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Am 25. Januar 2013 Von In Märkte, Mobile Webnutzung, Nutzerverhalten

Die Zielgruppe der Grauen

Jung ist bunt und hipp, alt ist grau und langweilig. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass sich im Online bzw. Mobile Business kaum jemand um die Zielgruppe der Senioren (65+) Gedanken macht, die doch immerhin mehr als 21% der Bevölkerung in Deutschland bilden. Und von denen laut Statistischem Bundesamt inzwischen 57% über das Internet einkaufen, womit diese Altersgruppe den stärksten Zuwachs in den letzten Jahren zu verzeichnen hat.

Die Gruppe der Senioren bietet große Chance für Online Business usw. usw. Ja, ich weiß, schon mal gehört, doch wer macht sich wirklich Gedanken? Vielleicht jetzt, denn Mobile Internet steht in der Pole Position. Tablets, aber auch Smartphones werden von Senioren grundsätzlich positiv gesehen, es sind die ich-kann-sofort-loslegen Geräte – wenn erst einmal das Netzwerk eingerichtet ist.

Bekannt ist, dass der Anteil der Altersgruppe 65+ aufgrund der Bevölkerungsentwicklung weiter stark zunehmen wird. Öffentlich dreht sich dennoch alles um die berühmt, berüchtigten Digital Natives. Im persönlichen Gesprächen aber, einmal drauf angesprochen, haben viele von uns viel mehr zu erzählen über die Digital Seniors, die eigenen Eltern bzw. Großeltern, denen sie den Weg ins Internet ebenen wollen oder müssen.

Im Vergleich zum PC sind Tablets – bedingt auch Smartphones – einfacher zu handhaben, die Oberfläche ist intuitiver, und es ist eine einheitliche Plattform, kein Puzzlespiel aus Hardware und Software. Eigenschaften, die immer mehr überzeugen und die erst Recht bei älteren NOnlinern die Hemmschwelle senken und die Aneignung beschleunigen können. Wie die Erfahrungsberichte bei Spiegel Online hier und hier belegen, die Deutschen Welle berichtete ebenfalls.

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Dabei geht es nicht nur um das Surfen im Web, mindestens genau so spannend sind die Möglichkeit in der Heimautomation und in der Gesundheitsvorsorge. Ein mobiles Gerät ist aufgrund seiner Flexibilität die ideale Plattform zur Steuerung und Verwaltung der vielen Helferlein, die heutzutage alle digital gesteuert werden.

Deshalb geht es gar nicht so sehr um Marketingaktivitäten, die sich speziell an die Digital Seniors richten. Ich möchte vielmehr dazu anregen, sich bei jeder Produktidee explizit auch mit den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe der Digital Seniors auseinander zu setzen. Das gilt für einzelne Funktionen innerhalb der Anwendung bis hin zu ganz eigenen Produkten.

Das gilt erst Recht für das User Interface jeder App und jeder Website, das einfach, leserlich und aufgabenfokussiert zu gestalten ist. Eigentlich Anforderungen, die jedem Kunden helfen, ganz besonders aber Senioren. Und sich bei Usability-Tests eben nicht nur die Studenten zu schnappen, sondern auch einmal in ein Seniorenheim zu gehen, das wäre doch einmal spannend.

Ein eigenes Tablet zu entwickeln, wie dies im Rahmen des EU-Forschungsprojekts SI-Screen geschieht, oder eine eigene Oberflächen zu installieren, halte ich dagegen für problematisch. Es kann nicht darum gehen, für bestimmte Ziel- oder Altersgruppen Parallelwelten zu entwickeln. Das erschwert die Kommunikation über Altersgruppen hinweg und schränkt den Zugang zu Diensten ein, da Hersteller diese nicht für solch proprietäre Plattformen anpassen werden.

Persönliche Anmerkung zum Schluss: Auf dem iPad fehlt definitiv ein Fernzugang wie Teamviewer, der mir den Support der PC-Welt meiner Eltern bisher wesentlich erleichtert hat. Nun haben meine Eltern sich zu Weihnachten ein iPad zugelegt.

Gerne gebe ich auch die Frage weiter, die Maike Strudthoff anderen und mir gestellt hat: Wer kennt Webseiten, die App Empfehlungen speziell für Senioren haben?

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Jörg Ruwe

Jörg Ruwe ist Experte für Digitale Strategien und hilft Unternehmen, ihren erfolgreichen Weg in das mobile Internet zu gehen. Er ist selbstständiger Berater und kennt den Mobile Markt seit den ersten Gehversuchen mit WAP im Jahr 1999. Unter anderem als Management Consultant für Kienbaum und zuletzt als Geschäftsführer von Sevenval hat er in über 200 Projekten erfolgreich digitale Geschäftsfelder erschlossen für namhafte Unternehmen aus Industrie, Medien, Handel und Finanzen.

2 Antworten

  1. Guter Artikel und wirklich gute Initiative.
    Ich selbst habe gerade meinem 87 jährigen Opa einen Windows 8 PC geschenkt. Die neue UI gepaart mit der Möglichkeit die Schrift groß zu stellen, machen es wirklich gut bedienbar.

    Gruß

  2. Der Artikel und der Film sind gut und stellen die Wirklichkeit dar. Allerdings hätte ich mir auch gewünscht, dass der Artikel in deutlich größerer Schrift wäre. Denn auch hier gilt es an die Senioren zu denken und nicht jeder kann die Schrift mal eben “Großziehen”

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