Spielentwickler lancieren eigene Raubkopie – mit Erfolg!

2. Mai 2013 12:01 Mobile Gaming

Eines der ältesten Probleme für Software ist nach wie vor eines der aktuellsten: Raubkopien.

Die Entwicklerhäuser suchen immer wieder neue Möglichkeiten, diese zu verhindern, doch meist ist ironischerweise der ehrliche Nutzer der Blöde, der den Schikanen (im Gegensatz zu den Raubkopierern der gecrackten Versionen, bei denen diese Sicherheitsmethoden umgangen wurden) anschließend ausgeliefert ist. So wird entweder eine Netzstandleitung gefordert, kryptische Codes aus dicken Büchern müssen eingegeben werden, spezielle Dongles angeschafft oder – wie früher – zwischen einzelnen CDs jongliert werden. Nicht umsonst wurde EA erst kürzlich von frustrierten Spielern erneut zur schlechtesten Firma der Welt gewählt, wohlgemerkt noch vor den üblichen Kandidaten wie Facebook, Google oder Apple.

Die Entwickler von Green Heart Games haben diesen Missstand nun ironisch umgedreht und sich eine schöne Methode einfallen zu lassen, die Filesharer wenigstens ein bisschen an der Nase herum zu führen.

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Sie setzten eine Version ihres Spiels “Game Developer Simulator” noch am Veröffentlichungstag selbst in die Tauschbörsen. Allerdings nicht ohne ihre Version vorher ein wenig angepasst zu haben: Es gibt in der Tauschbörsenvariante, in dem die Arbeit in einem Spieleentwicklungsstudio simuliert wird, nämlich keine Möglichkeit, das Game zu gewinnen.

Spätestens, wenn die Spieler erfolgreich am virtuellen Markt sind, erscheint nämlich ein Mitarbeiter aus der Marketingabteilung und beschwert sich beim Boss, dass das virtuelle Spiel enorme Einbußen am Markt hätte, weil es von Filesharern in Umlauf gebracht worden sei, woraufhin dann die Einnahmen immens einbrechen. Diese nerdig-rekursive Ironie ist natürlich schön ausgetüftelt.

So erfreuten sich die Entwickler trotz allen Frusts bereits am nächsten Tag über Einträge in gängigen Gamerforen, in denen sich die Spieler darüber beklagen, dass Raubkopierer ihr virtuelles Spiel zerstört hätten, wohl ohne dem Bewusstsein, dass sie wohl selbst erst am Vortag das Selbe in der Realität getan hatten.

So nutzten bereits 24 Stunden nach Veröffentlichung lediglich 214 Nutzer (6.4%) die gekaufte Version, wohingegen 3104 Spieler (93.6%) die modifizierte und damit illegal erworbene Version geladen hatte. Dieses enorme Ungleichgewicht ist nicht ungewöhnlich und entspricht den gängigen Verhältnissen, speziell bei Spielen.

So steht “Game Dev Tycoon” zwar nur Desktoprechnern zur Verfügung, doch da der Bezugspreis von nur 7,99$ in Relation zu normalen Preisen eher in unteren Regionen zu finden ist, kann das Modell durchaus als Vergleich zu Mobile Games und App hinzugezogen werden.

Insofern wäre ein solcher “Kopierschutz” sicherlich auch einmal eine unterhaltsame Idee für Mobile Apps. Ob dadurch allerdings die Einnahmen steigen, ist eine andere Frage.

Aber zumindest als kreativer Marketinggag, um die eigene App in den Nachrichten, Blogs und Foren unterzukriegen, hat diese Methode ihre Berechtigung gefunden.

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Patrick Voelcker

Patrick Voelcker

Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]

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