Trends 2013 – LTE: „Nur“ ein Technologie-Upgrade?

23. Januar 2013 08:30 Märkte, Mobilfunk, Studien

Zu Teil I – “The Buttons Stays beautiful”

Die Unternehmensberatung Deloitte widmet sich in ihrer auf Englisch abgefassten Studie „Technology, Media & Telecommunications Predictions 2013“ – neben anderen Themen der TMT-Branche – auch dem Thema LTE. Ein guter Anlaß, die von Deloitte erhobenen Daten & Fakten zusammenzufassen und zu analysieren, wo LTE heute in Deutschland steht und welche Perspektiven sich ergeben.

Daten und Fakten zu LTE weltweit

Deloitte Report "Technology, Media & Telecommunications Predictions 2013"

Deloitte Report “Technology, Media & Telecommunications Predictions 2013″

Nach dem ersten kommerziellen LTE-Launch in Schweden im Jahr 2009 gibt es im Januar 2013 gemäß Deloitte weltweit etwa 60 Millionen LTE-Nutzer – gegenüber 12 Millionen Anfang 2012 (zum Vergleich: die Zahl der 3G-Kunden betrug zu diesem Zeitpunkt mehr als eine Milliarde, die Zahl der weltweiten Smartphone-Nutzer mehr als 1,5 Milliarden).

Für Ende 2013 erwarten die Berater ein weiteres Wachstum auf etwa 200 Millionen LTE-Nutzer weltweit. Die Mehrzahl der Kunden findet sich in nur vier Ländern: USA, Canada, Japan und Südkorea – Mitte 2012 wurden z.B. mehr als die Hälfte der LTE-Handsets in den USA verkauft. Deloitte schätzt, dass Ende dieses Jahr mehr als 200 Mobilfunkanbieter in 75 Ländern LTE-Tarife anbieten werden. Der Kunde wird aus über 300 verschiedenen Geräten (Smartphones, Tablets und Dongles) auswählen können. Interessanterweise werden im Jahr 2013 gemäß Deloitte mehr als 50 Millionen Geräte verkauft werden, die LTE zwar unterstützen, bei denen auf Kundenseite jedoch kein LTE genutzt wird – entweder weil der Mobilfunkanbieter LTE nicht anbietet oder der Kunde keinen LTE-Tarif gebucht hat. In Deutschland ist dies z.B. derzeit beim iPhone 5 der Fall, das nur im Netz von T-Mobile LTE unterstützt.

Deloitte schätzt, dass spätestens Ende 2014 etwa 10% der Mobilfunk-Serviceumsätze aus LTE-Tarifen generiert werden, von etwa 3-4% der Kundenbasis. Dies impliziert einen signifikant höheren ARPU (= Durchschnittsumsatz pro Kunde) als bei 3G-Kunden – aus zwei Gründen: einerseits werden voraussichtlich vor allem die Kunden mit hohen Umsätzen aus 3G-Tarifen zu LTE wechseln, zum anderen haben die LTE-Kunden wegen der höheren Geschwindigkeiten eine höhere Zahlungsbereitschaft. Die abgerufenen Datenvolumen werden dabei deutlich höher liegen als bei 3G. Erfahrungen aus dem Jahr 2012 zeigen einen Faktor von 50 bis 900% mehr an verbrauchtem Datenvolumen. Deloitte erwartet jedoch nicht, dass – wegen der immer noch signifikanten Kosten – LTE zu einer sehr starken Nutzung im Bereich Live-Video führen wird. Wegen zunehmender Nutzung erwarten die Berater jedoch, dass die tatsächlich erzielten Geschwindigkeiten von 20-30MBit/s auf etwa 10MBit/s sinken werden. Die Mobilfunkanbieter werden jedoch sicherstellen müssen, dass ein Leistungsabstand zu 3G bestehen bleibt, um die höheren Preise zu rechtfertigen.

Wo steht LTE in Deutschland?

In Europa waren in Q2/2012 in 10 Ländern LTE-Dienste verfügbar. Neben Deutschland, Österreich und Polen haben die nordeuropäischen Länder (Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland) und die baltischen Länder (Estland, Lettland, Litauen) LTE-Netze in Betrieb.

Von den Netzbetreibern in Deutschland bieten derzeit die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica/O2 LTE Tarife an. ePlus hat derzeit noch keine LTE-Tarife im Angebot, sondern testet die Technologie in Düsseldorf, Cloppenburg und Wachtendonk.

