muss nicht. Aber wenn es nicht groovt, entsteht kein Hit.

Meine Learnings der letzten Wochen:

1. Entwicklung initiativ

Einige unserer Entwickler mischen sich zunehmend in Belange der Distribution ein. Drängen mich, Dinge im App Store zu verbessern, damit ihre App besser läuft. Vermarktungsdruck von den Entwicklern ist für mich ungewohnt. Und großartig: Mehr davon.

2. Road to Market

Ich fördere das, in dem ich in den zweiwöchigen Sprint-Meetings 10 Minuten lang die Fortschritte in Marketing und Pressearbeit darstelle. Das motiviert die Entwickler und es erlaubt Ihnen, ihr Produkt als Ganzes sehen: als Abverkaufszahl, als Pressemitteilung, als Banner.

3. App Dashboard

Wichtig ist, dass jeder im Team die Kennzahlen verfolgen kann. Also: Zugriff auf den App Store für jeden freischalten, den es interessiert.

4. Kontrollverlust

Viele Manager tun sich mit Scrum schwer. Der Grund ist einfach: klassische Managementinstrumente greifen nicht mehr so wie früher. Umgewöhnung ist anstrengend und ist mit Risiken behaftet. Das wird vermutlich auch in 2010 noch Arbeit.

5. …und rede drüber!

Da Management mit Agile weniger Kontrolle hat, muss ich im Gegenzug sein Vertrauen stärken. Die Vorteile von Agile aktiv vermarkten. Mit den Zwischen-Release präsentiere ich daher nicht einen abstrakten Milestone, sondern ein vollwertiges Produkt, ein neues Alleinstellungsmerkmal, ein Verkaufsargument. Ich investiere wesentlich mehr Zeit.

“App Entwicklung in der Praxis” ist eine mobile zeitgeist Serie, in der ich Erfahrungen und Erkenntnisse aus der täglichen Praxis darstellen werde. Falls der/die eine oder andere ähnlich gelagerte, oder ganz abweichende Erfahrungen gemacht hat, freue mich darüber zu hören. Und insbesondere eine angeregte Diskussion.

Über den Autor:

Martin Lawrence ist Produktmanager. Seit 10 Jahren im Thema Internet. Seit fünf Jahren mit Fokus auf Consumer-Anwendungen. Hat sowohl in Startups als auch in Konzernen gearbeitet. Was er am besten macht ist, Technologien voranzutreiben, die Kommunikation zu fördern und die Lebensqualität von Menschen zu verbessern. Er pendelt täglich ausgiebig zwischen Bielefeld und dem Ruhrgebiet. Mailt mit einem BlackBerry, surft mit dem iPhone. Da sich seine Familie und sein Freundeskreis auf ganz Deutschland verteilen, ist er dankbarer Nutzer der mobilen Apps von Twitter, Facebook und Xing.

Geduld ist nicht seine größte Stärke, daher treibt er die Entwicklung mobiler Anwendungen in seinem Team mit Leidenschaft und teilweise anstrengenden Ansprüchen. Er ist daher dankbar für die Nachsicht und Toleranz seiner Kollegen. Privat lebt er in einer Patchwork-Familie mit zwei sehr eigensinnigen Kindern und einer klugen Frau.

Seit März 2005 arbeitet Martin bei telegate MEDIA (vormals klickTel) als Senior Produktmanager. Hier ist er für die Entwicklung der Portale und mobilen Anwendungen verantwortlich.

Avatar for Martin Lawrence
Über Martin Lawrence 39 Artikel
Martin Lawrence ist Senior Produktmanager bei telegate MEDIA (vormals klickTel). Hier ist er für die Entwicklung der Portale und mobilen Anwendungen verantwortlich. Seit 10 Jahren im Thema Internet. Seit fünf Jahren mit Fokus auf Consumer-Anwendungen. XING.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*