Zahlungsbereitschaft iOS vs Android

Am 21. Januar 2013 Von In Mobile Applications

“Bezahl-Apps oder lieber doch nicht?” iOS- und Android-Apps

Vor kurzem wurden auf mobile zeitgeist im Artikel „App Märkte – die Top 25 der erfolgreichsten Apps aller Zeiten“ Downloadzahlen für erfolgreiche kostenlose und kostenpflichtige Apps auf dem iPhone und für Android-Smartphones vorgestellt und analysiert.

Neben der Diskussion der Downloadzahlen entwickelte sich in den Leserkommentaren ein interessanter Austausch über Erfolge und Vorteile bzw. Nachteile von Bezahl-Apps auf dem Android-Betriebssystem im Vergleich mit Smartphone-Apps für iOS.

Aus diesem Grund haben wir in diesem Artikel aktuelle Fakten und Studien aus dem zweiten Halbjahr 2012 zum Thema „Bezahl-Apps“ für Android und iOS zusammengestellt und werden diese entlang von fünf Haupteinflussfaktoren strukturieren. Doch zunächst zum Vergleich der Umsätze auf den verschiedenen Plattformen.

Umsätze mit iOS- versus Android-Apps

Zunächst weisen alle Studien auf die große Differenz der auf der iOS Plattform erzielten Umsätze im Verhältnis zur Android Plattform hin. Distimo, ein App Monitoring Tool, weist ein Umsatzverhältnis von 1:8 zugunsten von iPhone-Apps aus. Dies bedeutet konkret, dass die Top 200 iOS-Apps im August 2012 etwa 5,4 Millionen US$ pro Tag erlöst haben, die entsprechenden Top 200 Apps im Android Market hingegen nur 679 Tausend US$ (Quelle: Forbes). Das Monitoring-Tool Flurry schätzt das Verhältnis im Mai 2012 nicht ganz so extrem auf 1:4 zugunsten von iOS (Quelle: Business Insider). Im Jahre 2011 betrug das geschätzte Verhältnis der Umsätze der App-Entwickler laut dem Blog Asymco bei 270 Mio USD für Android vs 700 Mio. USD bei iOS. Das Umsatzverhältnis von iOS zu Android liegt somit beim Faktor 4-8 zugunsten von Apple-Apps.

Zahlungsbereitschaft der Nutzer

In nahezu allen Studien wird auf die unterschiedliche Zahlungsbereitschaft der Nutzer für iOS und Android-Apps hingewiesen. In gewissem Zusammenhang zur Zahlungsbereitschaft stehen auch die Bezahlmöglichkeiten in den entsprechenden App Stores. Obwohl beides nicht komplett unabhängig voneinander ist, sollte es getrennt betrachtet werden. Auf der Zahlungsbereitschaftsseite sprechen zwei Fakten für iOS: Die Kunden-Demografie bei Apple wird allgemein als kaufkräftiger angesehen als die von Android. Zum zweiten sind die Apple-Kunden durch iTunes meist schon deutlich länger mit einem Bezahlsystem für digitale Produkte sozialisiert.

Bezahlmöglichkeiten

Bei Apple sind seit jeher eine Vielzahl verschiedener Zahlungsmittel möglich. In Deutschland können die Kunden z.B. mit Kreditkarte, Click-and-Buy oder mit Prepaid Guthabenkarten von Apple bezahlen. Bei Google Play waren die Zahlungsmöglichkeiten in der Vergangenheit stark eingeschränkt, es wurden nur Kreditkarten akzeptiert. In den USA sind nun seit nicht allzu langer Zeit auch Guthabenkarten für den Google App Store erhältlich. Zusätzlich schafft google die Möglichkeit, über Operator Billing zu bezahlen, d.h. über die Rechnung des Mobilfunkanbieters – die Bezahlmöglichkeiten von Google Play in Deutschland finden sich hier.

Produkte: Apps

Alle Studien weisen darauf hin, dass eine verbesserte Qualität von Apps in den entsprechenden App Stores, die Attraktivität von Bezahl-Apps steigert, und die Qualität der Apps auf dem Google Play Store sich stark verbessert.

