SAP

Am 7. Oktober 2012 Von In Mobile Developing, Technologien

Keine halben Sachen – die Mobile Enterprise Strategie der SAP

In der Geschäftswelt sind derzeit viele Leute sehr bemüht. Mitarbeiter bemühen sich um Wege ihre (meist privaten) Smartphones und Tablets nach den eigenen Vorstellungen im geschäftlichen Alltag zu nutzen, CIOs bemühen sich, oft genau das zu verhindern und Softwarehersteller bemühen sich um passende Lösungen – für beide Seiten. Mit dabei ist jemand, den wir in diesem innovativen, hochdynamischen Marktumfeld eigentlich nicht vermutet hätten: die SAP.

In Walldorf hat man im Sommer 2010 einen neuen Versuch gestartet, dem Begriff Mobile Enterprise Substanz und Nachhaltigkeit zu stiften. Man hat die Firma Sybase akquiriert – bis dato eher bekannt für ihre Datenbankprodukte, aber auch als Premium-Anbieter für den Versand von mehr als 200 Milliarden SMS im Jahr. Bei dem Deal lag das Hauptinteresse des Käufers aber wohl eher auf zwei anderen Produkten:

  • Sybase Unwired Platform (SUP) stellt als klassische “Mobile Enterprise Application Platform” eine Entwicklungsbasis für mobile Anwendungen dar und bildet als eine Art Mobile Middleware das Bindeglied zwischen beliebigen Enterprise-Systemen und mobilen Endgeräten
  • Sybase Afaria ist ein klassisches Mobile Device Management Tool, mit dem sich auch große Gerätepools umfassend verwalten und kontrollieren lassen

SAP LogoDiese beiden Lösungen gelten seither als Kern der aktuellen SAP Mobility-Strategie. Und wer in den vergangenen Monaten zu Gast auf einem SAP-Event war, dem dürfte klar geworden sein, dass Europas größte Softwareschmiede hier keine halben Sachen macht. Neben SUP und Afaria wurde auch gleich ein eigener AppStore aufgebaut, in dem zum Launch im Herbst 2011 über 50 SAP Business Apps veröffentlicht wurden. Masse statt Klasse? Zumindest sind einige sehr interessante Ansätze dort zu finden, wie z.B. SAP Electronic Medical Record, einer gemeinsam mit der Berliner Charité entwickelten Patientenakte für das iPad. Hinzu kommen zahlreiche Apps von SAP-Partnern, die ebenfalls spezifische Prozesse und Transaktionen für die mobile Nutzung aufbereiten. Es sind aber auch einige Beispiele dabei, die es über ihren initialen Verwendungszweck einer Demo wohl nur selten hinweg schaffen werden.

Vor kurzem hat SAP mit Syclo dann noch einen weiteren großen Player am Markt akquiriert. Syclo bietet nicht nur die eigene Anwendungsplattform Agentry, sondern gleich eine ganze Reihe bereits marktreifer Industrielösungen für zahlreiche Branchen wie Oil&Gas, Manufacturing, Healthcare, Utilities und andere.

Mobility ist ein strategisches Thema

Für die SAP ist Mobility eines von 3 hochstrategischen Themen für die nächsten Jahre, neben Cloud und Big Data. Demzufolge wird in unvorstellbarem Maß in Marketing und Marktentwicklung investiert. Dabei orientiert man sich an der Apple-Tradition: Der Kunde weiß erst dann, dass er Business Intelligence Reporting auf dem iPad braucht, wenn er es gesehen hat. Und so kommen die meisten SAP Business Apps derzeit kostenlos und mit integriertem Demo-Modus daher. Erst wenn man in den Einstellungen die passenden Zugangsdaten zu einem SUP-Backend eingibt, werden sie produktiv.

Die SAP lernte schnell und hat sich all die schönen Mobility-Paradigmen (“App-Users don’t read manuals” etc.) bereitwillig zu Herzen genommen. “So geht UI” hörte man schon den einen oder anderen SAP’ler stolz präsentieren. Dabei brachte allein die Berücksichtigung von Apple’s Standard-Development-Guidelines das bisher fragwürdige Usability-Verständnis des Konzerns auf einen völlig neuen Level. Es sind durchaus eine Reihe ansehnlicher Anwendungen entstanden, die sich optisch deutlich vom staubigen UI-Image des Konzerns abheben.

Den Machern geht es nicht darum, die SAP GUI auf das iPad zu bringen (bloß das nicht!), sondern um die möglichst bedarfsgerechte und intuitive Abbildung von Geschäftsprozessen auf Smartphones und Tablets. Ein lobenswerter und zumindest teilweise gelungen realisierter Ansatz, den manch einer gerade den Herrschaften aus Walldorf als allerletztes zugetraut hätte.

Aber noch ist vieles Theorie

Auch wenn Lizenzmodelle und notwendige Investitionen noch nicht jeden klassischen SAP-Kunden überzeugt haben, so hat man mit den Produkten von Sybase und dem kürzlichen Zukauf von Syclo vielleicht dennoch einen vielversprechenden Weg eingeschlagen. Ein Sahnehäubchen: die just angekündigte Integration mit populären Entwicklungstools wie Appcelerator TitaniumPhoneGap und Sencha Touch erschliesst aktuelle Cross-Platform-Technologien und eine breite Developer-Community.  Für das erste Halbjahr 2013 hat SAP die vollständige Integration all dieser Produkte und Technologien zur neuen SAP Mobile Platform (SMP) angekündigt. Diese könnte – nicht nur nach Meinung von Gartner – zu einer gefragten Entwicklungsplattform speziell für den Enterprise Einsatz werden und soll dann alle drei Beziehungsszenarien eines Unternehmens bedienen: B2E, B2B und B2C. Doch dies ist ein ambitioniertes Ziel und derzeit noch blanke Theorie.

Tags : , , , , , , , , , , , , ,

In unseren kostenfreien Newsletter eintragen

Christian Klöppel

Christian Klöppel ist Head of Global Mobility Consulting bei CSC. Er und sein Team von über 140 Consultants beraten und unterstützen internationale Kunden zu strategischen und operativen Fragen rund um Mobile Lösungen und die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Christian arbeitet seit 1997 bei CSC und fokussiert sich seit 2010 auf Mobility & Digitalization.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *