Interview #4: Die wichtigsten Faktoren zur Gestaltung mobiler Shops

Am Montag erhielten wir im dritten Interview einen spannenden Einblick in die Erfolgsfaktoren zur Gestaltung mobiler Shops. Björn Krämer von HRS erläuterte uns, was das mitwichtigste im Mobile Commerce sei: Den Fokus der Mobile Optimierung auf die jeweiligen Nutzungsszenarien zu legen und nicht primär auf das verwendete Device. Wie sieht das unser heutiger Interviewgast: Dr. Matthias Häsel, Leiter E-Commerce Innovation Center bei OTTO GmbH & Co KG:

Dr. Matthias Haesel

Dr. Matthias Haesel

mz: Was sind aktuell im deutschen Mobile Commerce Markt die größten Herausforderungen für Anbieter mobiler Lösungen?

Dr. Matthias Häsel: “Für uns zeichnen sich verschiedene mobil einsetzbare Endgeräte wie Smartphones oder Tablets durch jeweils ganz spezifische Anwendungsszenarien aus, die sich gegenseitig ergänzen. Deshalb sprechen wir nicht mehr nur vom M-, sondern vielmehr von einem Everywhere Commerce. Eine der größten Herausforderungen liegt deshalb in der Adaptivität und Durchgängigkeit unserer Angebote auf verschiedenen Endgeräten. Es geht darum diese miteinander zu verknüpfen – einerseits auf der Ebene der Nutzererfahrung, um ein geräteadäquates, aber gleichzeitig auch einheitliches Einkaufserlebnis zu gewährleisten, andererseits auf technischer Ebene, auf der Gerätespezifika bedient und gleichzeitig alle Systeme miteinander agieren müssen. Derzeit kümmern wir uns verstärkt darum, eine Einkaufsstrecke für den Kunden über verschiedene Endgeräte hinweg durchgängig erlebbar zu machen.”

mz: Empfehlen Sie eher eine Mobile Website oder eine App (native, hybrid, web) als mobile Shopping Lösung? Und aus welchen Gründen?

Dr. Matthias Häsel: Es ist sicherlich sinnvoll, sowohl eine mobile Website als auch eine App anzubieten. Als Händler sollte man sich aber genau überlegen, welche Mehrwerte eine App wirklich bringen kann und für welche Betriebssysteme eine App-Entwicklung tatsächlich gerechtfertigt ist. Dabei betrachten wir bei OTTO die mobile Website als Pflicht und eine App dann als Kür. Durch unsere Smartphone-App sind wir zum Beispiel für den User schneller auf dem Homescreen verfügbar und können die Endgerät-spezifischen Features, wie 2D-Code-Scanner oder Push-Benachrichtigungen  nutzen. Auf unserer mobilen Website m.otto.de haben wir in Summe aber mehr Reichweite, da wir hier den SEO- und SEM-Traffic bedienen.

Wir bieten heute für Smartphones unter anderem hybride Apps an, die die Bedienung verschiedener Betriebssysteme durch die Wiederverwendung von Web-Elementen aus unserem mobilen Shop m.otto.de ermöglichen. Dies hat den Vorteil, dass wiederkehrende Elemente wie Suchergebnislisten und Detailseiten nur einmal entwickelt werden müssen. Gleichzeitig müssen wir nicht bei jeder Veränderung die Freigabe-Prozesse der App-Stores durchlaufen. 

Seit vergangenem Dezember bieten wir unseren Kunden mit einem iPad in einem Live-Test auch eine für dieses Gerät optimierte Version des Online-Shops an. Die Anpassung an Android-Tablets wird nach Ende des Tests folgen.”

mz: Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht für die mobile Nutzerfreundlichkeit für den Erfolg entscheidend? Sie können die Faktoren nach Relevanz in eine Reihenfolge bringen und zusätzlich hinzufügen.

Dr. Matthias Häsel:

  1. Intuitive Bedienung
  2. Schnelle Ladezeiten
  3. Andere: Links und Buttons mit entsprechender Größe
  4. Übersichtliche Navigation
  5. Prominente, intelligente, fehlertolerante Suche
  6. Ansprechende Produktansicht
  7. Effizientes Mehrfiltersystem
  8. Bewertungen anderer Kunden
  9. Servicebereich (z. B. FAQ Liste)
  10. Vorausfüllen von Daten insbesondere im Checkout
  11. Speicherungsmöglichkeit der ausgewählten Produkte
  12. Social Media Optionen

mz: Mit welchen Schlagwörtern würden Sie die Besonderheiten des mobilen Designs beschreiben?

Dr. Matthias Häsel: “Smartphones werden im mobilen Kontext unterwegs genutzt. Verbraucher, die beispielsweise in der U-Bahn unterwegs sind oder auf den Bus warten, befinden sich in der Regel in einem konzentrierten Lean Forward-Modus, um beispielsweise Preise zu vergleichen und oder Versorgungseinkäufe zu tätigen. Für das mobile Design bedeutet das grundsätzlich (und wie so oft in der Oberflächengestaltung) „weniger ist mehr“.
Eine klare und übersichtliche Gestaltung ermöglicht es Nutzern einfacher und schneller auf gewünschte Inhalte zuzugreifen. Große Buttons und klare Begrifflichkeiten führen den Kunden schnell vom Einstieg über die Suche zur Kaufabwicklung. Ein mobiles Interaktionsdesign muss dabei die Eingabe- und Ausgabespezifika von Smartphones berücksichtigen, sprich: Verschiedene Größen sehr kleiner Bildschirme sowie eine intuitive Gestensteuerung unterstützen. Ziel sollte hier immer sein, den Kunden schnell durch den Kaufprozess zu führen bzw. dessen Informationsbedürfnisse so effizient wie möglich zu bedienen.”

mz: Ihr Leitmotiv für Mobile Commerce ist…

Unsere Kunden wollen in unterschiedlichen Nutzungssituationen zeit- und ortsunabhängig auf passende Angebote zugreifen können. Deshalb gilt es bei der Entwicklung von Apps oder optimierten Webseiten neben den Bildschirmeigenschaften immer den jeweiligen Nutzungskontext zu berücksichtigen und das Angebot genau auf diesen zuzuschneiden.

Danke für Ihre Teilnahme!

Ein weiteres Experteninterview erscheint in den kommenden Tagen. Viel Spaß beim Lesen!

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Lena Justen

Lena Justen

Lena ist Digital Native. FASZINATION für Mobile Commerce wird bei ihr großgeschrieben. Lena brachte sich nicht nur für eines der ehemals führenden Versandhäuser Europas als Mobile Commerce Spezialist ein, sondern gibt ihr Mobile-Know-How auch als Dozentin an der DHBW Mannheim an Smart Natives weiter.

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