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Am 26. November 2012 Von In Mobile Enterprise

Daimler löscht auf Wunsch E-Mails!

Woaw! Diese Nachricht ging am Wochenende über den Presseticker. Spiegel, N-TV, Handelsblatt und Co. berichteten über die neue Regelung zur Verbesserung der Work-Life-Balance bei Daimler Mitarbeitern. Vorrausgegangen war eine Studie in Kooperation mit der Universität Heidelberg in der 6000 Daimler Beschäftigte zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben befragt wurden, darunter auch Führungskräfte. Die Mitarbeiter gaben an, dass E-Mail längst kein willkommenes Kommunikationsmedium mehr ist, sondern zu einer Belastung geworden ist.

Der Betriebsrat und die Unternehmensleitung wollen hier Abhilfe schaffen und haben eine neue Policy zum Schutz der Arbeitnehmer verabschiedet, die Anfang 2013 in Kraft treten soll.

Jeder Mitarbeiter, auch Manager, soll nun die Möglichkeit haben auf Wunsch während der Urlaubszeit ankommende E-Mails löschen zu lassen. Ja, richtig gelesen – zu löschen! Das war ein kurzer Schock für mich, ich wurde dann aber schnell etwas ruhiger, als ich weitergelesen habe und gesehen habe, dass es eine Vertretungsregelung gibt, so dass die E-Mails trotzdem bearbeitet werden und eine Verantwortlichkeit gegeben ist.

Ohne Frage sind der Urlaub und die Freizeit von Mitarbeitern ein wichtiges und schützenswertes Gut. Es kann nicht verlangt werden und sollte auch nicht üblich sein, dass Mitarbeiter im Urlaub E-Mails lesen und beantworten. Daher ist das Ziel von Daimler ehrenwert und auch ein richtiges Signal. Aber E-Mails löschen! Ich möchte nicht wissen, wie viele sehr wichtige Informationen dann im Sande verlaufen. Grade für Angestellte in Führungspositionen ist das sicher ein großes Problem, hier kann auch eine Vertretungsregelung nicht effizient Abhilfe schaffen. Gehört es doch grade nicht zu dem Anforderungsprofil eines Managers Dinge „laufen zu lassen“. Aus meiner Sicht gibt es auch eine Reihe von E-Mails und Aufgaben die persönlich sind und auch nur vom Empfänger erledigt werden können.

Die Pressemitteilung liefert an dieser Stelle nicht die notwendige Informationstiefe um die Regelung wirklich beurteilen zu können, insbesondere die Vertreterregelung ist unklar. Wie hat der Vertreter mit persönlichen Informationen umzugehen? Was ist mit Aufgaben die er nicht übernehmen kann? Wo und wie werden diese Informationen gesichert?

Ich halte es jedenfalls für einen gewagten Schritt und vermute, dass eine große Anzahl der Daimler Mitarbeiter diesen „Service“ nicht in Anspruch nehmen wird, insbesondere in höheren Positionen, wo die E-Mail Belastung und das „Leiden“ besonders hoch ist tritt daher nicht der gewünschte Effekt ein. Aus meiner Sicht wäre eine eingeschränkte Weiterleitung oder eine serverseitige Speicherung für die Urlaubszeit sinnvoller als eine Löschung in Verbindung mit einer Vertreterregelung. Ein volles Postfach nach dem Urlaub ist im Zweifel besser als die Vernichtung von Informationen.

Bildquelle

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Tobias Brockmann

Tobias Brockmann ist Managing Director des Competence Centers Connected Organization an der Universität Münster. Er promoviert im Bereich Mobile Enterprise und Social Software und ist als Dozent und Berater für die Themen Social Media und Mobile Services tätig.

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