Technostress durch Smartphones als Beziehungskiller

Zugegebenermaßen, der Titel klingt etwas reißerisch. Aber in der Tat geben in einer australischen Studie von Good Technology 1,4% der Befragten an, dass ihre Beziehung aufgrund einer erhöhten beruflichen Kommunikation mit dem Smartphone in die Brüche ging. Inwiefern die berufliche Smartphonenutzung außerhalb der Arbeitszeiten, der alleinige Grund für das Beziehungsende ist, wurde allerdings nicht weiter betrachtet.

Nichts desto trotz, existiert das Phänomen des Technostress. Technostress beschreibt das Stressempfinden ausgelöst durch Technologie. Dies kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. So kann die Nutzung einer neuen komplexen Software gepaart mit dem Druck eine Deadline einzuhalten zu Stress führen. Technostress wird somit durch die Aufgabe, Fähigkeiten, Kontext und verwendete Technologie charakterisiert und beschreibt, dass dadurch entstandene Stress-Level.

Insbesondere in der beruflichen Kommunikation mit mobilen Endgeräten spielt Technostress eine erhöhte Rolle. Die ubiquitäre Verfügbarkeit sämtlicher Kommunikationskanäle auf einem Gerät, erhöht das Technostresslevel und erschwert eine Vereinigung von Berufs- und Privatleben.

In der Studie von Good Technology geben 88% der Befragten an, dass Sie Aufgrund von beruflicher Smartphone-Nutzung Überstunden machen. 35 % der Australier rufen noch vor 7 Uhr morgens ihre E-Mails ab (vom Bett aus). Die Studie belegt weiterhin, dass eine starke Bindung zum Smartphone besteht und deshalb die Produktivität erhöht ist und es leichter fällt mit Freunden und der Familie in Kontakt zu bleiben. In diesem Zusammenhang wurde auch genannt, dass Smartphones den Aufbau von Beziehungen vereinfachen, was dann wiederum den 1,4% deren Beziehung beendet ist zugutekommt.

Unbestreitbar ist sicher, dass Smartphones zu einer immer stärkeren Vermischung zwischen Beruf und Privatleben führen und es einer erhöhten Selbstorganisation der Mitarbeiter sowie einem modernen Führungsstil der Vorgesetzten bedarf, um eine erfolgreiche Work-Life-Balance zu vereinfachen. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass eine Reduktion der beruflichen Erreichbarkeit, z. B. durch das abschalten der E-Mail Weiterleitung, wie es Volkswagen gemacht hat, nicht das Allheilmittel für eine glückliche Work-Life-Balance ist. Ich kenne viele in meinem Umfeld, mich eingeschlossen, die ein erhöhtes Stressempfinden haben, wenn sie nicht mobile zu erreichen sind.

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Tobias Brockmann

Tobias Brockmann

Tobias Brockmann ist Managing Director des Competence Centers Connected Organization an der Universität Münster. Er promoviert im Bereich Mobile Enterprise und Social Software und ist als Dozent und Berater für die Themen Social Media und Mobile Services tätig.

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