From the UK: Early-Adopter für mPOS im Massenmarkt?

Es ist in vielerlei Hinsicht interessant, einen Blick auf unsere britischen Nachbarn zu werfen: Den Tee trinkt man mit Milch, das Auto fährt man links und auch in Sachen Mobile Payments sieht die Welt an der Themse etwas anders aus als am Rhein.

Status Quo: UK ist ein Early Adopter für Mobile Payments in Europa

Das Vereinigte Königreich ist im europäischen Vergleich am weitesten entwickelt in der Smartphone-Nutzung und im E-Commerce. Jeder zweite Brite benutzt ein Smartphone, in Deutschland ist es nur jeder Dritte. Online Shopping ist sehr populär auf der Insel: Jeder vierte Brite ist ein aktiver Nutzer von PayPal und der britische B2C ECommerce Markt ist mit US$124 Milliarden in 2012 der größte in ganz Europa.

Dazu passt, dass die Engländer am liebsten bargeldlos bezahlen: 60% aller Zahlungen im britischen Einzelhandel erfolgen mittlerweile mit Credit/ Debit Cards, Barzahlungen machen nur noch ca. 30% aus. Im Gegensatz dazu besteht das Zahlungsvolumen im deutschen Einzelhandel immer noch zu zwei Dritteln aus Bargeld, nur ein Drittel aus Kartenzahlungen.

Mobile POS Terminals

Mobile Point of Sale () Terminals für Kartenzahlungen erleben gerade einen großen Hype. Das ursprünglich vom Startup ‘Square’ aus Kalifornien vorgestellte Gerätekonzept basiert auf der Idee, ein Smartphone oder Tablet mit einem Kartenleser-Dongle als POS Terminal zu nutzen. Das Kernangebot zielt insbesondere auf Kleinhändler ab.

65 mPOS UK

mPOS Beispiel in UK

Der europäische Pionier für Mobile POS kommt aus Schweden und heißt iZettle. Dessen Lösung ist seit November 2012 über Vertriebspartnerschaften in Deutschland und UK verfügbar. Darüber hinaus gibt in beiden Märkten Wettbewerber wie Payleven, mPowa und SumUp mit ähnlichen Produkten. Bei all diesen Aktivitäten stellt sich die interessante Frage, wie sich die Mobile Payments Märkte in Deutschland und UK im Vergleich entwickeln.

Wo entwickelt sich zuerst ein Massenmarkt für mPOS?

Wie schnell sich mobile POS Geräte im Markt für kleine Unternehmen verbreiten, hängt von der Akzeptanz bei Händlern und Kunden ab.

In den USA findet Square reißenden Absatz: Die Kartenleser sind kostenlos, die Gebühren sind transparent und mit normalen Credit Card Gateways vergleichbar und ein Großteil der Konsumenten bezahlt am liebsten mit Kreditkarte.

Deutsche Händler, die diese Bezahllösung via iZettle nutzen, müssen 2.75% Gebühr je Transaktion entrichten. Der Kartenleser ist vorerst kostenlos. Im Vergleich dazu sind allerdings in Deutschland EC-Karten nicht nur mehr verbreitet, sondern auch deutlich günstiger für Händler (20 –30 Cent/Transaktion) – das macht die 2.75% Transaktionsgebühren von iZettle nicht gerade zum Schnäppchen.

In den UK hingegen ähneln die Strukturen viel eher den USA, sowohl hinsichtlich der Transaktionsgebühren als auch des Zahlungsverhaltens der Konsumenten. Daher erscheint es wahrscheinlicher, dass mobile POS in UK kurzfristig bessere Wachstumschancen hat als in Deutschland. 

Der mögliche nächste Schritt: Große Retailer & Closing the data loop

Ein Blick auf Square in Amerika gibt einen Vorgeschmack darauf, wie sich eine mPOS Lösung erweitern lässt, um noch ganz andere Märkte als die Kleinsthändler zu erobern.

In Kombination mit Tablets wie dem Apple iPad und geeigneter Software mausern sich die mobile POS Lösungen als vollwertiger Ersatz für normale Kassensysteme – auch für größere Händlern oder Restaurantketten. Square demonstriert gerade durch eine Partnerschaft mit Starbucks, dass sich deren Lösung auch für große Retailer einsetzen lassen.

Der wirklich revolutionäre Mehrwert aus Händlersicht kommt dann zum Vorschein, wenn Kunden nicht nur mit ihrer Karte bezahlen, sondern ihre Kartendaten in einer dazugehörigen App auf ihrem Handy speichern und damit in Stores einchecken, während sie shoppen. Damit können einerseits Kunden an der Kasse bezahlen, ohne eine Karte zu zeigen – sie sind bereits im Kassensystem als eingecheckte Kunden registriert. Andererseits erlaubt das dem mobile POS Anbieter, über die App das anonymisierte Kaufverhalten des Kunden an den Händler mitzuteilen – was im Fachjargon als “closing the data loop” bezeichnet wird. Der Händler wiederum kann diese Information für zielgruppengerichtetes Marketing über die mobile POS App auf dem Handy des Kunden nutzen. Damit kann sich in der Zukunft das Geschäftsmodell der Zahlungsdienstleister wandeln, weg vom reinen Transaktionsgeschäft hin zur Customer Insights und Marketing Plattform.

 

Gastautor: Florian Bertele ist der Gründer von Uniqloud, einem Dienstleister für Marktstudien zu innovativen Technologien und Trends. Florian hat als Consultant und Product Manager über mehr als sieben Jahre Kunden in IT strategischen Fragen unterstützt. Seine Kernexpertise liegt in den Bereichen ECommerce, Payments und Mobile Technologies. Florian ist Diplom-Informatiker und hält einen MBA von INSEAD, mehr zu ihm auf XING und der Uniqloud Webseite.

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