digiensamble-silentnight

Am 6. Dezember 2012 Von In Mobile Art, Mobile Music

“Silent Night” mit Music Apps

Spätestens zum Nikolaustag wird überall die Weihnachtszeit eingeläutet und meist für Eigenpromotion genutzt. So hat heute Nacht auch das Berliner DigiEnsemble die Chance genutzt, um mit seiner mobilen Version von “Silent Night” auf sich aufmerksam zu machen.

Auch wenn es sich hierbei auf dem ersten Blick nur um eine nette Idee handelt, so dient diese Interpretation als ideale Referenz, um den momentanen technologischen Fortschritt der Mobile Music Apps und deren Fähigkeiten zu anaylsieren. Und dabei nach wie vor eine Machtlosigkeit bei Musikstücken vorzufinden, die wie “Silent Night” vor allem wegen ihrer gefühlvollen Interpretation wirken. Oder anders gesagt: Im Gegensatz zu den Musikern bin ich der Meinung, “Jingle Bells” wäre auf Grund seiner Einfachheit vielleicht ein besseres Stück für die mobile Musikproduktion gewesen.

[tube]http://www.youtube.com/watch?v=3lfxN6uQwGU[/tube]

Obwohl hier wirklich fähige Einzelmusiker vor den Tablets stehen, will die Wärme, die das berühmte Stück normalerweise verbreitet, nicht wirklich greifen. Dabei meine ich noch nicht einmal die offensichtlichen Dissonanzen, die das Stück zu Beginn dominieren.
Vielmehr merkt man den Musik-Apps nach wie vor an, dass die Artikulationsmöglichkeiten – höflich formuliert – noch nicht sehr ausgereift sind, weswegen normalerweise auch bevorzugt synthetische Instrumente simuliert bzw. gespielt werden. Natürlich steht es jedem frei, “Silent Night” durch synthetisches Gepiepse zu verhunzen, schließlich gibt es auch genügend Inka- und Panflötenversionen von allen erdenklichen Weihnachtsliedern.

So gibt es seitens der App-Entwickler natürlich zahlreiche Bemühungen, dem gegen zu wirken. Vor allem Apples Garage Band versucht z. B. das mangelnde Feedback für Musiker beim Drücken einer Klaviertaste – die Anschlagdynamik – durch intelligenten Einsatz des Bewegungssensors zu simulieren. Das kann mit viel Nachbearbeitung im Sequenzer tatsächlich gut klingen, im Livebetrieb verfehlt der Algorithmus seine Wirkung, nicht umsonst klingt auch die Klaviermusik der neuen iPad mini Werbung trotz netter Melodie sehr hölzern.

Und so sind es hier bei “Silent Night” vor allem die Stimmen, die versuchen den Mangel an Artikulation, Wärme und Menschlichkeit auszugleichen und den Bezug durch Variationen zur Thematik herzustellen. So greift diese Interpretation auf den Zuhörer auch erst dann über, als die digitalen Instrumente etwas in den Hintergrund treten (ab 2:13min), die Stimme der großartigen Viola Bornmann einsetzt und “Silent Night” ein Stück seines Original zurück gibt.

Nichtsdestotrotz halte ich diese Eigenpromotion mit hohem Potenzial für viralen Effekt durchaus für gelungen und ich werde das DigiEnsemble Berlin auch weiter bei seinen interessanten Musikexperimenten und -projekten verfolgen. Doch in diesem Fall bleibt Dank SoundPrism, GeoSynth, DrumsXD (iOS) und vor allem Nodebeat (Android) leider noch eine gewisse Distanz bis zum Schlussakkord erhalten.

Ich freue mich nun um so mehr auf deren Interpretation eines Weihnachtsliedes 2013, die Entwickler und Musiker haben ja jetzt noch 365 Tage Zeit zu üben.

Tags : , , , , ,

In unseren kostenfreien Newsletter eintragen

Patrick Voelcker

Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *