[Interview] Neuer Mobile Inkubator 1stMover geht an den Start

20. September 2012 11:58 Interviews, Start-ups

Zurzeit sind alle Augen in Sachen Internet-Start-ups, Venture Capital und Gründertum auf Berlin gerichtet. Und gleichzeitig entsteht in Düsseldorf ein “Mobile Incubator”, der bereits in der Seed-Phase junge Unternehmen mit Geld, aber auch Infrastruktur und administrativer Hilfe unterstützt. Darüber hinaus greift 1stMover auch Ideen auf und realisiert sie mit Gründern aus dem eigenen Pool.

Klemens Gaida war so nett, ein paar Fragen zu beantworten. Er ist Informations- & Kommunikationstechnik-Ingenieur und promovierte an der Technischen Universität Dresden. Nach Stationen als Partner einer Unternehmensberatung und als Manager in einem Mobilfunkkonzern gründete er den Internet-Inkubator 1stMover in Düsseldorf.

Klemens Gaida

1. Hallo Klemens. Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten. Was ist 1st Mover und warum engagiert Ihr Euch schwerpunktmäßig bei Mobile Start-ups?

1stMover ist Kapitalgeber und Brutkasten mit einem breiten Angebot operativer Unterstützung für Gründer mit Büro, IT, Produktentwicklung, Marketing, Buchhaltung usw. – je nach Bedarf des Gründerteams. Der Mobile Internet-Markt steht dort wo vor zehn Jahren der Internet-Markt war: es gibt noch viel Raum für ganz neue Angebote und neue große Unternehmen mit guten First Mover Chancen als erster Anbieter im Markt. Und 1stMover ist durch den Werdegang der Gründer, durch die umfassende Parternschaft mit Appseleration und durch den günstigen Standort mit vielen Mobilfunkfirmen im Umfeld besondesrs gut für den Mobile-Internet-Startup-Markt aufgestellt.

2. Wie seid Ihr finanziert und in welcher Größenordnung steigt Ihr bei jungen Gründern oder Ideen ein?

1stMover hat zzt. Zugriff auf 0,5 Mio. € und ist in Gesprächen mit Investoren über eine weitere Aufstockung des Fondsvolumen. Pro Projekt investieren wir zwischen 20-100 Tsd. €, für größere Start- oder Anschlussfinanzierungen arbeiten wir mit anderen Investoren zusammen. 1stMover refinanziert sich aus Dividenden oder Anteilsverkäufen von erfolgreichen Start-ups, an denen sich 1stMover im Rahmen der Inkubation beteiligt hat.

3. Wenn ich zwar eine tolle Idee habe, aber selbst nicht gründen kann oder will, was habe ich davon, Euch meine Idee vorzustellen? Wie profitiere ich langfristig?

Grundsätzlich sind wir an mutigen und kompetenten Gründerkandidaten interessiert – mit oder ohne eigene Geschäftsideen, da wir auch unsere eigenen Ideen mit passenden Gründern zusammenbringen können. Bei der Förderungsanfrage für eine neue Geschäftsidee sollte der Ideengeber in jedem Fall in der Lage sein, eine eigene, im Idealfall besondere Leistung in ein gemeinsames Inkubationsprojekt einzubringen. Der Ideengeber muss nicht notwendigerweise hauptberuflicher Gründer werden.

1stMover4. Wann sollten sich Gründer an Euch wenden? Was zeichnet Euch aus bzw. unterscheidet Euch von einem klassischen VC?

Gründer sollten sich an uns wenden, sobald sie entweder eine eigene Geschäftsidee gut durchdacht und ausgearbeitet haben oder sobald sie als Gründer ohne Geschäftsidee für ein Start-up-Projekt zur Verfügung stehen. Im Unterschied zu klassischen VCs investieren wir also in einer sehr frühen Phase des Start-up-Aufbaus und bieten dazu neben Kapital die bereits beschriebene operative Unterstützung an.

