Die Zukunft von Mobile Wallets – wer gewinnt den Wettstreit?

5. November 2012 14:10 Mobile Payment
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Banken, Kreditkartenunternehmen, Mobilfunkanbieter, Händler, digitale Giganten, unzählige Start-Ups und einige mehr interessieren sich für den riesigen Kuchen, den der Mobile Payment Markt zu verteilen hat. Wer wird am Ende als Gewinner dastehen? Der Anbieter der besten Technologie? Leadership-Figuren, die es schaffen, geschickte Partnerschaften zu schaffen und zu erhalten? Innovatoren mit neuartigen Geschäftsmodellen, wobei der Kunde am Ende mit seinen Daten bezahlt?

Mobile

Rudolf Linsenbarth stellt sich in diesem Artikel der Frage, wer den Gordischen Knoten beim Mobile Payment durchschlagen könnte:

Ich habe Anfang der 80er Jahre den Formatkrieg der Video Systeme verfolgt. Diesen erbittert ausgeführten Wettstreit gewann nicht das technisch beste System Video 2000, sondern VHS der Firma JVC. Das ist für mich ein faszinierendes Lehrstück in Wirtschaftsgeschichte.

Der Formatwettstreit im Bereich Mobile Payment ist spannender, komplexer und besteht aus 3 nebeneinander laufenden Wettbewerben.

  1. Der Wettstreit der Technologien
    Eigentlich steht mit der Sieger bereits fest. Trotzdem startet Passbook mit QR Codes. Ich denke aber Apple wird umsteigen, wenn das Geschäftsmodell, viele Goldgräber, ein Minenbesitzer etabliert ist.
  2. Der Wettbewerb der Payment Schemes
    In Deutschland werden viele Systeme an den Start gehen. Die Finanzindustrie mit Paypass, Paywave und Girogo, der Handel mit Yapital und Valuephone, dazu kommen dann Apple, PAYPAL, Google, und co. Die MNO’s halten derzeit auch noch am eigenen Payment Schema fest. Die Ablösung des im Handel äußerst beliebten ELV auf Grund von SEPA, wird noch weitere Zahlungsverfahren hervorbringen. Mit NFC und einer guten Standardisierung ist es dem Handel möglich, alle anzubieten. Die Frage ist nur, wie viele davon bestehen am Markt?
  3. Wer kontrolliert das Wallet des Kunden
    Dies ist der spannendste Kampfplatz und auch der Grund warum Mobile Payment sich so schwer tut. Die MNO’s haben ihr Geschäftsmodell noch nicht gefunden, und sind in ihrem Kerngeschäftsbereich erbitterte Wettbewerber. In diesem Umfeld ist es sehr schwer Standards durchzusetzen. Bei meinen Tests habe ich festgestellt, wie wenig außer Bezahlen (dafür allein braucht es kein Mobile Payment) derzeit funktioniert. Der Zahlungsbeleg in Google Wallet enthält z.B. nur die Information WANN gezahlt, kein WIEVIEL oder WO, von einem wesentlich anspruchsvolleren WAS, ganz zu schweigen. Es wird demnächst Wallet’s geben, die die dafür nötigen Standards implementiert haben und andere nicht. Wird man auch jedes Wallet mit jedem Secure Element kombinieren dürfen? Wessen Karten, Coupons oder Eintrittskarten kann man in Zukunft in sein Wallet packen? Wer wird die Ausweise für eine digitale Identität bereitstellen?

Da im Augenblick aber kein „großer Alexander“ in Sicht ist wird hier wohl eher kein Knoten durchschlagen, sondern Schritt für Schritt von allen Marktteilnehmern ein gordisches Knäuel entwirrt.

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Rudolf Linsenbarth

Rudolf Linsenbarth

Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant für den Bereich Mobile Payment und NFC bei der COCUS Consulting GmbH. Zuvor war er 11 Jahre im Bankbereich als Senior Technical Specialist bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Bankengruppe). Hier auf mobile zeitgeist schreibt Rudolf Linsenbarth in eigenem Namen .Mehr über Rudolf auf XING.

2 Kommentare

  • Ich denke Apple startet mit QR Codes, weil sie NFC noch nicht in ihren Geräten haben wollen. NFC ist aus meiner Sicht die zur Zeit beste Technologie und Interaktionsform, um Payment mit einer guten User Experience umzusetzen. Apple integriert Technologien aber nur in ihre Hardware, wenn sie damit auch eine Anwendungen oder Dienst gewinnbringend für Apple verknüpfen können.

    Im September 2012 waren bei Apple 435 Millionen iTunes-Konten mit Kreditkarte oder anderer Bezahloption hinterlegt http://www.zdnet.de/88129542/apple-verschiebt-itunes-11-auf-ende-november/.

    Ich denke, es wird der Tag kommen, wo ich mit meinem iPhone im Supermarkt bezahle. Aber nur, wenn es für den Nutzer maximal einfach und unkompliziert funktioniert.

    Bis dahin haben wir Passbook und QR Codes :-)

    • Niklas Bürger

      Ganz meine Meinung: es muss vor allem unkompliziert sein! Wer schon einmal z.B. in Hongkong oder Tokio mit den dort weit verbreiteten Chipkarten Metro gefahren, im Geschäft und Restaurant gezahlt hat, der ist schnell hiervon begeistert – auch weil eben alles innerhalb von Sekunden erledigt ist.

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