Die derzeit verfügbaren Tarife lassen sich in drei Kategorien einteilen

  • Smartphone-/Tablet-Tarife
  • Tarife für Laptops mit Datenstick
  • LTE als Festnetzersatz

Bei den bestehenden Smartphone-Tarifen kann LTE beispielsweise dazugebucht werden für einen Preispunkt von etwa 10 EUR/Monat – diese Optionen enthalten üblicherweise auch eine Aufstockung des enthaltenen Datenvolumens. Auch bei den Tarifen für Laptops kann üblicherweise LTE gegen Aufpreis dazugebucht werden. Bei LTE als Festnetzersatz (v.a. für ländliche Gebiete ohne DSL-Verfügbarkeit) bieten alle Anbieter eigene Tarife an, die entweder einen Festnetzanschluss für Telefonie enthalten (Deutsche Telekom) oder rein über LTE realisiert werden (Vodafone, O2). Die Preise für die Produkte, die nicht mobil genutzt werden können, liegen z.T. allerdings deutlich über denen  für die entsprechenden Breitband-Festnetzprodukte.

Die Mobilfunkanbieter folgen somit den Empfehlungen der Berater von Deloitte, die eine moderate Preisgestaltung zur Produkteinführung vorschlagen, um die Kunden an die neuen Produkte heranzuführen. Zusätzlich empfehlen sie „shared data plans“, d.h. ein Tarif kann mit mehreren Geräten genutzt werden. Die Anbieter in Deutschland realisieren dies üblicherweise mittels Multi-SIMs, die den Parallelbetrieb mehrerer Geräte ermöglichen auch auch schon für 3G-Tarife verfügbar sind. Aus Marketingsicht werben die Anbieter v.a. mit dem generischen Claim „Geschwindigkeit“, da es auch aus Sicht von Deloitte keine einzelne „Killer-Applikation“ gibt, die LTE erfordert.

Fazit und Perspektiven

Für Telekommunikationsanbieter ist LTE ein „Must have“, dokumentiert durch die Tatsache, dass alle Mobilfunkanbieter (Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica, ePlus) in Deutschland in der LTE-Auktion im Jahre 2010 Frequenzen ersteigert haben.

Deloitte sieht LTE jedoch nicht als „Wiedererfindung der Mobilindustrie“, sondern als technologische Weiterentwicklung. Der Wandel von sprachzentriertem Mobilfunk zu datenzentriertem Mobilfunk beim Übergang von 2G zu 3G sei deutlich größer gewesen. LTE liefere deutlich höhere Geschwindigkeiten als 3G zu niedrigeren Kosten pro übertragener Dateneinheit, die Kunden müssten jedoch nicht mehr im Maße wie bei 3G davon überzeugt werden, Datendienste mobil zu nutzen.

Über die Analysen von Deloitte hinaus gibt es jedoch weitere Überlegungen zum Thema LTE. Aus Sicht eines Mobilfunkanbieters ist LTE sicherlich in erster Linie ein notwendiges, aber investitionsträchtiges “Technologie-Upgrade” (primär wg. hoher Kosten für Frequenzen und Netzausbau) mit zusätzlichen Umsatzchancen und der Möglichkeit, mobiles Internet weiter in der Kundenbasis zu penetrieren. Die Einführung stellt allerdings auch an einigen Punkten zusätzliche kommerzielle Herausforderungen, wie z.B. im Bereich Sprachdienste auf LTE und Prepaid-Tarife.

Aus Sicht des Kunden und von internetbasierten Diensteanbietern und Start-ups ist LTE jedoch voraussichtlich kein reines „Technologie-Upgrade“ sondern eine technologische Entwicklung, die aufgrund höherer Geschwindigkeiten völlig neue Dienste und  Anwendungen hervorbringen wird – analog zur Einführung von DSL und VDSL im Festnetz. Beide „Technologie-Upgrades“ haben es erst ermöglicht, dass z.B. eCommerce, Audio- und Videodienste sich zu ihrer heutigen Bedeutung als Wachstumstreiber im Internet entwickelt haben.

Zu Teil III – “Das Ende des Vertrauens in sichere Passworte?”

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Stefan Behrendt

Stefan Behrendt

Stefan Behrendt ist Managing-Partner des Beratungshauses DSP-Partners. Er arbeitet mit Telekommunikations-, Medien- & Softwareunternehmen an Projekten zu Strategie, Produktmanagement und Operations. Zuvor hatte er Management-Positionen bei der Deutschen Telekom, abaXX-Technology und Roland Berger inne und war Mitglied des Aufsichtsrats der Scout24-Gruppe, von Swoodoo und atrada Trading Network.

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3 Kommentare

  • Wie ich finde ein sehr gutes Interview. Ich kann Herrn Hardtke nur zustimmen, auch ich bevorzuge eine native App ggü. allem anderen. Die User-Experience ist eindeutig besser.

  • Interessantes Interview aus der Praxis – endlich! Ob native App oder mobile Website ist doch auch immer dem Einsatzzweck geschuldet (neben dem Budget).

  • Norbert

    Interessant und relevant.
    Aber mal eines, Leute, bei Lena Justen’s Kurzportät bekommt man doch schon ein wenig den Eindruck, dass man so eine contribution nur dann wirklich appreciaten kann, wenn man als experienced native sozusagen auf einer daily-basis die entsprechenden learnings ein sein doing einbringt. Hä?

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