5. Zurzeit ist Berlin ja das Mekka der Start-ups. Warum habt Ihr Düsseldorf als Standort gewählt?

Nordrhein-Westfalen mit mehr als zwei Dutzend Hochschulen ist ein riesiger Ideen- und Gründerpool, der aber bisher erstaunlicherweise von nur ganz wenigen Inkubatoren insbesondere im Vergleich zu Berlin bearbeitet wird. NRW mit der Landeshauptstadt Düsseldorf ist noch eine Marktlücke für Investoren, in Düsseldorf fehlte ein eigenständiger Internet-Inkubator bisher komplett. Und dabei bietet sich Düsseldorf besonders für den Bereich Mobile Internet an, denn hier sind sehr viele Mobilfirmen ansässig: Vodafone, Eplus, Ericsson, Huawei u. v. a., insgesamt acht Netzbetreiber, ca. 25 Service Provider und ca. 20 Lieferanten. Durch unseren beruflichen Werdegang und unseren Partner Appseleration haben wir persönliche Kontakte zu vielen dieser Firmen, die Kunden oder auch Investoren unserer Start-ups werden können.

6. Uns Deutschen wird häufig unterstellt, wir könnten wohl gut klonen, aber eigene Ideen hätten wir nur selten. Sind wir wirklich so ideenlos oder fehlen uns nur entsprechende Strukturen?

Wie so oft in der öffentlichen Wahrnehmung wird hier m. E. übertrieben und polarisiert und wenige Beispiele, in diesem Fall große Klonfabriken in Berlin, werden als Beleg für diese These genannt. Darüber hinaus sind Klone oft bessere Firmen in neuen, bisher unbearbeiteten Zielmärkten, also eigentlich sogar die hoch gelobten First Mover. Neben diesem viel besprochenen Trend existieren aber unzählige oft stark technologiegetriebene Start-ups, die aus der Uni- und Forschungslandschaft kommen. Hier liegt m. E. eine große Chance, die inzwischen mit EXIST-Stipendien und Gründungszuschüssen mehr und mehr genutzt wird. Ein neuer Trend sind Spin-offs großer Konzerne, bei denen sich ganze Abteilungen mit Technologien und Services abspalten, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören sollen.

7. Im Technologie-Umfeld gründen überwiegend Männer. Beobachtet Ihr das auch und wie glaubt Ihr, können Frauen motiviert werden, sich in das Abenteuer “Gründung in Mobile” zu stürzen?

Die Dominanz der Männer beobachten auch wir in unseren Anfragen, Frauen sind nur sehr wenige darunter. Wir glauben, dass dies immer noch an einer anerzogenen Scheu vor Technik liegt, am besten werden Mädchen und junge Frauen einige Jahre gezielt an Technik herangeführt. Spannend ist z. B. die Initiative “Rails Girls” der umtriebigen Finnin Henrietta Kekäläinen.

8. Was sucht Ihr im Moment am dringendsten: Gründer, Investoren, Ideen, anderes?

Wir arbeiten sehr intensiv in allen drei Bereichen: Wirklich gute Geschäftsideen, die etablierte Märkte durch neue Geschäftsmodelle aufbrechen, sind viel seltener als die vielen guten Verbesserungsvorschläge, die aber keine Basis für ein eigenständiges Unternehmen bilden können. Genauso schwierig sind mutige und kompetente Gründer zu finden, die entweder Topspezialisten oder zukünftige General Manager mit Unternehmergeist sind. Trotzdem ist es uns gelungen mit 1stMover einen Pool mit richtig guten Ideen und einigen starken Gründern aufzubauen – wir können also mehr Budget für aussichtsreiche Investitionen gut gebrauchen und sprechen daher mit Investoren, die mit uns Düsseldorf zu einem neuen Gründer-Zentrumfür die mobile Internetwelt machen.

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Heike Scholz

Heike Scholz

Heike Scholz ist Gründerin von mobile zeitgeist, Autorin, gefragte Rednerin, Dozentin und Workshop-Leiterin. Mehr auf ihren Webseiten oder auf XING

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