Mobile Music-Innovationen auf der MLOVE Mobile x Music Conference (II)

Zu Teil I

Der Nachmittag

Nach der Mittagspause versammeln sich die Teilnehmer wieder im Theatersaal für die Keynote von Beverly Jackson, Director Marketing & Social Media für die Grammy Awards bei The Recording Academy (Los Angeles, Kalifornien). In ihrer emotionalen und mitreißenden Rede macht Jackson deutlich, dass auch bei einer Institution wie den Grammys eine globale und soziale Perspektive immer wichtiger wird, da Musik Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Um seinen Job bestmöglich ausüben zu können, muss man ihrer Meinung nach heutzutage ein echter Querdenker sein und sich bestimmte Kenntnisse (z.B. über die neuesten App-Tools wie RjDj) und Fähigkeiten aneignen. Technologie ist das Zentrum – und Mobile Media, Social Media und Digital Media gehen dabei Hand in Hand. Durch die große Informationsflut und die vielen neuen Entwicklungen ist es jedoch schwierig, herauszustechen, daher muss man den Leuten stets exklusive Inhalte bieten – am besten “on the go” auf Mobiltelefonen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist laut Jackson das “Engagement Level”. Man will den Leuten, die mit einem interagieren, etwas zurückgeben. Die Recording Academy hat daher ein großflächiges “Mobile Program” mit origineller Strategie und einer Mobile App gestartet, das fest ins Marketing integriert wird. So versucht man sich in der Masse Gehör zu verschaffen. Die Keynote wird mit viel Applaus aufgenommen.

Im nunmehr letzten Panel des Tages mit dem Thema “New Music Industry” fachsimpelt Beverly Jackson daraufhin zusammen mit Martin Brem (Head of Audio Portfolio bei Red Bull Media House), Mark Wheatley (Director Music and Media Experiences bei Nokia) und Michael Breidenbrücker von RjDj unter der Moderation von Harald Neidhardt über die Zukunft der Musikindustrie und mobilen Technologien.

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Foto Credit: MLOVE

Martin Brem erzählt, dass er früher bereits im Musikgeschäft gearbeitet hat und sogar ein eigenes Label besaß. Mit dem Aufkommen von Napster wurden die Zeiten jedoch so unschön, dass er daraufhin dem Geschäft den Rücken kehrte. Erst in seinem jetzigen Job bei Red Bull wurde ihm klar, dass eine bekannte Marke mit hoher Affinität zu Musik, Crossmedialität und mobilen Technologien das perfekte Arbeitsfeld für ihn ist. Sein absoluter “Wow!”-Moment mit digitalen Medien fand statt, als er Spotify für sich entdeckte, da dieser Service den Musikkonsum komplett auf den Kopf stellte und man dadurch seine Playlists auch mit seinem Handy überallhin mitnehmen konnte. Auch das Zahlungsmodell ist hier ein völlig anderes. Brem ist der Meinung, dass sich ein Service wie Spotify sehr für Künstler lohnen kann, wenn man die gestiegene Aufmerksamkeit, die die Menschen nun der Musik schenken, adäquat monetarisiert. Er sieht hier für die nächsten zehn Jahre ein großes Entwicklungspotenzial.

Mark Wheatley vertritt ebenfalls die Meinung, dass die Verbindung zwischen Künstlern und Marken ein Modell für die Zukunft ist. Allerdings merkt er hierbei auch an, dass es sehr wichtig ist, die “Sleeper” (= eine große Menge an Endzwanzigern und Mittdreißigern, die im Laufe der Jahre von der Musik abgekommen ist) wieder zur Musik zu bringen und Musik allgemein wieder zu einem kulturellen und generationenübergreifenden Phänomen zu machen. Das Digitale hat die Menschen zwar weitergebracht, aber auch faul gemacht – und als Digital-Service buhlt man stets um Aufmerksamkeit und Geduld. Mit einem hohen Grad von Komplexität riskiert man es zudemn, die Menschen zu verlieren. Daher sollte man stets nach einfachsten und intuitivsten Lösungen suchen, um die Leute am Ball zu halten.

Auf die Frage hin, wie man solche passiven Hörer, die Musik eher als Hintergrunduntermalung nutzen, in aktive und interaktiv agierende Hörer verwandeln kann, betont Beverly Jackson, dass selbst das passive Hören bereits Einfluss auf die Psyche des Menschen nehmen kann. Sehr viele bekannte Musikstücke oder auch der eigene Klingelton lösen beim Erklingen direkt etwas in der eigenen Psyche aus, auch wenn man sie nicht aktiv hört. Heutzutage hat der Künstler ihrer Meinung nach eine viel größere Verantwortung, da neueste Technologien immer mehr die Label-Mittelmänner ersetzen. Daher muss der Künstler seinen eigenen Weg finden, mit Leuten direkt zu interagieren – egal ob über Streaming, Downloads oder sonstigen Mitteln.

Dies wirft wiederum bei Moderator Neidhardt die Frage auf, wie man nun z.B. über ein neuartiges Tool wie eine App Künstler “breaken” und gleichzeitig seine Marke aufbauen kann. Michael Breidenbrücker setzt die App-Welt hierbei mit der Musikwelt gleich, da nur wenige wirklich den Durchbruch schaffen. Man hat zudem nur wenig Zeit, um sich ein Zahlungsmodell auszudenken und die Dinge wirklich an den Start zu bringen. Mit RjDj hat er dieses “One-Hit-Wonder” auch und besonders durch die gerade sehr angesagten Augmented Reality-Features geschafft. Damals mit Last.fm wollte er jedoch die Hörer dazu ermutigen, selbst zu entscheiden, was gut ist und was nicht. Services wie Spotify sind nun auf diesen Zug aufgesprungen, doch er denkt, dass in der App-Welt in der Hinsicht noch viel zu tun ist.