Bezüglich der Preisstruktur sehen die Studien bei Android-Apps aus Kundensicht die breite Streuung problematisch, während sehr viele iOS-Apps mit 0,99 US$ bepreist sind und somit eher Impulskäufe fördern. Damit sind nach einer Studie von Canalys auch die Durchschnittspreise bei Android mit 3,47 US$ deutlich höher als bei iOS mit 1,47 US$. Die Studie weist auch darauf hin, dass iPhone-Kunden beim Preispunkt von 0,99 US$ eine höhere Risikobereitschaft („Ausprobieren“) haben, während Android Kunden durchaus höhere Preise bezahlen; aber nur, wenn sie eine gute Qualität erwarten.
Hinzu kommt, dass Android in-App Purchases (iAP) erst seit März 2011 ermöglicht und somit bei einigen Entwicklern eine Umstellung von Up-front Zahlung auf (iAP) noch nicht erfolgt sein mag mit dem Effekt, dass sich die Kunden beim Kauf zurückhalten. In-App Purchases sind dagegen bei Apple schon deutlich länger möglich und auch bei Spielen mittlerweile zum dominierenden Geschäftsmodell geworden.
Ein weiterer Punkt, der ggfs. aus Entwicklersicht gegen bezahlte Android-Apps spricht, ist das Thema der weiteren Verbreitung von Raubkopien auf Android.

Attraktivität der Plattform für Entwickler

Die Apple-Plattform ist weiterhin die attraktivste Entwicklungsplattform für Entwickler – dies zeigt auch die im Januar 2013 auf mobile zeitgeist veröffentlichte Studie von IDC: 89% der Entwickler sind sehr interessiert, für iOS zu entwickeln vs. 77% für Android. Eine noch deutlichere Präferenz von App-Publishern für iOS zeigt eine Analyse von DSP-Partners. Von mehr als 1.200 untersuchten Apps aus den deutschen App-Stores von Apple, Google, Microsoft und Blackberry wurden 58% der Apps für iOS entwickelt vs. 31% für Android. Die Kundennutzung von Smartphones in Deutschland gemäß Bitkom liegt allerdings bei 55% für Android-Smartphones und 31% für iOS. Mit der weiterhin stark wachsenden Android-Plattform steigt in Zukunft die Attraktivität für Entwickler, Android-Apps zu veröffentlichen.

Fazit und Ausblick

Per heute – das zeigen alle Studien – monetarisiert die iOS-Plattform Apps deutlich besser als die Android-Plattform.
Derzeit sprechen die folgenden Faktoren dafür, dass Android hier in Zukunft aufholen kann – ein Indiz sind die um 137% gewachsenen Umsätze im Google Play Store von Januar bis August 2012. Weitere Faktoren für eine zunehmende Relevanz von Android sind:

  • Das Blog Droid-life berichtet von einer Umfrage aus dem Juni 2012 unter 14.000 Nutzern, hier ist der Anteil der Kunden ohne Paid Apps auf Android von 12% in 2011 auf nur mehr 7% im Jahr 2012 zurückgegangen
  • Mit dem Wachstum von Android wechselt sicherlich erstmals eine nennenswerte Zahl von Kunden von Apple zu Android – diese sind „bezahlerfahren“
  • Eine weitere Verbesserung der Kundenerfahrung von Android Hardware, Betriebssystem und Apps führt zu höherer Zahlungsbereitschaft für qualitativ hochwertige Apps
  • Neue Bezahlverfahren (Wertkarten, Operator Billing) und iAP erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunden zu Bezahl-Apps greifen

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Stefan Behrendt

Stefan Behrendt ist Managing-Partner des Beratungshauses DSP-Partners. Er arbeitet mit Telekommunikations-, Medien- & Softwareunternehmen an Projekten zu Strategie, Produktmanagement und Operations. Zuvor hatte er Management-Positionen bei der Deutschen Telekom, abaXX-Technology und Roland Berger inne und war Mitglied des Aufsichtsrats der Scout24-Gruppe, von Swoodoo und atrada Trading Network.

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