BlackBerry – Auferstehung von den Toten?

Research in Motion gibt Vollgas für den Neustart und es ist spannend abzuwarten, ob die Anstrengungen für die Auferstehung am 30.01.2013 reichen werden.

Am 30.01.2013 wird Research in Motion das neue System launchen auf dem alle Hoffnungen des Unternehmens ruhen – BlackBerry 10. Ich habe schon in anderen Beiträgen meine Skepsis zum Ausdruck gebracht, ob all diese Anstrengungen ausreichen werden und ich bin immer noch skeptisch. Aber ich bin weniger skeptisch als noch vor 2 Monaten. Warum ist das so?

RIM hat in den letzten Monaten sehr viel richtig gemacht, speziell im Enterprise-Bereich, der existentielle Bedeutung für das Unternehmen hat – auch wenn RIM dies oft selbst nicht zu verstehen scheint. Denn es gibt nach wie vor viele BlackBerry-Installationen in den Unternehmen, die sich zwar zu einem erheblichen Teil im Transit in neue Device-Welten befinden oder darüber nachdenken. Viele “schielen” aber auch auf den 30.01.13 in der Hoffnung, dass RIM konkurrenzfähige Geräte launcht, die dann auch so schnell verfügbar sein sollten wie man dies von Apple gewohnt ist.

Und RIM hat in den letzten zwei Monaten gezielt die Enterprisepartner des Unternehmens adressiert und motiviert Apps für BlackBerry 10 zu entwickeln bzw. auf BlackBerry 10 zu portieren. Das war auf der BlackBerry Jam im September nicht ansatzweise in dieser Ausprägung zu erkennen. Während man in San Jose noch den Eindruck hatte “Masse statt Klasse” hat sich dies in den letzten zwei Monaten signifikant gedreht. Nunmehr bemüht sich RIM wieder sehr intensiv und sympathisch um die Partner, die Enterprisekunden im Fokus haben.

Ich nehme dies auf zwei Kanälen wahr. Zum einen ist da die PR, die die Presse bearbeitet und informiert und die diese Neuigkeiten in der Partnerbetreuung kommuniziert. Doch das ist im Kern nicht sehr bedeutend, da PR und Realität sich in der Vergangenheit bei RIM nicht immer gedeckt haben, womit RIM natürlich keine Alleinstellung einnimmt.

Viel bedeutender ist, dass diese Kommunikation auch tatsächlich in Richtung der Partner kongruent erfolgt und von einem breiten Fächer an Massnahmen untermauert wird. Da werden Partnern kostenlose Geräte für die Entwicklung angeboten, da wird Support bei der Vorbereitung auf BlackBerry 10 offeriert, den es – im Gegensatz zu mancher Gelegenheit in der Vergangenheit – dann auch tatsächlich gibt. Es gibt regelmäßige Webinare und ein eigenes neu gestaltetes Partnerportal.

Am deutlichsten wird der Paradigmenwechsel aber darin, dass RIM sein altes Partnerprogramm komplett entsorgt hat. Die (hohen) Gebühren, bei denen sich mancher Partner fragte, wofür die eigentlich sind, sind gestrichen. Statt dessen wurde ein neues Konzept an den Start gebracht, dessen Konturen viel versprechend sind, nicht alle Details sind heute schon erkennbar.

Bei alledem darf man eines nicht vergessen. RIM war immer – auch in den Chaoszeiten – eine tendenziell sympathische Firma mit vielen sympathischen Mitarbeitern, von denen nur wenige die arrogante Attitüde mancher Mitbewerber hatten. Dies bestätigen einem fast alle RIM-Partner, auch die ehemaligen. Und dieser sympathische Ansatz kommt auch bei den aktuellen Massnahmen zum Vorschein. Natürlich braucht RIM Hilfe und Unterstützung. Es ist aber bei den großen Herstellern in der Mobility keineswegs selbstverständlich, dass das Einwerben von Hilfe, Unterstützung und Partnerschaft freundschaftlich und wenig großspurig erfolgt, Nokia ist hier ein anderes positives Beispiel – wenn auch aktuell unter anderen Vorzeichen als RIM.

Denn RIM hat das Launchdatum strategisch clever gewählt. Es ist ausreichend früh in 2013, um noch in das für die Hersteller so wichtige Weihnachtsgeschäft zurückzuwirken und so manchen dazu bewegen, seine Entscheidung für ein neues Smartphone um 6 Wochen zu vertagen. Wenn RIM dann am 30.01.13 noch ankündigen kann, dass die Geräte kurzfristig verfügbar sind – beispielsweise zum Mobile World Congress 2013, der vom 25.-28.02. in Barcelona stattfindet  – hat RIM viel von der Aufmerksamkeit auf sich gezogen, unabhängig davon, was andere Hersteller tun werden.

RIM hat auch Glück. Denn die anderen Anbieter haben ihr Pulver verschossen, von Apple und Google ist eher nichts zu erwarten und Windows Phone 8 ist schon beim Start verpufft und gescheitert.

Der Flop von Windows 8 war vorhersehbar, der von Windows Phone 8 auch. Insofern kann es auch gut sein, dass RIM den 30.01.13 sehr bewusst gewählt hat um die Aufmerksamkeit für Windows Phone 8, den direkten Konkurrenten um Platz 3 bei den mobilen Betriebssystemen, verpuffen zu lassen. Man hat dann im Januar 2013 die ungeteilte Aufmerksamkeit für etwas wirklich Neues, denn das ist BlackBerry 10 im Gegensatz zu Windows Phone 8 zweifelsfrei.

Es bleibt spannend in der Mobility …

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Klaus Düll

Klaus Düll

ist seit vielen Jahren der Mobility im Enterprisebereich verbunden. Er ist ein international angesehener Consultant für mobile Fragen von Unternehmen und der Kopf hinter der datomo Mobility Suite, einer führenden mobilen Applikationswelt für Unternehmen. Zu seinen Hobbys gehört auch das Schreiben über Mobility, was er seit vielen Jahren tut. Andere Beiträge von ihm findet man im Pretioso Blog.

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1 Kommentar

  • Jürgen Vielmeier

    Den angebliche Verpuffen und Scheitern von Windows Phone 8 machst du genau woran fest?

    Ansonsten stimme ich dir zu. Nachdem, was ich von BB10 bisher gesehen habe, bin ich da weniger skeptisch als noch vor einem halben Jahr. Es geht eher in Richtung eines der derzeit fortschrittlichsten Systeme auf dem Markt. Das Datum halte ich auch für gut gewählt. Wenn das jetzt alles so gut funktioniert, wie in den Demos, kann RIM das Comeback gelingen.

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