Diese Statements führen zu einer Diskussion über die Zukunft der Musikindustrie - mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass in den Chefetagen dieser Welt oft noch immer eine altmodische Denkweise vorherrscht. Einig sind sich jedoch alle, dass man nicht mehr nur noch CDs kaufen muss, um mit Musik eine Verbindung zu den Hörern aufzubauen. Neue, originelle Formate sind der Weg zum Ziel. Auch Spotify ist und bleibt in der Hinsicht ein großes Diskussionsthema. Breidenbrücker gibt hierbei zu, öfter von der riesigen Musikauswahl überfordert zu sein, und auch Jackson gesteht, dass sie eher selten Spotify hört und lieber zu Mood Radio tendiert, weil Musik oft ein Soundtrack für lebensverändernde Situationen ist.  Im Gegensatz zu Brem nennt Jackson als ihren “Wow!”-Moment in der digitalen Welt den Musikerkennungs-Service Shazam. Für Wheatley war es die Entdeckung von Last.fm und die Tatsache, dass digital wieder persönlich und international sein kann.

Bei der abschließenden Frage nach der zukünftigen Rolle der Majorlabels ist Brem der Meinung, dass Bands heutzutage keinen Plattenvertrag mehr brauchen, jedoch unbedingt einen Verlagsvertrag. Seiner Meinung nach haben es die großen Plattenlabels auf die harte Tour lernen müssen, jedoch ist die Industrie noch immer am Leben und macht ihr Geld, was er sehr beeindruckend findet. Allerdings – und da sind sich schlussendlich alle einig – ist die Zukunft eher im Digitalbereich zu finden. Dies beweisen besonders die Kids von heute ganz deutlich durch ihren veränderten Musikkonsum, der durch neue (mobile) Technologien geprägt wurde.

Nach diesem sehr inspirierenden letzten Panel ist die Zeit nun reif für ausgiebiges Netzwerken. Gegen 17:00 Uhr ist mit Ex-MTV-Moderator Ray Cokes und seiner Reeperbahn-Revue zur Abwechslung mal inhaltlich leichtere und amüsantere Kost angesagt und im angrenzenden Sommersalon findet eine Stunde später dann eine Reception mit Happy Hour und Büffet statt, um der Konferenz ein würdiges und harmonisches Ende zu bereiten. Alles in allem war die Mobile x Music eine sehr gut organisierte und vor allem auch sehr informative und gedankenreiche Veranstaltung, die durch belesene Speaker mit originellen Einfällen und Gedanken definitiv wichtige Impulse zur Zukunft der Musik- und Mobile-Branche gegeben hat. Ein großes Lob und Danke geht daher raus an MLOVE, die Speaker und natürlich auch an die Teilnehmer, die allesamt mit ihrem Input die Veranstaltung bereichert haben!

 

… Aside Mobile

Abseits der mobilen Welt gab es auf dem Reeperbahn Festival natürlich noch einiges mehr zu erleben. Musikalisch gesehen gab es neben eindrucksvollen und energiegeladenen Performances von namhaften Acts und Newcomern wie The Temper Trap, Joshua Radin, FUN., Royal Republic, Lukas Graham und Lena Meyer-Landrut etliche Länder-Showcases (z.B. von der Schweiz, Italien, Kanada, Luxemburg und Portugal), spontane Outdoor-Konzerte, Plattenfirmen- und Verlags-Showcases, musikalisch untermalte Jubiläumsfeiern, wilde Clubbing-Nächte, intime Konzerte an außergewöhnlichen Orten wie einer Kirche… und zudem allerlei weitere Kuriositäten rings um Reeperbahn, Spielbudenplatz, Hans-Albers-Platz, Große Freiheit und Co. In St. Pauli steppte an diesem Wochenendealso definitiv der Bär!

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Auf dem dazugehörigen Reeperbahn Campus traf sich das Who is Who der deutschen und teilweise auch internationalen Musikindustrie, um im Rahmen von Panels, Workshops und Talks u.a. über Themen wie Nachhaltigkeit, Transparenz, Zukunftsmodelle, die jetzige Medienlandschaft, das allseits beliebte Thema Streaming und auch über Genres wie Heavy Metal zu diskutieren. Unter anderem nahmen Vertreter von Firmen wie Universal Music, Spotify, WiMP, Finetunes, GEMA, VUT, Sony Music und Century Media Records an den Veranstaltungen teil. Umrahmt wurde der Konferenzteil von diversen Networking-Sessions. Hier hatten die Delegierten u.a. die Möglichkeit, Repräsentanten von Indie-Labels, Verlagen, Digital-Services, Agenturen und Management-Firmen kennen zu lernen!

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Lisa Young In

Lisa Young In (* 1988) ist Musikbusiness-Studentin mit Schwerpunkt Digital Management an der Popakademie Baden-Württemberg. Nebenbei arbeitet sie als Artist Promoterin für die beiden Bands IN LEGEND und JULIEN-K. Neben der Musik liegen ihr besonders neue Medien und das Web 2.0 am Herzen. Besonders aufgrund ihrer Reisefreudigkeit hat sie zudem ein Faible für mobile Technologien entwickelt.

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