Warum NFC ein sensibles Thema ist

Mobile Payment und NFC sind zwei fest miteinander verwobene Themen. Das iPhone 5 hat die NFC-Technologie nicht integriert und wird vorerst nicht den Markt für NFC-Payments beschleunigen.  Über diese Entscheidung von Apple hat auch unser Autor Klaus Jansen-Knor in einem der TOP-Artikel des Monats September eine Analyse geschrieben.

Dies soll nicht heißen, dass NFC keine große Zukunft vor sich hat. Doch es bedarf zunächst umfassender Aufklärung und mehr Zeit für den Endanwender.

NFC – mehr Transparenz gefordert

Dr. Marc-Oliver Reeh und Christopher Buschow, M.A. vom Center for NFC Management beleuchten im folgenden Artikel die „Hypersensibilität“ von NFC und mögliche Lösungsansätze:

Near Field Communication – Emotionale Debatten vermeiden durch Wissen und Transparenz

NFC wird gehypt und verteufelt, jeder will es, niemand braucht es. Viel verworrener könnte die mediale Großwetterlage kaum sein. Für die einen ist NFC eine seit Jahren heiß erwartete Technologie, die ihr Smartphone um attraktive Funktionen wie Mobile Payment ergänzen würde. Für die anderen ist NFC nur ein weiteres Instrument großer Konzerne, um mehr über das Einkaufsverhalten ihrer Kunden zu erfahren.

Den größten Anteil potentieller NFC-User stellt jedoch eine dritte Personengruppe. Gemeint ist der normale Verbraucher, der bislang weder viel von NFC wahrgenommen, noch sich selbst eine qualifizierte Meinung über das Für und Wider gebildet hat. Aktuell können hierzu 80 Prozent der Bevölkerung gezählt werden. Genau um das Erreichen dieser Personen wird es gehen, soll NFC zum Markterfolg heranreifen und genau deshalb ist NFC ein hypersensibles Thema, da bereits wenige neue Informationen unreflektiert zu einer (guten wie schlechten) Bewertung führen können.

Wie sich Diskussionen um NFC erkennen und managen lassen

Mit Blick auf die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit von Meinungen in sozialen Netzwerken gilt es für Unternehmen, frühzeitig den Dialog mit relevanten Anspruchsgruppen zu suchen, um dem Thema NFC etwas von seiner Hypersensibilität zu nehmen. Sicher werden einzelne Marktteilnehmer das Gemeinwohl zum eigenen Vorteil außer Acht lassen. Umso mehr muss das risikobehaftete Thema Mobile Payment durch andere Inhalte gestützt werden, damit dem Anwender die Lust am neuen Spielzeug nicht gleich wieder verloren geht.

Der Forderung nach mehr Transparenz lässt sich nur dann nachkommen, wenn verstanden wird, um welche Aspekte gestritten wird. Für die Mehrheit der Anbieter von NFC-Lösungen wäre das kollektive Monitoring der öffentlichen Meinung bei Facebook, Twitter & Co. ein erster, grundlegender Bestandteil eines „NFC-Barometers“. Der anschließende Dialog in den Medien ist dann der nächste logische Schritt. Durch das komplexe NFC-Ökosystem könnte sich jedoch die Frage nach einem gemeinsam legitimierten Meinungsführer auf Unternehmensseite als großes Problem herausstellen.

Die Suche nach einem unabhängigen Expertengremium

Denkbar und notwendig wäre daher die Installation eines unabhängigen Expertengremiums, das explizit als Ansprechpartner für alle NFC-Nutzer zur Verfügung steht. Hier könnten einzelne Unternehmensvertreter sowie politische-rechtliche Institutionen den Kontakt zum Anwender herstellen. Das NFC-Forum als Standardisierungsgremium ist ein guter Ansatz. Nur dürften nicht allein technologische Aspekte berücksichtigt werden und auch Risikoszenarien müssen offen diskutiert werden. Eine hohe Glaubwürdigkeit lässt sich nur dann erreichen, wenn keine Gefahrenpotenziale ausgeklammert bleiben. Beim Thema Bezahlen mit dem Handy ein sicherlich nicht unwichtiger Aspekt.

Fazit: Zeit ist doch nicht relativ, sondern notwendig!

Am Ende des Tages gilt es, das Innovationspotential der mobilen Web 2.0-Gemeinde als eigenständige Marktgröße zu erkennen und zu respektieren. Grade NFC als Schnittstellentechnologie bietet auf hypervernetzten Systemen wie dem Smartphone die Möglichkeit, intelligente Lösungen kreativ zu nutzen und weiterzuentwickeln. NFC braucht von niemandem als Bedrohung verstanden werden. NFC ist vielmehr ein Instrument, um sich eine zunehmend smarte Umwelt zu Nutze zu machen. Allerdings will auch bei diesem Instrument der richtige Gebrauch erst gelernt sein.

Über die Autoren

Dr. Marc-Oliver Reeh ist Projektleiter am Center for NFC Management. Das CNM ist eine unabhängige Technologie- und Management-Beratung mit Sitz in Hannover und das größte NFC-Netzwerk im deutschsprachigen Raum. www.cnm-hannover.com

Christopher Buschow, M.A. ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) und ausgewiesener Experte im Bereich neuer Medien. www.ijk.hmtm-hannover.de

Maike Strudthoff

Maike Strudthoff

Maike Strudthoff ist Future Analyst und Consultant mit Spezialisierung auf Mobile Services Innovationen. Sie hilft Unternehmen die Marktentwicklungen der Zukunft zu antizipieren und Szenario-Roadmaps zu erstellen. In über 15 Jahren Berufserfahrung – unter anderem in globalen Konzernen und einer führenden Managementberatung – hat Maike zahlreichen Innovationsprojekten und Customer Centricity Initiativen zum Erfolg verholfen. Mehr über Maike auf XING, ihrer Website oder per Mail maikestrudthoff[at]mobile-zeitgeist.com

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